Wien. Aug’ in Aug’ mit Michelangelo. Aug’ in Aug’ mit Adam. Aug’ in Aug’ mit Gott. Das ist der Hintergedanke der Ausstellung "Michelangelos Sixtinische Kapelle", die von 1. September bis 4. Dezember in der Votivkirche zu sehen sein wird. Dabei werden 34 Fresken aus der vatikanischen Kapelle in annähernder Originalgröße (das kleinste misst vier mal drei Meter) zu sehen sein. Der Aufbau ist dabei dem der Sixtinischen Kapelle (benannt nach Papst Sixtus IV) nachempfunden.

Die Fotografien der Fresken stammen von Erich Lessing. Er war der einzige Künstler, der nach der Restaurierung in den 80er-, 90er-Jahren die Erlaubnis bekam, in der Sixtinischen Kapelle zu fotografieren, er hält weltweit die exklusiven Lizenzrechte für die Bilder. Die von Michelangelo in jahrelanger Arbeit auf dem Rücken liegend geschaffenen Deckenfresken zählen zu den bedeutendsten Kunstwerken der Geschichte.

Aufgebaut im hinteren Teil der Kirche, sollen die Fotografien den regulären Kirchenbesuch nicht behindern. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Schöpfungsteil. Besonders auf das Jüngste Gericht soll das Augenmerk des Betrachters gelenkt werden. Es ist das erste Mal, dass man das Jüngste Gericht in seiner Originalgröße von über 150 Quadratmetern außerhalb Roms sehen kann.

Kirche trifft Museum


Die Gestaltung der Ausstellung hat Manfred Waba inne, der unter anderem für das Bühnenbild der Zauberflöte 2010 im Steinbruch St.Margarethen zuständig war. Für ihn bestand die besondere Herausforderung darin, die Werke dem Besucher so nahe wie möglich zu bringen. "Im Gegensatz zur Sixtinischen Kapelle, wo täglich 2000 Menschen bei schlechtem Licht an Bildern vorbeigeschleust werden, die sich in unbequemer Höhe an der Decke befinden, kann man den Repliken in der Ausstellung auf Augenhöhe begegnen und ganz in die Atmosphäre eintauchen", sagt Waba.

Ein ausgeklügeltes Lichtsystem wurde eigens von einer italienischen Firma angefertigt, um jedes Bild einzeln zu beleuchten. Die Möglichkeit, sich per Audioguide die Geschichte der Kunstwerke anzuhören, sollen der Ausstellung das Ambiente eines Museums verleihen. Dabei kommt den Veranstaltern die großzügige Architektur der Votivkirche entgegen. Wichtig war es den Veranstaltern auch, ohne sichtbare Gerüste oder Technik auszukommen. So soll sich der Besucher ohne Ablenkung auf die Eindrücke konzentrieren können.

Die Ausstellung hat bereits einen Testlauf in Montreal, Kanada hinter sich. Das Projekt geht auf die Macher der bekannten "Tutanchamun"- und "Titanic"-Ausstellungen zurück, in Wien hat die Schau ihre Europa-Premiere.

Wenn es nach den Veranstaltern und auch dem Pfarrer der Votivkirche geht, soll es bald Hochzeiten, Konzerte und Requien vor dem Jüngsten Gericht geben.