Mit den Gemälden der 1957 in Bordeaux geborenen Künstlerin und Designerin Nathalie Du Pasquier kommt das Gefühl auf, einer historischen Position wieder zu begegnen. Nicht von ungefähr, war doch die Autodidaktin 1980 Gründungsmitglied von Ettore Sottsass "Memphis Design- und Architekturkollektiv" in Mailand. Mit 23 war sie in der Gruppe die jüngste Produktgestalterin, zusammen erreichte man vor allem im Wohnungsdesign internationalen Einfluss. Doch auch die weiteren 35 Jahre war die Künstlerin ihrem Motto treu, Beziehungen zwischen den Formen aufzudecken und diese modellhaft zu porträtieren. So ziert den Auftakt der Schau in der Kunsthalle ein mehrteiliges hellblaues Wandbord mit Gegenständen ihres Umfelds, dabei Werkzeuge, Bilder, Keramiken, Kleinplastiken, die in ihrer Vielfalt ihren Werklauf bestimmten.

Fröhliche Zwitter

Diese Art plastische Biografie wird im Hauptraum fortgesetzt durch eine eigens entworfene Raumgestaltung, die der Anlage einer Idealstadt im Grundriss ähnelt. Die Künstlerin hat eine sehr eigenwillige Note bei aller Buntheit der Tapeten, auch der Gestaltung einzelner Bänke und Sitzmöbel für die Besucher, die mit rot-weiß-schwarzen Geometrismen überzogen sind.

Mit etwas mehr als Sichtkontakt ist für alle das Betreten der kurz geschorenen, bunten Teppichentwürfe aus der Zeit von Memphis-Design erlaubt und die Inbesitznahme der Sofas mit den bekannten Überzügen zwischen Ethnomotiven, Kinderkunst und Rasterungen. Dazu gibt es Keramikobjekte mit Scheinfunktion, eine Art Kunst-Zwitter, die sich in den letzten Schaffensjahren oft zu großen Modellen und Skulpturen erweitert haben. Vor allem aber wechseln sich Raumboxen, rundum tapeziert mit Nischen und offenen Durchblickswegen ab.

Die Stilllebenbilder, die wiederum im letzten Schritt jene Objekte auch auf die Leinwand bringen, erinnern an die 1930 bis 1950 von Le Corbusier und Amadeo Ozenfant gemalten Werke oder an Beispiele der Neuen Sachlichkeit in Deutschland und Amerika, bis hin zum Dingsurrealismus eines Konrad Klapheck. Die Kombination mit postmodernem und konstruktivem Musterspiel ist ganz typisch für die 1980er Jahre. Zumeist entstanden die hier präsentierten Werke aber nach dem Abgang Du Pasquiers von Memphis Design 1987 als eine Art Weiterführung der Designproduktion im Künstlerischen, wie die vorher genannten modellhaften Skulpturen.

Für die Ausstellung wird das Modell dann noch einmal in eine Raumgliederung erweitert, das ist eine leicht verständliche Übertragung - jedoch ist auch eine frühe Arbeit im öffentlichen Raum, die künstlerische Wandgestaltung für einen Kindergarten, mit einbezogen. Die Erweiterung des Kunstbegriffs machte es ab 1980 in Rückblick auf erste Versuche nach 1900 leicht, die Grenzen zum Kunstgewerbe völlig zu durchbrechen. Über allem aber lässt Du Pasquier die Frage der Gleichwertigkeit als frei jonglierter Theoriekanon schweben. Deshalb hat ihre Arbeit diese historische Note.

Angereicherte Wirklichkeit

Die Chronologie der Werke ist folgerichtig aufgehoben. Als Auflösung von Hierarchisierungen ehemals akademischer Kriterien wird "Big Objects Not Always Silent" in eine harmonische Rauminstallation überführt. Sie enthält eine Untersuchung von Buntfarbigkeit bis zu erdigen und pastelligen Tönen, von Formenwanderungen, egal ob gegenständlich oder abstrakt. Was bleibt, wirkt auch als Verbindung von Kunst und Leben. Bei den meist handgefertigten Zeichenalphabeten bleibt der Blick auf die Industrieproduktion einbezogen.

Passend zum Titel hat die Künstlerin ein "Schallobjekt" einbezogen. In einem persönlichen Text bezeichnet sie die Schau als eine Art Stadtteil, zugegeben ein sehr autobiografischer mit einbezogenen Atelier- und Fertigungsräumen neben Wohnsituationen. Wir sind die Besucher in vertrauten Gefilden eines Abschieds vom Industriezeitalter mit einer Rückschau auf die von Maschinen angereicherte Wirklichkeit kurz vor dem Schritt zur Informationsgesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein fast sentimentales Projekt im Programm der Kunsthalle.