• vom 09.09.2016, 15:30 Uhr

Kunst

Update: 09.09.2016, 15:53 Uhr

Ausstellungen

Wien im internationalen Kunstwettbewerb




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Von Christof Habres

  • Künstlerischer Saisonbeginn mit dem Galerienfestival curated by_vienna.

Ein kitschiger, tropischer Sonnenuntergang empfängt die Besucher.

Ein kitschiger, tropischer Sonnenuntergang empfängt die Besucher.© Galerie Thoman Ein kitschiger, tropischer Sonnenuntergang empfängt die Besucher.© Galerie Thoman

Wien. Jetzt sind sie wieder aufnahmebereit. Die Kunst-Aficionados aus Wien und dem Rest der Welt. Die Aufnahmebereitschaft wird jedoch sofort auf eine harte Probe gestellt: Das Galerienfestival curated by_2016 hat am Donnerstag seine mannigfaltigen Pforten geöffnet. 19 Wiener Galerien haben internationale Kuratoren ausgewählt, die einerseits aus den bestehenden Künstlerportfolios der Galerien, und andererseits auch (Künstler-)Gäste in die jeweiligen Ausstellungen eingebunden haben.

Die Kreativabteilung departure der Wirtschaftsagentur Wien, die für das Festival grundsätzlich budgetär verantwortlich zeichnet, hat die diesjährigen Präsentationen unter das Thema "Meine Herkunft habe ich mir selbst ausgedacht" gestellt. Ein Titel, der sich natürlich hervorragend eignet, die aktuellen Krisenszenarien, von der viel diskutierten Flüchtlingsproblematik bis zum Wiedererstarken minderheitenfeindlicher Nationalismen, künstlerisch aufzuarbeiten und zu reflektieren. Aber - weiterführend - auch ein Fokus, der den Kuratoren andere inhaltliche Ebenen öffnet.


Wie es zum Beispiel bei der Galerie Thoman zu erleben ist. Die von Anna Karina Hofbauer und Dieter Buchhart zusammengestellte Schau mit dem Titel "Re-Coding" beschäftigt sich mit den rapiden Veränderungen, denen Naturwissenschaften, Technologien und Kommunikationsformen unterworfen sind.

Schales, falsches Endprodukt
Unmittelbar beim Eingang der Galerie erschlägt eine Wandarbeit des Künstlers Mathias Kessler den Besucher: Ein unglaublich kitschiger, tropischer Sonnenuntergang in Übergroßformat lässt Besucher am Geschmack der Kuratoren zweifeln. Auf dieses Zweifeln hat es Kessler abgesehen. Die Arbeit spiegelt eine Realität, ein Sehnsuchtsverlangen wider, die selten in der erträumten Form existiert hat. Durch verschiedene Arbeitsprozesse des Künstlers - angewandtes "Re-Coding" - ist das applizierte Endprodukt ebenso schal und falsch wie naive Blicke auf romantische Naturereignisse.

Nah am Generalthema, präzise und intelligent ausgearbeitet, sind zum Beispiel die Ausstellungen in der Galerie Schwarzwälder und bei Mario Mauroner. Bei Schwarzwälder hat der amerikanische Kurator Chris Sharp eine kluge Schau organisiert, die sich unter dem Titel "As if in a foreign country" mit Fremdheit beschäftigt. Hier stechen besonders Arbeiten von Jimena Mendoza, Polly Apfelbaum, Lucas Arruda und Scott Olsen, der mit einer ganz eigentümlichen wie bemerkenswerten Maltechnik überrascht, hervor.

Für Mario Mauroner hat der Kurator Luigi Fassi die anspruchsvolle Ausstellung "Nur im Okzident" zusammengestellt. Sie versucht, ausgehend von Max Webers Auseinandersetzung mit dem Begriff Rationalität als europäisches Phänomen, die globalen, kolonialistischen und räuberischen Auswirkungen dieser Verstandsgetriebenheit zu hinterfragen und darzustellen.

Beeindruckende Werke des kubanischen Künstlers Diango Hérnandez (eine Rede Fidel Castros malerisch abstrahiert), die fesselnden Fotografien von Francois-Xavier Gibré und die ironischen Mikroskulpturen der bekanntesten Philosophen des italienischen Künstlers Hilario Isola unterstützen trefflich das Konzept des Kurators. Um eine profunde Vermittlung der 19 Ausstellungen zu erreichen, empfiehlt sich für Interessenten unbedingt eine oder mehrere Führungen mitzumachen, die während der Dauer von curated by angeboten werden. Gut in (Kunst-)Form sollte man aber auf jeden Fall sein.

Ausstellung

curated by_2016

19 Ausstellungen, 19 Galerien

www.curatedby.at




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-09-09 15:35:07
Letzte Änderung am 2016-09-09 15:53:50



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