Der 2005 im Land Salzburg ins Leben gerufene Preis für zeitgenössischen Schmuck in Österreich hat seinen Namen vom wenig bekannten Patron der Goldschmiede, Eligius. Seit drei Jahren werden Werke der Preisträger in Kooperation mit Salzburgs Traklhaus auch im Wiener MAK präsentiert. Die Tendenz zu einer Erweiterung in Sachen Körperschmuck und kleine Skulpturen zeigt sich mit der heurigen Trägerin des Ersten Preises, Lena Grabher, und zwölf weiteren Auserwählten. In Zukunft hofft die Jury allerdings auf mehr als 45 Einreichungen landesweit im Jahr.

Grabhers Projekt "Diplopia" verbindet Edelmetalle, Magneten und Spiegel mit neuen Materialien wie Silikon und 3D-Druck und erinnert mehr an Teile von Rüstungen. Auch Ursula Guttmann mit ihren "Muskelprothesen" und Andrea Maxa Halmschlager mit ihren Bortarabesken nehmen von traditionellen Schmuckstücken Abstand. Doch es gibt auch eine Basisausrichtung mit Tierformen als Vorbild wie in Beatrix Kaufmanns ansprechenden Exponaten; Sonja Bischur ist mit ihren Schleifen aus Leder bereits keine Unbekannte mehr, und Eva Petrič transformiert alte Rosenkränze und gravierte Kristalle in tragbare und ebenso künstlerische Kombinatorik.

Retrospektive Position

Die retrospektive Position, sozusagen eine Kategorie für sich, geht 2016 an Anna Heindl, die in einem Korridor einen sehenswerten Überblick ihrer allseits anerkannten Werkgruppen gibt. Was Heindl von vielen anderen Schmuckkünstlerinnen hierzulande unterscheidet, ist bei allem Augenmerk auf die kleine Skulptur die klare Form und präzise Fertigung ihrer Kunststücke. Da sie mit bildenden Künstlern wie ihrem Partner, dem Bildhauer Manfred Wakolbinger, nicht nur zusammenarbeitet - sichtbar in ihren frühen Werkgruppen aus Stahl und Email -, sondern auch von der wilden Malerei eines Hubert Schmalix und selbst Hieronymus Bosch Anregungen bezieht, kommt besondere Sinnlichkeit ins Spiel. Japan, der Orient und neuerdings der Weltraum zeigen inhaltlich Vielfalt und Fantasie.

Jede Werkperiode von einigen Jahren steht unter einem Generalthema, Gärten und Zäune sind im Paradies neben Blumen und Sternbildern enthalten. Anspielungen an Gewitter oder Tränen zeigen nach 1990 sogar politische Bezüge zum Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Es gibt in der Schmuckgeschichte keine vergleichbaren Beispiele im Umgang mit Blüten und Früchten, die von ihr gerne zu energetischen Batterien kombiniert werden. Ohr- oder Brust werden spielerisch involviert in Ornamentrahmen, Nestformen und emporragende Fühler-Ringe, die mit Bergkristallen, Turmalinen, Mond- oder Blutsteinen, Karneolen, Saphiren oder Topasen bestückt sind. Das Einschließen und Umfassen bis zur architektonischen Wirkung beherrscht niemand so wie Heindl. Ihre Kundinnen und auch die Verfasser von Texten zu ihren "Blumen der Nacht" sind daher prominente Philosophinnen, Dichter und Museumsdirektoren wie Wilfried Skreiner und Wolfgang Kos. Im Moment bewegen sie nach Knospen die Planeten in kreisender Spannung zur Erde.