Der Titel ist

das Werk

(cai) Hm. Sind drei Sätze nicht ein bissl wenig? Nein, wieso? Das ist eine Ausstellung und keine Beethoven-Sinfonie!

Wer noch nie etwas vom Lawrence Weiner (sprich Wiener) gehört hat (aber gelesen wird er was von ihm haben: "SMASHED TO PIECES (IN THE STILL OF THE NIGHT)" - steht doch unübersehbar auf dem Flakturm im Esterházypark drauf), der wird eventuell irritiert sein, weil: Die schreiben die Titel aber groß an die Wand. Das ist keine seniorenfreundliche Schrift mehr, das ist ja schon Blindenschrift. Und wo sind die Skulpturen dazu? Drei sollen ausgestellt sein. Sind die konzeptuell? Also unsichtbar? Eine bloße Idee? Doch natürlich sind die "Titel" die Skulpturen. Sprachskulpturen. Sogar zweisprachig. Mit deutscher Übersetzung. Damit sie jeder verstehen kann, auch wenn trotzdem keiner so recht weiß, worum’s da geht. Denn die entscheidende Information fehlt sowieso: Woran die beschriebene Handlung vorgenommen worden ist. "MADE DONE WITH A PINCH OF SALT / ZUM ENDE HIN MIT EINER PRISE SALZ." Aha, was zum Essen. "PEELED PAST THE CORE / AM INNERSTEN KERN VORBEIGESCHÄLT." Klingt wie: "Massiert bis aufs Mark." Eindeutig zu viel des Guten. Und: "SKEWERED WITH A SLIVER OF GOLD / AUFGESPIESST MIT EINEM SPAN AUS GOLD." Ein Stiftzahn?

Worte über Taten. Banal und rätselhaft zugleich. In der Galerie Winter wirken sie irgendwie etwas verloren. Vielleicht passen sie einfach besser in den öffentlichen Raum. Obwohl: Wie das Problem mit der Zweisprachigkeit gelöst ist, sehr österreichisch nämlich (mit einem Ortstafelstreit?), das hat was. Rot-weiß-rote Schriftbänder. Wo sich Originalfassung und "Untertitel" überschneiden (die kuscheln miteinander), verlieren die roten Buchstaben ihre Farbe.

Galerie Hubert Winter

(Breite Gasse 17)

Lawrence Weiner, bis 15. Oktober

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 14 Uhr

Jetzt ist echt schon

jeder ein Filmstar

(cai) Ich hasse Filmkritiken, wo einem schon die halberte Handlung erzählt wird. Wenn dann auch noch das Ende "sehr überraschend" sein soll, weiß man eh bereits, wie’s ausgeht, und muss sowieso nimmer ins Kino. Weil man selber zum Hulk wird. Und damit jetzt keiner grün wird und einen wütenden Leserbrief schreiben muss (denn ich verrate gleich die Pointe von Bernd Oppls "Unsichtbarem Kino"), sollte man ab hier besser nicht weiterlesen, sondern einfach im Showroom der Galerie Krinzinger die Show genießen. Ein richtiges Kinoerlebnis. Nur viel kleiner.

Man blickt also von vorn in den Kinosaal vom Filmmuseum (ein exaktes Modell davon, aus dem 3D-Drucker) und merkt nicht (he, Sie lesen ja immer noch!), dass man grad selbst der Filmstar ist. Später in der Ausstellung sieht man sich nämlich live zeitversetzt aus der Zuschauerperspektive, wie man auf der Leinwand überzeugend den Voyeur spielt. Das ist wohl die unerwartetste Wendung seit "Luke, ich bin dein Vater!".

Faszinierende Guckkästen, in denen Bernd Oppl menschenleere, filmische Räume detailliert inszeniert. Ein Nachrichtenstudio etwa. Oder sein altes Studentenzimmer. Da simulieren Licht-Effekte . . . den flimmernden Fernseher? Nein, aber die vorbeifahrenden Autos. Hochdramatisch: die surrealen Fotos. In Warte- und Schlafsälen geistert eine abstrakte, dunkle Bedrohung herum. Der Trick: Oppl hat die Modelle ertränkt und eine farbige Flüssigkeit dazugegossen. Action-Aquarelle? So was von geil.

Galerie Krinzinger/Showroom

(Seilerstätte 16)

Bernd Oppl, bis 8. Oktober

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr