• vom 04.10.2016, 15:59 Uhr

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Update: 04.10.2016, 16:08 Uhr

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Den einzelnen Tropfen macht Anna Werzowa in "Dancing" zum Star im Blitzlicht. (Leben da wirklich Männchen im Wasser?) - © Anna Werzowa

Den einzelnen Tropfen macht Anna Werzowa in "Dancing" zum Star im Blitzlicht. (Leben da wirklich Männchen im Wasser?) © Anna Werzowa

Kunst ist eine

erogene Zone


(cai) Was, bitte, ist ein "DALPRALANDERL"? Vielleicht so etwas wie das Star-Wars-Universum auf Österreichisch? Die fiktive Heimat dieser exotischen, außerirdisch anmutenden Lebensformen, die der Mario Dalpra dauernd in Bronze gießt und poppig lackiert? Und gibt es das Dalpralanderl auch in groß? Als Dalpra-Land?

Ach so, der Ausstellungstitel hat ja noch einen zweiten Teil: "LANDERLDALPRA." Es handelt sich nämlich natürlich um eine Gemeinschaftsausstellung von Mario Dalpra (Skulpturen) und Paul Landerl (Fotografie, wobei dieser Terminus eine maßlose Untertreibung ist für diese sehr malerischen Einzelstücke auf Leinwand). Nein, die beiden Künstlerfreunde haben noch keinen Doppelnamen angenommen. Weder den einen noch den andern.

Die Galerie Gans ist jetzt quasi ein Streichelzoo. Dalpras fast kindisch groteske Kreaturen mit ihrer dekorativ gelenkigen, verspielten Anatomie muss man halt einfach begrapschen. Und die wollen es doch auch. Sonst wären sie nicht so glänzend und glatt und hätten diese verführerischen Rundungen und Farben. Die rektale Gloria ("Gloria rectatus" - müsste das nicht heißen: "Gloria recta"?) ist sowieso ein ausgschamtes Luder. Schließlich hat die einen Knackpopo. Die Bronze, die sich elegant zu einem Ohrwaschl biegt, ist aber harmlos, oder? - Hallo? Das Ohr ist eine erogene Zone!

Das Dalpra-Universum ist eindeutig expandierend. Es hat sich mittlerweile bis auf die Fotos vom Paul Landerl ausgedehnt. Skurril witzige Atelierszenen, in aufregender Technik auf Leinwand übertragen. Dalpra und Landerl spielen da auf dem karierten Boden Schach. Sicher Anarchoschach, so nonkonformistisch, wie die Spielfiguren (lauter Dalpras) sind. Kunst ist kein Spielzeug? So ein Blödsinn!

Galerie Gans

(Kirchberggasse 4)

DALPRALANDERL, bis 15. Oktober

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 12 - 15 Uhr

Schau, das Wasser

macht Männchen!

(cai) Anna Werzowa kann tote Insekten wieder zum Leben erwecken. Zumindest Teile davon. (Okay, sie bewegen sich nachher vielleicht nicht ganz so, wie man es von ihnen gewohnt ist.) Außerdem bringt sie Wasser dazu, Männchen zu machen.

Der Ausstellungstitel lässt das alles ja nicht unbedingt vermuten: "A REL B." Was soll das überhaupt heißen? Werzowa: "A steht in Relation zu B." Also was Mathematisches. ("Genau.") Die intimen Arbeiten hängen alle irgendwie zusammen. Funktionieren allesamt mit Wasser, Licht und fester Materie. Ausgeklügelte technische Konstruktionen, die ein bissl was von physikalischen Versuchsanordnungen haben. (Mechanik, Optik, Hydrodynamik . . .) Aus den schillernden Flügeln eines Rosenkäfers (der war bereits hin, denn für die Kunst bringt sie prinzipiell nix um - "das brächte ich nicht übers Herz") baut die Künstlerin eine Art Propeller, den sie mittels Wasserkraft antreibt: Sie lässt das Wasser dosiert drauftropfen. Wer sich die geflügelte Show anschauen will, sollte aber aufpassen. Dass er nicht selber fliegt. Nämlich die extrem steile Stiege hinunter. Beim Abstieg in den tiefen Keller der Galerie Peithner-Lichtenfels.

"Dancing": Wassertropfen werden genau in dem Moment geblitzt, in dem sie auf der Wasseroberfläche aufprallen und der Spritzer eine flüchtige Figur formt. ("Als Kind hab ich gedacht, da sind so Männchen im Wasser.") Jede Sekunde steckt quasi ein Wassermännchen den Kopf neugierig aus dem längst übervollen Gefäß, um nachzusehen, wer ihm denn dauernd einen Tropfen aufs Dach wirft. Und weil man das Licht einer Halogenlampe nicht wie einen Käfer mit der Pinzette zerpflücken kann, zerlegt Werzowa es eben mit dem Prisma. In seine Spektralfarben. Rot, Grün, Blau projiziert sie dann separat auf wasserdampfgefüllte Glaswürfel. Atmosphärisch.

Die Schönheit der Welt, originell und spannend inszeniert, wobei der Blick aufs besondere Detail gelenkt wird. Nicht der Regen ist das Interessante, der kleine Tropfen hat seinen großen Auftritt.

GPLcontemporary

(Sonnenfelsgasse 6)

A REL B, bis 7. Oktober

Di. - Fr.: 10 - 18 Uhr

Sa.: 10 - 16 Uhr




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-10-04 16:02:07
Letzte Änderung am 2016-10-04 16:08:10


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