Das Chaos

schafft Ordnung

(cai) Die folgenden Sätze sind eventuell für Leser unter 18 Jahren nicht geeignet. Sie handeln jedenfalls von einer sehr leidenschaftlichen Beziehung.

Er schmeißt sie aufs Leintuch. Oder eigentlich trägt er sie gepflegt auf. Und nicht aufs Leintuch. Auf die Leinwand! Dann kratzt er sie. Oder macht bei ihr ein Peeling, bis sie überall Abschürfungen hat. (Jetzt klingt das schön langsam wie ein Splatterfilm.) Und eine allein reicht ihm sowieso nie. Eine Farbe. (An eine Frau hat aber eh keiner gedacht, oder?) Auch abstrakte Malerei kann also aufregende Geschichten erzählen. Michael Kravagna malt quasi lauter monochrome Bilder übereinander und macht daraus durch Ritzen und Schleifen ein buntes. Mit lebendiger Struktur. Bringt tiefere Schichten raffiniert wieder zum Vorschein. Und immer steckt irgendwie eine Ordnung dahinter. Ein Raster, ein Muster. Der Zufall ist ein Teil der Ordnung.

Auch bei Rudolfine P. Rossmann. "Desert Walk": Der Titel dieser an sich abstrakten Serie ist ziemlich realistisch. Und was auf den Bildern drauf ist, sieht außerdem fast genauso aus wie das, was die Mona Lisa im Gesicht hat. Seit wann hat die einen Sonnenbrand? So einen holt man sich doch bei einem Wüstenspaziergang, nicht? Trotzdem geht’s um das Krakelee. Dieses Netz von Haarrissen auf alten Gemälden. Ihre Begegnung mit der Wüste hat Rossmann nämlich nicht in knalligem Rot verarbeitet, sondern in subtileren Tönen. Und die zarten "Sprünge" in der Eitempera sind Rinnspuren, sensibel über die Fläche dirigiert. Feine, kontemplative Arbeiten, die an trockene Böden erinnern oder flirren wie die Luft in der Hitze.

Die zwei können in der Galerie Artmark wirklich gut miteinander. He, und beide sind aus Kärnten!

Artmark Galerie

(Singerstraße 17)

Michael Kravagna, Rudolfine P. Rossmann, bis 15. Oktober

Do., Fr.: 13 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Vorsicht,

heiß!

(cai) Die Bilder von Maria Moser passen perfekt zur beginnenden Heizsaison. Denn im Grunde sind das ja Ölheizungen (Technik: Öl auf Leinwand). Die glühen wie Herdplatten, die man vergessen hat auszuschalten. Sie geben einem fast schon Feuer. (Nicht, dass man sie als Zigarettenanzünder verwenden könnte. Wenn man sein Feuerzeug grad nicht findet.)

Man kriegt aber eh keine Brandblasen, falls man hingreift. Nicht einmal gerötete Finger. (Ich hab’s ausprobiert.) Obwohl die Gemälde riechen wie frisch gestrichen. Und sehr rot sind. (Abgeschmeckt wird das Rot mit Metallic-Grau oder gar mit echtem Asphalt.) Die Ölfarben, die Moser reichlich auf die Leinwand spachtelt oder draufpinselt, mischt sie sich am liebsten selbst. Mit Tuben fängt sie nix an. "Da kann i ned so großzügig zulangen. Und die Fünf-Kilo-Kübel gibt’s auch kaum noch." Für ihre Schöpfungs-Action, wo sich die Masse bei Kollisionen verformt oder sich Landschaften aus der brodelnden Lava erheben, braucht sie halt Materie. Ohne damit alles gleich zuzupappen. Das energiegeladene Geschehen spielt sich mit geradezu luftiger Lockerheit ab.

Aufs glühende Eisen ist sie bereits als Kind geprägt worden. Da hat sie es in der Schmiede des Vaters gesehen. Und seither fühlt sie sich zu Vulkanen hingezogen. Und zum Hochofen der Voest. Und inspiriert sich immer wieder aufs Neue an wilden Gefilden (Island, Patagonien . . .) Seit vielen Jahren entfesselt sie in ihrem Werk nun schon die Naturgewalten und es wird einem beim Zuschauen nicht langweilig.

Galerie Wolfgang Exner

(Rauhensteingasse 12)

Maria Moser, bis 31. Oktober

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr