Ihr Titelbild der Zeitschrift "Vanity Fair" mit der im siebten Monat schwangeren Demi Moore ging um die Welt. Das Foto wurde zur Ikone.

Damals war das Coverfoto ein echter Skandal. Das Heft wurde teilweise nur in einem weißen Umschlag verkauft, als sei es ein Pornomagazin. Ein paar Jahre später war es freilich der Grund, dass körperbetonte Schwangerschaftsmode für Frauen plötzlich en vogue war. Die Idee, dass ich dazu beigetragen habe, dass schwangere Frauen ihren Bauch nicht mehr verstecken müssen, wie es noch in den 60er Jahren war, gefällt mir natürlich. Obwohl ich sagen muss, dass ich beim Fotoshooting gar nicht so weit dachte. Es war vor allem Susan, die darauf beharrte, das Foto auf jeden Fall zu bringen.

Ein Foto von Scarlett Johansson im Pailletten-Bikini wirkt wie eine typische Männerfantasie. Haben Sie mit diesem Blick auf den weiblichen Körper kein Problem?

Am Anfang habe ich mich dabei komisch gefühlt. Ich erinnere mich an ein Rolling-Stones-Cover mit Carly Simon. Es war mir peinlich, das Bild aufzunehmen. Also ging der Art Director hin und machte das Foto. Als ich die Abzüge sah, dachte ich, das hätte ich besser gekonnt. Von da an habe ich alle Frauenfotos selbst gemacht. Was man da sieht und zeigt, ist auch ein Teil von einem selbst.

Mit wem würden Sie gerne noch arbeiten?

Momentan versuche ich, einen Termin mit Angela Merkel zu bekommen. Aber sie ist dauernd beschäftigt. In meinen Augen ist sie derzeit die mächtigste Frau der Welt. Ich gebe jedoch nicht auf. Bei der Queen hat es auch fünf Jahre gedauert, bis sie auf meinen Brief geantwortet hat. Und zu ihrem neunzigsten Geburtstag konnte ich sie dann sogar zum zweiten Mal fotografieren.

Die Bilder von ihr nehmen in Ihrer Ausstellung großen Raum ein. Das erste Fotoshooting löste Wirbel aus. Sie sollen die Königin aufgefordert haben, die Krone abzunehmen, und die Queen sei nicht "amused" davongestürmt.

Die BBC filmte und dabei vermittelte eine Szene den Eindruck. Der Sender hat sich danach dafür entschuldigt. Fakt war, dass die Queen ihre Krone damals nicht abnahm, aber geduldig bis zum Ende blieb. Sie gab mir sogar einen Ratschlag. Als ich ihr sagte, wie sehr ich Gesellschaftsfotograf Cecil Beaton bewundere und meine Fotos von ihr deshalb nach seinem Vorbild machen wolle, meinte sie nur: "Meine Liebe, Sie müssen Ihren eigenen Weg gehen."

Gibt es eines Ihrer Bilder, das Sie besonders mögen?

Eigentlich habe ich kein wirkliches Lieblingsbild. Aber das Porträt meiner Mutter, das auch hier in der Ausstellung hängt und mich quasi begleitet, bedeutet mir immer mehr. Es ist einfach ehrlich. Meine Mutter sieht mich an, als wäre die Kamera gar nicht da.

Ausstellung

Woman: New Portraits

Annie Leibovitz

Wanderausstellung

8. bis 11. Dezember in New York, danach in Zürich