"Wenn man Direktorin des Belvedere werden will, muss man solche Ausstellungen machen", sagt Gottfried Bechtold über Stella Rollig und seine neue Einzelausstellung am Lentos. Der Abgang der langjährigen Leiterin des Linzer Kunstmuseums ans Wiener Belvedere, der Ende Oktober bekanntgegeben wurde, ist unweigerlich und nach wie vor ein großes Thema in Linz - mit vielen Glückwünschen und Abschiedsworten.

Die Personale zu Gottfried Bechtold, eine Ausstellung mitten in der Saison, ist nun plötzlich die letzte Ausstellung, die Rollig im Lentos eröffnet, bevor sie Ende des Jahres nach Wien wechselt. Es ist eine mehr als würdige Abschiedsausstellung. Die Suche nach einer Nachfolge startet im Jänner und soll gegen Mitte des kommenden Jahres abgeschlossen sein, sagt Vizebürgermeister Bernhard Baier, der sich einerseits über das neue Netzwerk nach Wien freut, vor allem aber den Verlust der langjährigen Direktorin bedauert.

Eine Reise durch die Genres


Die Zusammenarbeit mit Gottfried Bechtold zieht sich durch viele Rollig-Jahre am Lentos: 2009 holte sie für die Kulturhauptstadt-Ausstellung "Best of Austria" seine Beton-Porsches in den Freiraum unter dem Lentos-Bogen. Auch bei "Car Culture" war Bechtold vertreten. Und auch diesmal war es demolierter Betonporsche, der schon Wochen vorher im öffentlichen Raum auf die Ausstellung aufmerksam machte.

Der Faden wurde also wieder aufgenommen - das Ziel der Kuratorin Margareta Sandhofer war aber, nicht wieder "den mit den Betonporsches" zu zeigen, sondern Bechtold in seiner Vielfalt auszustellen. So sind zwar doch zwei Autos vertreten, aber etwas versteckt im hinteren Bereich der Ausstellung. Begrüßt wird der Besucher von einem hockenden Knaben aus Bronze, der fünf Zündhölzer auf den Boden fallen hat lassen. Die Anordnung der Hölzer wiederholt sich in fünf Neonröhren, die sich wiederum im spiegelnden Boden wiederfinden. Das Eingangswerk soll für Bechtolds steten bildhauerischen Blick stehen und auf die Vielfalt in der Ausstellung vorbereiten. "Die meisten Ausstellungen zeigen eine Frontalansicht des Künstlers", sagt Bechtold bei der Führung. "Von mir wurde nun eine Seitenansicht, eine Rückenansicht, ein Grundriss gemacht." Er habe sich bei der Arbeit an der Ausstellung oft über die Auswahl der Kuratorin gewundert, sagt der Vorarlberger Künstler. "Jetzt bin ich aber hypereinverstanden."

Es ist eine Reise durch die Jahrzehnte, durch die Genres geworden. Mit großen Objekten, die auf den weiten Raum aufgeteilt sind, und kleinteiligen Zeichnungen und Skizzen an den Wänden. Wie eine Hauptschlagader im Zentrum die "Schiene Kofler", ein 21 Meter langer Stahlträger auf zwei Böcken, an der Grenze der Stabilität und Tragfähigkeit. Wäre die Schiene nur wenige Zentimeter länger, würde sie brechen. Daneben eine Dokumentation von Bechtolds Beitrag an der documenta 5 im Jahr 1972. "Ich wollte eben kein Kunstwerk ausstellen, ich war nur anwesend", beschreibt er sein Projekt "100 Tage Anwesenheit in Kassel". Im Intervall von 15 Minuten erfolgte damals die Durchsage, wo sich der Künstler gerade befindet. Die daraus entstandenen hunderten Gespräche und Begegnungen wurden zum Kunstwerk.

Ein neueres Werk aus 2014 trägt scheinbar die Decke des Lentos: Die silbrig-glänzende Säule "Colonna Infinita" beginnt als runde Säule und endet oben mit einem quadratischen Querschnitt. Die zwei Autos der Ausstellung sind das Werk "im memoriam Jochen Rindt", ein hohler schwarzer Porsche, der sich nur mehr um seine eigene Achse rollen kann, und Bechtolds "Verdichtung", ein zu einem Quader gepresster Porsche 997.

Der "unmoralische Raum"


Abseits der großen Skulpturen findet man feine Zeichnungen und Skizzen rundherum, etwa die "Broken Hand Drawings", die Bechtold 1981 mit einer Handfraktur zeichnete oder Skizzen zu unterirdischen Skulpturen. Ein hinterer Bereich, von der Kuratorin scherzhaft "unmoralischer Raum" genannt, zeigt die Fotoarbeit "Aktsequenz": Eine nackte Frau mit gespreizten Beinen, der der Fotograf immer näher rückt. Die Scham ist weißen Vorhängen bedeckt und macht die Zuschauer zum Voyeur. Bechtold wollte mit der Arbeit 1977 auf den heuchlerischen Umgang mit Aktdarstellungen in der Kunstszene der 70er aufmerksam machen. "Ich habe mich dabei eher als Gynäkologe gefühlt."

Zuletzt werden verwirklichte und unrealisierte Modelle gezeigt, und Bechtolds Signaturen: einmal auf einer Staumauer, einmal auf einer Lok - und seine vergänglichste Signatur: "Bechtold" mit einer Pistenraupe durch Vorarlberger Tiefschnee gefahren.

Ausstellung

Gottfried Bechtold

Kunstmuseum Lentos Linz

Bis 26. Februar 2017