Die Natur

der Farbe

(cai) Malen ist etwas völlig Natürliches. Einen unnatürlichen Eindruck machen diese Gemälde jedenfalls nicht auf mich.

Gemalt hat sie der Harald Gangl zwar eh abstrakt, herausgekommen sind aber trotzdem beschauliche, kontemplative Landschaften in den betörendsten Farbstimmungen. Von kitschig romantisch bis düster. Am Horizont blinzelt die Sonne in den Tag hinein (oder geht der Tag gerade schlafen und macht das Licht aus?), ein andermal glüht der Himmel apokalyptisch über einem toten Wald. Und dann ist die Leinwand wieder tief verschneit. Das kann ich mir doch nicht alles bloß eingebildet haben, oder? Weil ich zum Beispiel total benebelt gewesen wäre von der Ausdünstung der Ölbilder. High von den Lösungsmitteldämpfen. Quasi weg und hin vom Terpentin. Obwohl es im Keller der Galerie Frey eigentlich schon riecht wie in einer Terpentinhöhle und ich zugegebenermaßen ein nasaler Charakter bin, also eine Schnüfflerin (Terpentinschnüffeln - eine Berufskrankheit der Kunstkritiker), und tief eingeatmet habe.

Gangl (1959 in Klagenfurt geboren und später in Wien Meisterschüler von Wolfgang Hollegha) hat unleugbar viel Farbgefühl. Und ein sehr inniges Verhältnis zur Farbe. Er malt nämlich nicht nur mit Besteck (Pinsel, Spachtel . . .), er reibt und wischt auch gern direkt mit dem Handballen. Und am Ende walzt er alles sinnlich glatt. Komprimiert seine nicht wenigen Schichten zu nuancenreich diffusen Farbgefilden, die überall Assoziationen an die Natur wecken. An Bäume, Hügel, Seen . . .

Es ist eine wahre Freude, sich diese Ausstellung (Titel: "Traces") anzusehen. Den wohligen Zusammenklang der unterschiedlich gestimmten Bilder. Und das hat garantiert nix mit der Nase zu tun, die ja ebenfalls fleißig mitschaut.

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Harald Gangl, bis 30. Dezember Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Die Dinger aus

einer anderen Welt

(cai) Gibt es intelligente Lebensformen im Weltall? Na ja, uns zum Beispiel. Die Menschen. Aber Eigenlob stinkt ja angeblich.

Um die anderen da draußen geht’s in der bechter kastowsky galerie: "bad news from outer space." Und wieso sind die Nachrichten schlecht? Weil wir offenbar nicht die mit dem höchsten IQ im Universum sind? Ganz so aktuell schauen die Neuigkeiten, die Thomas Thyrion aufgezeichnet (oder aufgemalt) hat, freilich eh nicht aus. Die sind mindestens 50 Jahre alt. Die abgebildeten Personen sind jedenfalls altvatrisch angezogen (Erdlinge natürlich; von den Aliens wüsste ich ja nicht, was bei denen grad in Mode ist) und die Farben sind nostalgisch getönt. Das lässt nur den einen Schluss zu: Der Pinsel des Malers ist eine Zeitmaschine, mit der dieser in die Vergangenheit gereist ist. Dort hat Thyrion zwei Ufos in den Wolken gesichtet. (Gut, er ist Belgier und seine Heimat war um 1990 bei außerirdischen Sightseeing-Touristen überaus beliebt.) In geheime Labors hat er sich eingeschlichen, wo ratlose Wissenschafter surreale Dinger aus einer anderen Welt untersucht haben. Überall mysteriöse Schwebeobjekte. Megakugeln. Ein Riesendonut (groß wie Godzillas Schwimmreifen). Oder ein . . . hm. Ein organisches Raumschiff? Ein Wal mit Warp-Antrieb? Oder ist das ein Maxi-Mozzarella vom Mars, ein "Marsarella"? Ist der Künstler in Wahrheit selber ein Außerirdischer? Immerhin zeigt er uns militärische Sperrgebiete aus der Ufo-Perspektive, also von oben.

Zwei Männer blicken in einen Krater. Ui, die werden sicher gleich von den Todesstrahlen der Marsianer eingeäschert werden wie in "Kampf der Welten". Oder auch nicht. Denn der Künstler überlässt es der Phantasie, was sie dort unten sehen. Gekonnt spielt er mit der Lust am Geheimnisvollen, Unheimlichen. Das intime, geradezu verschwörerische Kleinformat der delikat gemalten Bilder passt da perfekt. Die Technik ist allerdings irdisch: Öl auf Holz. Und Aquarell auf Papier.

bechter kastowsky galerie

(Gluckgasse 3, Mezzanin)

Thomas Thyrion, bis 24. Dezember

Do., Fr.: 10 - 19 Uhr

Sa.: 10 - 15 Uhr