Es ist der 45-Minuten-Film "Strange Magic", den die New Yorker Künstlerin Sarah Morris mit einem ihrer Bilder konfrontiert. Die Tonnenarchitektur der Kunsthalle wirkt dabei für sich mit nur zwei beleuchteten Leinwänden für Film und Gemälde auf Beton. Malerei und Film laufen bei ihr als Parallelaktion "wie zwei Seiten einer Medaille" (Morris). Die geometrisch-konstruktiven Bildserien erinnern an die den Farbfeldern folgenden Werke des "Hard Edge"-Stils um 1960 in New York, wobei sich für sie globale Fragen nach Macht und Kontrolle anschließen. Und die werden auch in ihren Filmen über teils hartkantiges Takten transportiert. An mehreren Tagen wird das Filmprogramm als eine kleine Retrospektive zurück bis zu den Anfängen in den 1990er Jahren erweitert. Doch schon "Strange Magic" von 2014 wirft für die Besucher als eine Geschichte ohne Erzählung in einer Linie viele Fragen auf.

Denn es gibt sehr wohl Inhalte, die transportiert werden in diesen wechselhaften Abläufen, die sich auf Großstadt, Städtebau, in dem Fall Paris und den Bau der Foundation Louis Vuitton durch Stararchitekt Frank Gehry, beziehen. Doch daneben werden die Protagonisten am Rande der Luxusindustrie von Mode, Parfüm und Champagner eingefangen - die Arbeiter in den Rosenhainen, an den Parfümabfüllmaschinen, an der Baustelle, im Champagnerkeller, die radfahrenden Französinnen, Reiter, Kinder am Spielplatz und Touristen am Eiffelturm. Manches Thema konkretisiert sich kurz wie der Sound, der zur Melodie wird und wieder zurückfällt ins Geräusch. Dass es sich um einen Auftrag handelt, der den Bau der Foundation begleiten soll, kommt nur zwischendurch in den Sinn, wenn sich die Kamera auf Gehry richtet oder seine Hand beim Signieren. Sein Atelier, das wie eine Fabrik für Architekturmodelle anmutet, bestimmt auch den einzigen Schwenk hinaus aus Paris nach Amerika, weg von der großen Übersicht im Blick auf vom Eiffelturm auf die Baustelle der Foundation.

Morris kennt alle Tricks

Am Anfang eine Stiege, über die Wasser zu musikalischen Takten herunter rinnt - dann die Konstruktion des Eiffelturms in Bezug zu jener von Gehry, und immer wieder ein heroischer und historisch anmutender Moment, selbst wenn ein Sektkorken knallt, Champagner langsam perlt oder die Glaskugeln auf Dior-Parfümflaschen aufgesetzt werden: Kultfilme eines Sergej Eisenstein, Andrei Tarkowski, Stanley Kubrick und natürlich Glanz und Glamour in "Citizen Cane" von Orson Welles von 1941, tauchen da assoziativ auf. Morris kennt alle Tricks der Regisseure und reflektiert immer wieder auf das Machen von Kunst, ihr Abgehen vom normalen Takt gibt die Ambivalenz unserer Gehetztheit und Langsamkeit im Leben als hierarchische Gesten oft im Weitwinkel vor. Dazu kommt der Kitsch eines Sonnenuntergangs und sanften Nachtauftakts unter Bäumen, bevor der Pariser Straßenstrich Realität wird. Da ist das romantische Klischee des schönen und lockeren Pariser Lebens dahin.

Der Begriff "Hard Edge", den 1958 Kunstkritiker Jules Langsner für Arbeiten von Ellsworth Kelley und Ad Reinhardt prägte, wird von Morris in Bildserien und Filme transformiert - die Beziehung zur neu-männlichen Härte der Konsumgesellschaft liegt da nicht fern. Selbst die schönen Menschen, die Rosen pflücken oder Parfüm in Flakons füllen, die Perfektion des Make-ups der Mannequins, zwingt uns einen Moment später zum Schwenk auf armes Material wie Pappe und Staub, zur Mickey-Maus-Figur am Seitenregal des Stararchitekten. Wellen und Glashautarchitekturen sind auch in anderen Filmen wichtig, vom Münchner Olympiagelände "1972" zum Olympiastadion von "Beijing", in "Capital" blickte sie 2000 auf das White House unter dem amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, 2011 folgte ein Porträt von "Chicago" samt Glaspavillon von Philipp Johnson und 2012 folgte sie in "Rio" den harten Kanten des Turbokapitalismus.