Mona Lisa, nachgereift: Helga Petrau-Heinzel schaut dem Alter lustvoll in seine lächelnden, faltigen Gesichter. - © Heinz W. Beck
Mona Lisa, nachgereift: Helga Petrau-Heinzel schaut dem Alter lustvoll in seine lächelnden, faltigen Gesichter. - © Heinz W. Beck

Malen ohne

Führerschein

(cai) 94 wird der Hans Staudacher zwar erst im neuen Jahr, aber die Bilder bloß für einen einzigen Tag aufzuhängen (der 14. Jänner ist noch dazu ein Samstag), das wäre denn doch ein bissl unökonomisch gewesen. Und die Galerie Hilger zeigt immerhin eine Auswahl aus einem halben Jahrhundert.

Was der in Wien lebende Kärntner seit den 1950er Jahren macht, hat viele Namen: Informel, Tachismus, Abstrakter Expressionismus, Action-Painting. Auf gut Österreichisch würde man wohl "Kricksi-Kracksi" dazu sagen. Zu diesen spontanen, vielfach skripturalen Gesten ohne Geometrie. Gut, die Leinwände sind schon rechteckig. Der Staudacher ("Ich bin Autodidakt, aber ich fahr nicht Auto" - obwohl er natürlich durchaus was von den andern gelernt hat, besonders vom lettristischen OEuvre eines Georges Mathieu), der kritzelt freilich auf hohem Niveau. Vor allem in den luftigeren Arbeiten, wo die Spannung nicht im Horror vacui versumpft.

Temperamentvolle Improvisationen. Sehr musikalisch. Abstrakte Lyrik in freien Rhythmen und in unleserlicher Schrift. Mittendrin "richtige" Wörter. Oder wie er es selbst in seinem Manifest von 1960 beschreibt: "Abstrakte Kunst ist Handschrift, Farbe, Tanz, Spiel, Zeichen, Einfall, Wort, Überfluss, Bewegung, Geschwindigkeit." Wer genau hinschaut, bemerkt sogar Witz und Ironie. Rote Spuren, dazu die Warnung: "Blut rundherum - gib acht!" Und der Professor ohne Matura hatte außerdem keinen Genierer, Herzerln zu zeichnen.

Einen Staudacher erkennt man jedenfalls auf Anhieb. (Nicht nur, weil er seinen Namen groß draufschreibt.) Und trotzdem sind keine zwei Bilder gleich. Seinem eigenen Stil so lange treu zu bleiben, ohne irgendwann langweilig zu werden, das ist schon eine Leistung, oder?

Galerie Ernst Hilger

(Dorotheergasse 5)

Hans Staudacher zum 94.

Bis 21. Jänner

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Altern

hält jung

(cai) "Ich war ja eh sehr milde. Am Anfang wollt’ ich wirklich boshaft sein. Sie ham mir dann aber leidgetan, die alten Damen." Wieso? Was wollte die Helga Petrau-Heinzel mit ihren betagten Opfern denn anstellen? Ihnen ein Tutu anziehen? Ach so, das hat sie ja bereits mit ihnen gemacht.

Eine lässt sie anscheinend sogar den weißen Schwan tanzen. (Nicht den grauen? Nein, die Haare sind eindeutig weiß.) Und der pompösen Ballerina macht das sichtlich Spaß. Ihr inniges Pas de deux mit dem in die Jahre gekommenen, hageren Prinzen. Eine atemberaubende Demonstration der Emanzipation. Obwohl die Frau unten und der Mann oben ist. Bei einer Hebefigur ist das nämlich alles andere als die Missionarsstellung. Herrlich, wie vergnügt und mit welcher Grazie diese üppigen Ballerinen der Schwerkraft auf Zehenspitzen davonhopsen. Regelrechte "Bladerinen". Dabei füttert die Künstlerin sie bloß mit kalorienarmem Zeitungspapier. Okay, sie stopft sie damit aus. Wie alle ihre liebenswert skurrilen Charaktere. Dann tapeziert sie sie mit Japanpapier und bemalt sie delikat mit Aquarellfarben.

Hingebungs- und verständnisvoll ("Himmel, ich bin ja selber auch nimmer so jung") und detailversessen hat sich Petrau-Heinzel in Zeiten des Jugendwahns in die Welt der Golden Girls hineinversetzt. Humor und Selbstironie beweist sie schon mit dem Ausstellungstitel: "Altweibersommer . . . mit Krähenfüßen und Busenwärmern." Busenwärmer? Ja. Wie Eierwärmer. Nur halt für - zwei. Die Woll-BHs (Tschuldigung: BWs, mit neckischen Nippeln, die mehr oder weniger weit nach unten zeigen) hängen wie Trophäen an den Wänden. Reife Erotik. Stricken ist das neue Tantra.

Bei den Porträtbüsten sitzt jede Falte perfekt. Das Botox wird einfach weggelächelt. Lebendige, beseelte Gesichter. (Diesmal nicht aus Marzipan. Das knetet die Wienerin sonst so gern.) Jö, ein Kochtopf aus gestärkter Spitze! Das sind trotzdem keine Altersheimchen am Herd. Die kochen futuristisch. Postappetitlich. (Seepferdchen.) Und könnte man mit der Häkelnadel neben Luftmaschen auch Wasserstoff- und Sauerstoffmaschen erzeugen, hätte Helga Petrau-Heinzel das Kochwasser sicher ebenfalls noch gehäkelt.

Schauraum Breite Gasse 14

Helga Petrau-Heinzel

Bis 29. Dezember

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr