Meins, meins, meins! Wenn ich das Werk von einem andern anmale, ist es von mir. Cola-Flasche von Gaylen Gerber. - © Gaylen Gerber
Meins, meins, meins! Wenn ich das Werk von einem andern anmale, ist es von mir. Cola-Flasche von Gaylen Gerber. - © Gaylen Gerber

It’s raining . . .

wieder nur Männer

(cai) Wenn die Welt so untergeht, wie Norbert Bisky es gemalt hat, muss ich mir echt keine Sorgen machen. Dann betrifft mich das eh nicht. Weil ich eine Frau bin.

Die Verdammten, die sich hier im freien Fall befinden, sind nämlich lauter Männer. Oder halten sich die Frauen derweil alle in den explodierenden oder schwankenden Häusern auf, gegen die die Fluten schwappen? Nicht, dass ich für eine verpflichtende Frauenquote in der Kunst wäre. Außerdem ist das weibliche Geschlecht ja vielleicht auch beim gemalten maskulinen Plural mitgemeint. (Falls das nicht in Wahrheit eine Vision vom Ende des Patriarchats ist.) Aber trägt diese kleine Figur ganz hinten nicht ein Kleid?

Das Glanzstück der Schau in der Galerie Crone, das einen sehr musikalischen Titel trägt ("It’s Raining Men"? Nein, "Dies Irae", der "Tag des Zorns", wie im Requiem), ist schon allein durch die Ausmaße beeindruckend. Das Bild (dreiteilig) ist größer als mein Wohnzimmer. 22,5 Quadratmeter apokalyptisches Chaos. Purzelnde Körper, Meteoriten, Feuer. Kein Horizont hält den Himmel und den aufgewühlten Ozean noch auseinander. Keiner weiß mehr, wo oben und unten ist. (Was nicht unbedingt damit zu tun hat, dass der in der DDR aufgewachsene gebürtige Leipziger, der jetzt in Berlin lebt, ein Baselitz-Schüler war.)

Die Stimmung und Zukunftsängste in einer instabiler werdenden Welt (Terror, Flüchtlinge, Arbeitslosigkeit), eindrucksvoll interpretiert als Jüngstes Gericht. Schmissig gemalt in frischen, wie aus einem barocken Himmel getropften Farben. Der Realismus löst sich immer wieder in abstrakte Gefilde auf. Daneben wirft der Künstler auf Papier einen intimeren Blick aufs Thema. Also mich wundert’s nicht, dass die Ausstellung praktisch ausverkauft ist.

Galerie Crone

(Getreidemarkt 14)

Norbert Bisky, bis 31. Dezember Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Wer hat Angst

vorm Original?

(cai) Von dieser Ausstellung kriegt man direkt eine Gänsehaut. Am Anfang hält man sie ja noch für harmlos. Für ein bissl langweilig vielleicht. Bis man hinter das dunkle Geheimnis kommt. Dann ist es wie in diesem Horrorfilm. ("Das Wachsfigurenkabinett.")

Ich hab mich in der Galerie Emanuel Layr jedenfalls gefühlt wie ein Opfer von Vincent Price, das endlich draufkommt, warum diese Wachsfiguren so lebensecht sind. (Wachs auf Leiche.) Ich war also entsetzt. Auch wenn der Gruselschocker, in dem ich mich grad befunden habe, eher geheißen hätte: "Der Museumsshop des Völkerkundemuseums." Die Exponate sind nämlich gar keine Repliken aus Ton oder Gipsabgüsse von Artefakten aus diversen Kulturen. Was aussieht wie eine billige Kopie, verdankt sich der Technik Öl auf . . . Original. Ohne Genierer malt Gaylen Gerber afrikanische Stammeskunst oder eine kulturrevolutionäre Teekanne weiß oder grau an. Doch ebenso eine banale Cola-Flasche. Na ja, in 10.000 Jahren werden die Archäologen, die eine ausgraben, sowieso darüber rätseln, wer denn dieser Coca-Cola ist. (Der Gott der Globalisierung.) Der Nervenkitzel ist kaum auszuhalten, wenn man den Begleittext liest und erfährt, was sich jeweils unter der neutralen Oberfläche verbirgt. Unter der monochromen Illusionsmalerei, die Holz, Stein, Kupfer in Gips und Ton verwandelt. Was? Tang-Dynastie? Wie barbarisch! Aha, ein Spiegel, 20. Jahrhundert. Ach, um den wird’s eh nicht schad sein. Wie nennt man diese Stilrichtung überhaupt? Vandalismus? Kommunismus? (Immerhin wird kein Unterschied gemacht zwischen einer uralten Scherbe und einem Betonbröckerl von heute.)

Gaylen Gerber schafft es mit einem simplen, faden Anstrich, der insgeheim total spannend ist, das Wertesystem Kunst komplett zu hinterfragen. Was ist Kunst, was ist sie wert, wem gehört sie, und darf ich, wenn ich ein Kunstwerk kaufe, alles damit anstellen? Der Erwerb einer Eintrittskarte für die Sixtinische Kapelle berechtigt aber natürlich trotzdem nicht zum Ausweißeln derselben.

Galerie Emanuel Layr

(Seilerstätte 2)

Gaylen Gerber, bis 14. Jänner

Mi. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr