Svenja Deininger thematisiert Fragen der Malerei. - © Svenja Deininger
Svenja Deininger thematisiert Fragen der Malerei. - © Svenja Deininger

Auch wenn es Fragen der Malerei sind, die Svenja Deininger in "Echo of a Mirror Fragment" im Hauptraum thematisiert, ist ihre künstlerische Forschung im Tempelbau des Jugendstils mit seinen Eigenheiten im Außen- und Innenraum intensiv zu spüren. Das gilt ebenso für den jungen kolumbianischen Künstler Gabriel Sierra in der Kellergalerie, der raumbezogen mit skulpturalen Wandelementen ohne Funktion arbeitet. Medienreflexiv auf den Prozess, die Herstellung und das Material bezogen, erinnern die Gusssand- und Metallarbeiten von Angelika Loderer im Grafischen Kabinett an die grundsätzliche Diskussion mit dem Beiläufigen im Entstehungsprozess eines Kunstwerks - wie schon in historischen Konzepten zum Gesamtkunstwerk um 1902 in der Secession.

Ein Ort der Qualen

Ist hier ein Ort der Qualen in der Auseinadersetzung mit allem, was schon in der ersten und zweiten Moderne diskutiert wurde? Heutiges Understatement versucht meist, den geschichtsträchtigen Ort ein wenig zu negieren. Aber auch nicht ganz, denn die letzten zwei Jahre arbeitete Deininger für die Schau an ihren verschiedenformatigen Bildern, die Formen zwischen Abstraktion und figuralen Motiven auch zu Reliefs erweitern. Dementsprechend werden Halbkreise und schwingende Bögen, die sie im Außenbereich der Secession in Bau und Ornament beobachtet hat, nach innen geholt. Von einer Ausstellung des Künstlers Sol Le Witt im Hauptraum vor Jahrzehnten zitiert sie zwei Tondo-Formate, die damals Fenster zum Vorraum waren. Ihre einzelnen Formfragmente sind im Bild oft gespiegelt und werden in Variationen immer wieder, anders farbig auch in anderen Werken aufgenommen. Viele Bildobjekte sind Zwitter zwischen Malerei und Relief, oder täuschen das sogar vor. Meist scharf getrennten Flächen sind akzentuiert durch unterschiedlich stark aufgetragene Grundierung und Farbschichten, teils durch Abschleifen ergeben sich transparente Flächen, Korrespondenzen gibt es aber auch zwischen Farbakzenten.

Subtil, fast ironisch, ist das Zitat eines goldenen Steges zwischen Formteilungen, wie im Boden des symmetrischen Hauptraums zwischen den Gussplatten. Erinnernd an Gustav Klimt und Mitstreiter um 1900, bringt das quadratische Format die Konsequenz eines flachen Sehens. Die dominante Raumsymmetrie bleibt durch die Werke spürbar, wird von Deininger durch Farbakzente und Hängen von unterschiedlichen Formaten jedoch massiv contrakariert. Um sie wieder zu betonen, sind die Seitenschiffe getrennt durch Wände mit schmalen hohen Durchgängen. Weites verunsichernd ist das Heraustreten der einzelnen Bögen, Rahmen und Kreissegmente aus den Bildern und auch die Täuschungen, wenn einzelne Ausschnitte die Malerei wie Relief wirken lassen. Im rechten Seitenschiff mutieren die Formexperimente zu Jugendstilglasfenstern ähnlichen Bildmustern, und doch sind es wieder nur Versuche zu Symmetrie und Formzitat, verbunden mit Farbspiel.

Wahrnehmung im Raum

Philosophische Ambitionen vermittelt uns Sierra in der Kellergalerie durch seinen Titel: "The first Impressions of the Year 2018 (During the early days of the year 2017)" zu einem klaren Display. Er spricht von Wahrnehmung der Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit im Raum, dessen Wände mit rosa Boxen, Rahmen oder funktionslosen und abstrakten Elementen verbaut sind, die er in eine Lichtdramaturgie einspannt. Sie richtet sich nach vorhandenen Türen und Oberlichten, die sonst immer verdeckt bleiben. Die Installation wird zur Bühne, die unsere abendländische Geschichte zentralperspektivischen Sehens verhandeln. Wichtig sind neben dem Schweben der Boxen über dem Boden, die Körperfarbe und der Bezug zur existierenden Kelleratmosphäre einer historischen Architektur. Aus seiner teils dunklen Sehwelt kommen wir bei Loderer im Grafischen Kabinett zu wichtigen Materialfragen, gekoppelt mit Arbeitsprozessen wie Guss von Sand, Metall und der Anwendung von unberechenbarem Pilzmyzel.