Die Sammlung Klewan stellt Geschmacksfragen neu: Giorgio de Chiricos "Piazza d’Italia con cavallo". - © Sammlung Klewan/VG Bild-Kunst, Bonn
Die Sammlung Klewan stellt Geschmacksfragen neu: Giorgio de Chiricos "Piazza d’Italia con cavallo". - © Sammlung Klewan/VG Bild-Kunst, Bonn

Erstmals ist die Orangerie zu einigen Kunstmarktkojen verwandelt. Das hat seinen Grund, denn in ihnen hängen, dicht an dicht, 188 Werke aus der viel größeren Sammlung Klewan, die tatsächlich ein Porträt österreichischer Kunstgeschichte repräsentiert, wie der Titel suggeriert. Als "Wiener Note" weist sie Helmut Klewans Nähe zu wichtigen Künstlern wie Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Günter Brus und internationalen Positionen wie Pablo Picasso oder Alberto Giacometti auf, die der Galerist in Wien und München teilweise exklusiv vertreten hat, aber eben auch Querverbindungen zu Werner Hofmann, ist also Teil hiesiger Kunst- und Museumsgeschichte.

Dabei kommen innovative Geschmacksfragen der Kunst nach 1945, wie Art brut, Informel, aber auch der Kitsch, der als Kunst aufzuwerten ist, zur Sprache. Hofmann erkannte das Potenzial von Kitsch lange vor der Entdeckung Jeff Koons’, und Klewan regte ihn wohl mit an, denn er nahm Hans Zatzka, Anton Romako, den späten Giorgio de Chirico und den frühen Christian Ludwig Attersee zu jungen Positionen auf, die mit dem Aspekt des gar nicht so schlechten Geschmacks ihr lustvolles Spiel zum Fall der Hierarchien treiben.

Im "Haus der Bilder" in der Breite Gasse kombinierte Klewan gewagt Hochkunst und Populäres, doch das Wiener Publikum verstand seine wilde Mischung ebenso wenig wie die Museumsdirektoren, die eine Aufnahme der Sammlung in Mumok oder Leopold Museum verhinderten. Rudolf Leopold handelte zwar mit Klewan, vielleicht waren manche Interessen auch zu ähnlich. Jedenfalls hielten viele von der scheinbar heteronomen Sammlung bis jetzt Abstand.

Aktualität der Sammlung

Heute wird Klewans Eigenwilligkeit in Wien neu gesehen und sein Abgang nach München bedauert. Die Sammlungsschau wandert von Augsburg über Wien bis nach Liberec. Zu hoffen bleibt aber, dass sich der frühere Galerist letztlich doch entscheidet, seine Schätze und Unbekannten einmal an das Belvedere zu geben.

Stella Rollig hat den historischen Aspekt neben Brisanz und Aktualität der Werkkonvolute für Wien erkannt und ist auch bereit, die Komplexität der großen Namen, wie Francis Bacon, Al Hansen, Jean Dubuffet, Max Ernst, Piero Manzoni, Man Ray, Joseph Beuys, zu Walter Pichler, aber auch Hermann Nitsch, Brus und Gerhard Rühm, neben Uwe Lausen, William Copley, Gaston Chaissac oder Mara Mattuschka, in allen Facetten wissenschaftlich mit den Belvedere-Beständen in Bezug zu bringen. Der Anfang ist jedenfalls getan, fehlt nur noch die Entscheidung des jetzigen Wahlmünchners für eine Rückkehr zu seinen Ausgangspositionen. Das Publikum würde ihm heute die damals fehlende Aufmerksamkeit schenken.