Lawrence Alma-Tadema (1836- 1912) stammte aus den Niederlanden, studierte in Belgien und ging dann ins viktorianische England, wo er zum Künstlerstar aufstieg. Seine dortige Stellung ähnelt jener von Hans Makart in Wien. Wie dieser wurde der 1899 von Königin Viktoria zum Ritter geschlagene teuerste Maler seiner Zeit nach seinem Tod für Jahrzehnte vergessen, außer von den Regisseuren des Stummfilms, und er war als Vorlage brauchbar für die spätere filmische Antikenrezeption in "Quo Vadis?" Als Ridley Scott sich für die Kostüme und das Bühnenbild von "Gladiator" wieder von Sir Alma-Tademas Gemälden inspirieren ließ, hatte nach der Pop-Art seine Renaissance in der Postmoderne begonnen, die sich heute am Kunstmarkt niederschlägt: Für seine Ägyptomanie in einem Mosesbild wurden 30 Millionen Euro bezahlt.

Flucht in die Antike

Alma-Tadema lebte in einer Krisenzeit und trat - wie Makart - die Flucht in die Antike an, auch sein Atelierhaus, das er mit seiner zweiten Frau, die seine Malschülerin war, teilte, beschwor wie seine zum Glück an vielen Gemälden erhaltenen klassizistischen Rahmen das Altertum im dionysischen Sinn. Nicht mehr nur das alte Griechenland lockte die Gemüter, sondern eher die alten Ägypter und die dekadenten Römer. Von Kaiser Augustus über Titus und Hadrian bis Nero und Elagabal waren die besonders in Verruf geratenen Diktatoren sein Thema, dazu versuchte er den Alltag der Oberschicht in Pompeji, Rom und Alexandrien passend zur Dekadenz nach 1850 wiederzuerwecken. Voll Liebe zum Detail, das er nach archäologischen Funden und ihn umgebenden Antikenkopien, antikisierenden Möbeln und Kostümen in großer Üppigkeit gestaltete, sind seine Inhalte narrativ mit Historien kombiniert.

Der aus Syrien stammende Kaiser Elagabal, der sich als Sonnengott Heliogabal feiern ließ, wobei er selbst goldene Karren durch Rom zog und in dionysischen Feiern zuweilen Frauenkleider anlegte, inspirierte ihn 1888 zu seinem Hauptwerk: "The Roses of Heliogabalus". Heute sind diese Darstellungen von Gelagen mit Rosenregen, die zuweilen die Verderbtheit des später von seinen Legionen ermordeten Kaisers mit viel Haut und körpernahen Kleidern und malerischem Genuss an der Wildheit beschworen, nicht mehr in Gefahr, gegen die Sittlichkeit zu verstoßen. 1886 feierte der Maler selbst mit einem Umzug und Kostümball den Einzug in ein neues Haus, in dem Tableaux vivants und Stücke aufgeführt wurden, von denen die bekannten "Illustrated London News" berichteten.

Zerschnittenes Bild

Aufruhr gegen eines seiner letzten Werke in Townshend House, "Hadrian Visiting a Roman-British Pottery", begegnete Alma-Tadema mit dem Zerschneiden des Großformats, wobei er den spärlich bekleideten Sklaven auf einer Treppe und die Werkstatt darunter vom Auftritt Hadrians abtrennte. Der Hauptteil und die zwei Fragmente sind in der Schau wieder vereint. Da die Häuser in London, seine Ateliers und Modelle - allen voran seine zweite Frau - eine entscheidende Rolle in seinem Werk spielten, sind ihnen Teile der Schau gewidmet. Die Tochter hatte dem Fries Museum von Leeuwarden, der ersten Station der Ausstellung, einige Ausstattungsstücke und auch die Staffelei mit übergeben. So kann die "Hall of Panels" mit Geschenken anderer Künstler rekonstruiert werden.

Auch die Bilder von Laura Theresa Alma-Tadema zeigen die Antikenrezeption im neuen, historistischen Stil, dem beide folgten. Sie beinhalten das Wissen über die Buntheit der Antike, die den verfälschenden weißen Klassizismus damals ablöste. Die Alma-Tademas versahen ihre Gemälde mit römischen Nummerierungen, um sie von den vielen Kopisten zu unterscheiden. Für Wien ist der englische Starmaler vor allem wichtig, weil Gustav Klimt in seiner ersten Phase der Ringstraßenausstattungen stark von ihm beeinflusst war: Das betrifft die dionysischen Themen im Burgtheater wie die Ägyptomanie im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums. Selbst den Japonismus und die eigens für die Gemälde angefertigten Rahmungen teilen sie. So wie Haus und Garten für die Alma-Tademas eine einzige neuantike Bühne bildeten, ist für Besucher der Schau eine römische Lagerstätte bereitet, allerdings ohne Pantherfelle und Rosen.