Wenn Dinos Donuts

gefressen hätten

(cai) Man isst ja angeblich auch mit den Augen. Auch? Die Donuts von Taro Meissner kann man gar nicht anders als mit den Blicken aufjausnen. An ihnen würde man sich definitiv die Zähne ausbeißen. (Außerdem liegen sie sehr unhygienisch auf dem Fußboden herum.)

Gut, steinhart ist ja bereits seine legendäre Salami. (Das hat jetzt irgendwie viel unanständiger geklungen, als es gemeint war.) 2014 hat der Bildhauer jedenfalls ein leeres Geschäftslokal in Wien in eine Fleischhauerei verwandelt. Nur dass Wurst und Fleisch nicht vom Schwein oder Rind gestammt haben, sondern aus dem Steinbruch. Das komplette, in Farbe und Struktur täuschend echt aussehende Sortiment war aus Marmor.

Die drei Riesendonuts in der Galerie Reinthaler sind nicht ganz so appetitlich. Schon wegen der Farbe. (Grau.) Die wirken eher wie Fossilien. Versteinerte Lochkrapfen aus der Kreidezeit. Und damals wären diese Dinger sicherlich so groß gewesen. Mindestens. (Wenn also die Saurier Donuts gefressen hätten.) Erstaunlicherweise sind sie aus vorgefertigten Betonteilen vom Bau zusammengestückelt. Wie alles hier. Die rohe, brutale Ästhetik des Materials wird regelrecht zelebriert. (Der Titel "Shinpin" ist übrigens Japanisch. Für "brandneu". Meissner ist nämlich in Tokio geboren worden.)

Fünf Betonreifen rollen verspielt herum ("When We Were Playing All Day Long"), scheinen sich bloß für einen Augenblick auszuruhen. Wie der Sekundenzeiger, wenn man schnell hinschaut. Ein Lastengurt hält drei Scheiben in prekärer Balance, und zwei benützbare Sessel (Winkelsteine auf Stahlbeinen) schweigen sich hartnäckig an. Industriell hergestellte Elemente werden kreativ umoperiert, die klaren Formen mehr oder weniger spannungsgeladen geordnet. Die Betonwüste lebt. (Minimal.)

Galerie Reinthaler

(Gumpendorfer Straße 53)

Taro Meissner, bis 22. April

Mi. - Fr.: 14 - 18 Uhr

Sa.: 12 - 15 Uhr

Ein ganzer

Haufen Ton

(cai) Wir sitzen drauf, wir trinken daraus . . . igitt! Daraus trinken, das tun doch sonst nur die Hunde, oder? Schon. Aber es geht eh nicht um die Klomuschel. Jedenfalls nicht im Speziellen. Sondern um Keramik im Allgemeinen. Drum heißt die Ausstellung ja "KeramiK" und nicht "Bad und Sanitär".

Den Stoff, aus dem das Kaffeehäferl ist (und der selbstgetöpferte Aschenbecher), finden halt auch Künstler faszinierend. Und dann nimmt man ihre Sachen weniger ernst, als wenn sie aus Stein oder Bronze wären. "Das tut man immer ein bissl als Handarbeit ab." (Dietgard Grimmer, die Kuratorin.) Muss man in der Galerie Steinek jetzt also betont seriös dreinschauen? In Jessica Lajards fröhlich buntem Wohnzimmer würde einem das freilich sowieso nicht gelingen. He, das "Schoßhündchen" auf der Couch ist eindeutig ein Männchen! No na. Das besteht ja lediglich aus einem Penis. Und es ist nicht stubenrein. Hat ein Porzellanhäufchen hinterlassen.

Überhaupt eine ziemlich erotische Technik. Das Kneten, die sinnliche Glasur . . . Die bunten Säfte lässt Elmar Trenkwalder gschmackig über seine opulenten Oberflächen fließen. Ob das noch jugendfrei ist? Und Gerold Tuschs Prunkvasen muss man einfach begrapschen. Die haben gepolsterte rote Samtschwellungen. (Nein, auch die Kunst ist nicht selber schuld, wenn sie sexuell belästigt wird. Okay, die vielleicht schon.) Dagegen ist Barbara Reisingers leibhaftiges 3D-Bild fast asketisch. Und trotzdem aufregend. Wirkt wie gemalt, das Stillleben (nach einem Gemälde von Giorgio Morandi). "Nature Morte" von Jeanne Susplugas: Alles weiß wie bleiche Knochen. Das Obst, das Handy . . . Und als Vanitassymbole: Revolver und Tabletten. Unheimlich real. Da soll noch einer sagen, bei der Keramik ginge es nicht um Leben und Tod.

Galerie Steinek

(Eschenbachgasse 4)

"KeramiK", bis 15. April

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr