Michael Endlicher zitiert eben gern Kunstkritiker. Ein kleiner Sadist offenbar. Freilich einer mit Humor. "Dieses Bild ist dieses Bild und nichts darüber hinaus": Obiges Zitat in seinen eigenen Worten? (Oder ist er ein Masochist? Im Video "Discussion" wird er ja zum regelrechten Märtyrer der Hermeneutik. Spuckt wie besessen total gscheite Sätze aus.) Endlicher: "Ich mag dieses Überfordern der Leute. Oder sag ma: ,Fordern.‘ Und das ,Über‘ davor in Klammer." Im Bildraum 07 gelingt ihm das bravourös. Bereits durch die Petersburger Hängung. (Alles auf die Wand draufklatschen, was man zu bieten hat.) Eine wilde Auswahl aus seinem vielfältigen Schaffen. Zentral: die Sprache.

Die "Dramenbleche" hätten echt das Zeug zur numerologischen Weltliteratur. Drei Wörter mit demselben Zahlenwert (A = 1, B = 2 . . .) auf einem Alublech erzählen erstaunlich brisante Geschichten: "92 Wahrheit - Politik - Schmerz." Und wieso sind die Namen Brus, Goya, Paik und Dalí zusammen auf einer Leinwand drauf? Weil die alle aus vier Buchstaben bestehen. Und immer wieder Selbstporträts. Meist gesichtslose. Auf einem ist ein Kranz abgelegt worden. Ein Kranz? Ist die Ausstellung womöglich ein Friedhof? Ach, deshalb die Nilpferd-Maske aus Kamerun! (Die trägt der Medizinmann bei Begräbnissen.) Und wer ist gestorben? Doch hoffentlich nicht die Malerei schon wieder. Nein, aber die Asseln, die in einer Mischtechnik bestattet worden sind, sind eindeutig tot. Und dieser sprechende Spiegel will mich anscheinend in den Selbstmord treiben. Mit autogenem Training. Dauernd sagt er: "Ich ruhe in Frieden." Tschuldigung: "Ich bin ganz ruhig." Und zum Schluss: "Ich werde es mit Stil beenden." (Es: mein Leben.)

Überall begegnet man sich selbst, blickt in einen Spiegel, fertigt also ein Selbstporträt an und wird selber zum Künstler. Kriegt eine Identitätskrise. Wie der Künstler, der mit dem Kritiker eins wird.

Bildraum 07

(Burggasse 7 - 9)

"Was tun? Frage nicht!", bis 5. Mai

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr