1962 illustrierte er die Geburt seines Sohnes Wenzel in einer "Hasengeschichte", worin die Frau die Haseninkarnation vollzieht. Ganz banal war das Tier Kühlerfigur seines Bentleys. Und statt Hut auf der Signatur gab es einige Hasenohren.

Die Aktion "Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt" 1965 ist Auferstehungsmetapher in Bildsprache, für alle, die es lesen konnten: Am mit Honig bestrichenen Kopf des Künstlers klebte Blattgold als Zeichen für Transzendenz, der ausgestopfte Hase wurde von Beuys als Pietà wie Jesus von Maria gehalten und ihm, nicht dem Publikum, erklärte er Bilder an der Wand. Geschlechterambivalenz und der Hase als "Gegenbild" und Katalysator für die (fehlgeleitete) Evolution, sollte den "Westmenschen" auffordern, den Materialismus und die Einbahnstraße rein positivistischer Wissenschaft zu verlassen.

West- und Ostmensch-Vereinigung, illustriert durch einen Hasen, ist ein weiterer Appell von Beuys für ein vereintes Europa und eine vereinte Wirtschaftswelt zugunsten aller, in der Aktion "Eurasia" 1966 in Kopenhagen, die er in der Berliner Galerie René Block noch um den frühen "32. Satz der sibirischen Symphonie" erweiterte. Der ausgestopfte Hase war auf Stangen montiert, eine christliche Kreuzesmetapher der Opferrolle des Tieres vor Schultafel, zu Fett, Filz und Zuckerschnee.

Ein Hase mit Hängeohren für die DDR

Als "Friedenhase" diente eine Osterhasenbackform neben Sonnenkugel dem eingeschmolzenen Gold einer Zarenkronen-Kopie, die 1982 zugunsten der größten "sozialen Plastik" verkauft wurde: 7000 Eichen für Kassel, die von der Documenta 1982 bis 1987, ein Jahr nach Beuys’ Tod, gepflanzt wurden.

1985 gab die Edition Staeck dazu die Kitschpostkarte "Amerikanischer Hasenzucker" heraus. Hasenkunst für alle, auch die DDR, deren Bewohnern Beuys ein Exemplar mit Hängeohren widmete, und für Kaninchen 1981 in Ostberlin eine Rampe über die Mauer legen wollte. Die Ausführung scheiterte, genauso wie die Aufforderung des großen Hasenkünstlers, die Mauer aus ästhetischen Gründen um 5 cm zu erhöhen und durch Lachen zum Einsturz zu bringen. Beuys’ Spruch "Kunst ist, wenn man trotzdem lacht!" ist Widerhall für 1989.