"Himmelsschauspiel" (1981) aus der Spätphase . - © Franz Schachinger
"Himmelsschauspiel" (1981) aus der Spätphase . - © Franz Schachinger

Es war einige Jahre still um das Werk des eigenwilligsten Malers der Nachkriegszeit, Max Weiler (1910-2001). Nun bringt ihn der Stiftungsvorstand und Nachlassverwalter Robert Najar als Kurator zurück auf den Kunstmarkt. Die Auswahl der barocken Prunkräume des Palais Schönborn-Batthyány, in denen Wienerroither & Kohlbacher eine Dependance haben, ermöglicht eine fast museale Dimension der Schau. Das ist passend für die beiden teils großformatigen Werkzyklen aus den 1960er und den 1980er Jahren.

Schon am Aufgang empfängt ein großes Gemälde mit Mauercharakter ähnlich der Oberfläche des steinernen Kamins. Einzig ein roter Fleck wie eine Rose hinter scheinbaren Kratz- und Rinnspuren leuchtet auf - die Leinwand ist gestückt, um neben der Farbigkeit den Wandcharakter zu unterstreichen.

Weiler verstand es wie kein anderer nach 1945 die Natur in seine Beobachtungen einzubeziehen, aber zum anderen völlig in die Auflösung der Form vorzustoßen. Das monumentale Format, die "Weitgestreckte Landschaft" von 1983, lagerte als Rolle im Nachlass, es zeigt schollenartige, wie Wolken fliegende Landschaftsteile in Grün und Braun, mit zarter Vorzeichnung und vielen Nuancen der für Weiler typischen Temperamalerei, die weißen Leerstellen wirken wie ein Windhauch oder Regenvorhang dazwischen mit. Es sind weniger aus dem Weltraum gesehene Gebirge als sein typisches Aufspüren des "Geistigen in der Natur".

Kochende Urmaterie


Trotz zeitgemäß aufgelöster Zentralperspektive sah Weiler sich nicht als abstrakten Maler, sondern es war immer ein Erinnern an etwas "Landschaftliches", zuweilen ganz fernöstlich anmutend. Vor allem in seinen variantenreichen Zeichnungen kocht auch eine Art Urmaterie und es sind nie Skizzen der Gemälde, sondern eigenständige Darstellungen von Bäumen, Felsen, vielleicht auch nahsichtigen Feldern und Rinden auf Waldviertler- oder Japan-Papier mit Tusche, Bleistift oder Farbkreiden. Philosophisch wie die besten Textinterpretationen des Werks von Gottfried Boehm und Thomas Zaunschirm können auch einfache "Gewächse" in vielfarbigen Tupfern sein. Daneben interpretierte er geistliche Texte, hier Meister Eckhart "Als alle Dinge", in Malerei. Das passierte in der früheren Phase mit farbstarken, noch gestischen Kompositionen - zu sehen sind aus dem Eckhart-Zyklus "Und", "Laden" und "Vor" von 1961.

Intensiv als kosmisches Erleben oder "Himmelsschauspiel" ist die über Jahre angelegte Serie "Wie eine Landschaft", die dann seltene oder noch nie gesehene Gemälde mit dem Zweittitel "Mit Rauch", 1962, oder "Wie abgebrannt", 1963, enthält. Von 1964 bis 1981 war Weiler Professor an der Akademie, danach malte er noch zwei Jahrzehnte lang intensiv. Der entfesselte "Waldtempel" wirkt wie eine überwachsene Kathedrale oder "Wasserfälle" wie ein Stürzen von Wasser und Steinen bei einem Vulkanausbruch, doch ganz grünblau. Zuweilen stehen Silhouetten von Bäumen auf Berggraten, der Mensch bleibt abwesend, es fliegen aber vogelartige Wesen zwischen Farbflecken und feinen Linien.

Es ist eine spezielle Auswahl, die zum Teil Neues bringt oder mit Dingen aufwartet, die man gerne wiedersieht.

Ausstellung

Max Weiler.

Aus 1960-63 und 1980-83

Robert Najar (Kurator)

Palais Schönborn-Batthyány (1010, Renngasse 4)

Von 18. Mai bis 31. August