Krumme Dinger: Toni Stegmayers Steine sind verbogen wie Bananen. Und beinah so flexibel wie eine Wirbelsäule. - © Martin Seidenschwann
Krumme Dinger: Toni Stegmayers Steine sind verbogen wie Bananen. Und beinah so flexibel wie eine Wirbelsäule. - © Martin Seidenschwann

Immer schön

sauber bleiben

(cai) Häufiges Händewaschen zerstört die Demokratie. (Die Demokratie? Nicht die Hautflora?) Wieso? Enthält Seife persönlichkeitsverändernde Substanzen, die autoritär machen? Nein. Das, was auf der Seife von Monika Piorkowska draufsteht ("liquid democracy" - flüssige Demokratie), löst sich dann vielmehr in unmissverständlicher Symbolik in Schaum auf.

Die in Wien lebende Polin sieht die Rechte und Freiheiten weltweit schwinden und hat ihre weiße Demokratieseife in einer stillen Protestaktion an diverse Politiker verschickt. Okay, die werden die Botschaft sowieso nicht kapiert haben und selbstkritisch in sich gegangen sein. Die haben das Packl sicher für eine Briefbombe gehalten und in einer weniger stillen Reaktion vorsorglich in die Luft gesprengt. (Und sich nachher mit einer andern Seife die Hände in Unschuld gewaschen.) Knapp 1000 Seifenstücke bäumen sich jetzt in der Galerie Steinek mahnend vor dem Besucher zu einer meterhohen Welle auf. (Kuratiert hat die Ausstellung Angela Stief.)

Vielschichtig sind auch die "Time Gates". Ätherische Fotoobjekte aus mehreren Acrylglasplatten, die die Künstlerin mit LEDs und spezieller Technik zum sinnlichen Leuchten bringt. Türgroße und trotzdem sehr intime Porträts. Mit duftigen Wolken oder melancholisch verregnet. Ein Wiener schreitet kunstaffin (und nackt) eine Stiege hinab, eine polnische Akkordarbeiterin verschwindet fast unauffindbar in ihrer privaten Umgebung, in ihrer bedrückenden Lebenssituation. Ihre Lage beschreibt Letztere im Gespräch mit Piorkowska pointiert so: "In dieser Gegend gibt es keine Perspektiven, nur Nebel."

Ein Spiegel wird dann am Ende persönlich. Steckt den Betrachter kurzerhand hinter Stacheldraht. Wie frei ist man selber eigentlich noch? Subtil Aufrüttelndes.

Galerie Steinek

(Eschenbachgasse 4)

"liquid democracy", bis 31. Mai

Di. - Fr.: 13 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Hals- und

Steinbruch

(cai) Endlich hab ich ihn gefunden: den Sinn. Nein, nicht des Lebens, aber immerhin der Kunstkritiker. Ohne die würde die Kunst nämlich einfach umkippen. Okay, nicht die komplette Kunst. Vielleicht eh nur diese eine Skulptur in der Galerie Straihammer und Seidenschwann.