Den Strich auf den Punkt bringen

(cai) Laut Ausstellungstitel kriegt man "Striche" geboten. Das trifft es natürlich nicht einmal annähernd. Punkte sind nämlich auch welche zu sehen. Die Arbeiten von Michela Ghisetti sind sogar geradezu pointillistisch.

Der Stefan Zsaitsits macht aber eh vor allem Striche. Handfeste. Robuste. Mit dem Bleistift. Fabuliert wild drauflos. Hält mit seinen reichhaltigen Zeichnungen den Blick minutenlang bei Laune. Das allein ist schon eine Leistung. Erzählt surreale, oft ziemlich düstere Geschichten, in denen man ständig neue, verstörende Details entdeckt. He, der Badegast treibt auf seiner Luftmatratze an einem Hügelmassengrab vorbei! Überall kleine Katastrophen. "Haus am Pol" (schreibt man Pool nicht mit Doppel-o? - äh, welcher Pool?): Aus dem einen Fenster kommt Rauch, aus einem andern flüchten die Haustiere. Pinguine? Nein, Ameisen. Leben die am Nord- oder am Südpol? Dass der Künstler eine blühende Phantasie hat, gibt er übrigens ganz offen zu. Sein sehr floraler Frühling ("Primavera") ist quasi ein Geständnis. Männchen in Vase, aus dem Hals wuchert ein üppiger Strauß. Ein Selbstporträt als Blumenstillleben? Ein Wolf hat ebenfalls Frühlingsgefühle. Steigt einer Gans nach. Einer Gans? Witzig. Die Zeichnung hängt ja in der Galerie Gans.

Eine wahre Meisterin der delikaten Striche ist Michela Ghisetti. Die hat ihren Bleistift verdammt gut im Griff. An ihre bunte Periode hab ich mich deshalb erst gewöhnen müssen. An die abstrakten Farbgefilde. Hat gedauert, bis ich die Präzision und die Feinheiten erkannt habe. Linien und expressive Gesten lösen sich immer wieder in zahllose sauber gesetzte Punkte auf und die intensivsten Farben "treiben" es sinnlich miteinander. Darf ich mir trotzdem die Bleistiftstriche zurückwünschen?

Galerie Gans

(Kirchberggasse 4)

"Striche", bis 3. Juni

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 12 - 15 Uhr

Verdammt viel

Gegend

(cai) Das ist eindeutig eine Extremsportart: die Landschaftsfotografie. Welche Strapazen da manche auf sich nehmen . . .

Der David Mascha zum Beispiel. Der reist nach Island, kraxelt dort mit Steigeisen und Pickel auf dem Vatnajökull-Gletscher herum und überquert Flüsse, "die teilweise hüfttief und eiskalt sind; da ist es immer ratsam zu erfragen, wie hoch der momentane Wasserstand ist". Klingt wie eine Episode von "Ausgesetzt in der Wildnis". Nur dass der Fotograf und Grafikdesigner aus Wien nicht bloß mit einem Messer, einer Wasserflasche und einem Feuerstein auf der Insel aus Feuer und Eis überleben hat müssen oder gezwungen gewesen wäre, die proteinreichen Augen eines verunglückten Schafes zu snacken. Er war mit Zelt, Schlafsack, Gaskocher "und der notwendigen Nahrung" (Mascha) unterwegs. Und natürlich hatte er die Fotoausrüstung dabei, um diese gewaltigen, von den Elementen geformten Landschaften in atemberaubenden Bildern einzufangen. Ein Bergdrama mit Licht und Wolke, verschneite Hügel (wie in Öl gemalt), das Moos grünt unwirklich auf den Lavafeldern. Und auf dem Vulkansand am Meer sind türkise Gletschereisbrocken gestrandet wie Wale. (Studien zum Klimawandel?)

Die wichtigste (und vielleicht sogar einzige) isländische Wetterregel: "Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte einfach fünf Minuten. Dann wird es noch viel schlechter." Und im Notfall gibt’s ja immer noch das Bildbearbeitungsprogramm. Aber eigentlich nutzt der David Mascha das sowieso nicht, um das Wetter zu ändern, sondern um "das gewisse Etwas" aus dem Motiv rauszuholen. Ist ihm gelungen.

Artbits Galerie

(Lindengasse 28)

"Sculpted Land", bis 3. Juni

Do., Fr.: 14 - 19 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr