• vom 04.07.2017, 16:48 Uhr

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Diese Augen schauen. Was nicht heißt, dass sie auch was sehen. Von Harding Meyer. Ohne Titel, aber sonst mit allem.

Diese Augen schauen. Was nicht heißt, dass sie auch was sehen. Von Harding Meyer. Ohne Titel, aber sonst mit allem.© Galerie Frey Diese Augen schauen. Was nicht heißt, dass sie auch was sehen. Von Harding Meyer. Ohne Titel, aber sonst mit allem.© Galerie Frey

Abstrakt, ja, aber

nicht weltfremd


(cai) Im Grunde fotografiert er Gemälde. Mit dem Handy. Na und? Das tut doch eh jeder (zumindest jeder Museumsbesucher). Was ist daran Kunst? Na ja, der Robert Leitner macht nicht einfach Fotos von den Bildern anderer. Sondern von seinen eigenen. Und die werden dadurch sogar erst vollendet. (Okay, das denken die, die im Louvre ein Selfie mit der Mona Lisa machen, sicher auch. Dass das berühmteste Porträt der Welt nicht fertig ist, bevor sie es nicht zusammen mit ihrem eigenen Gesicht auf Facebook gepostet haben.)

Alles beginnt ganz klassisch. Farbe auf Leinwand. Allerdings ohne Pinsel. Dafür mit Schütten und Spritzen. Oder überhaupt mit dem Schleudergang. Der Typ steckt das Bild in die Waschmaschine? Nein, auf einen präparierten Bohrer. Er hat sich nämlich eine Rotationsmaschine gebaut. ("Mit einem Regler für die Drehzahl.") Das Action-Painting könnte er nun gemütlich trocknen lassen und fertig. Lieber klatscht er es aber auf eine Folie ab, hält die vors Fenster ("dann fangen die Farben richtig zum Leuchten an" - wie die auf den Kirchenfenstern) und fotografiert Details raus. Mit dem iPhone. Weil er mit dem näher ran kann als mit seiner Spiegelreflexkamera. (Mit der er ebenfalls gern abstrakte Strukturen einfängt. Im Nationalpark interessiert er sich jedenfalls mehr für die Steine als für die grandiose Landschaft.) Die intimen Ausschnitte bläst er am Ende wieder auf. Quasi Makroaufnahmen von der Natur der Malerei. Und eine spannende Symbiose zwischen Fotografie und Malkunst.

Lauter kleine Universen. (Heißt die Serie deshalb "Mikro-Kosmisch"?) Dramen spielen sich da ab. In den brillantesten Farben, die den Flieh- und sonstigen Kräften ausgesetzt werden. Die abstrakte Kunst ist also doch nicht so weltfremd. Auch sie gehorcht den Naturgesetzen.

Galerie Artbits

(Lindengasse 28)

Robert Leitner, bis 15. Juli

Do., Fr.: 14 - 19 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Betrachten die

Bilder jetzt uns?

(cai) Heutzutage fühlt man sich sowieso permanent beobachtet. (Drum hab ich ein Pflasterl auf die Webcam meines Laptops geklebt. Um die potenzielle Verletzung meiner Privatsphäre prophylaktisch zu verarzten. Die NSA kann da sonst ja einfach durchschauen wie durch den Türspion.) Aber im Keller der Galerie Frey ist dieses Gefühl eindeutig keine Paranoia. Dort haben die Wände Augen. Oder eigentlich die Leinwände.

Die Bilder vom Harding Meyer schauen also zurück. Und beim Bockschauen gewinnt immer die Kunst. (Die muss nie blinzeln.) Überall intensive Blicke. Melancholische oder klare, stechende, die einen förmlich aufspießen, dass man sich vorkommt wie ein Käfer in der Insektensammlung (nur dass man das bestimmt mehr genießt als das tote Krabbelviech, dem’s freilich wurscht sein kann, weil es davon eh nix mehr mitkriegt). Der Frauenanteil in der Ausstellung "Liaison pittoresque" beträgt übrigens unglaubliche 100 Prozent. Sofern man den Maler nicht mitzählt, der ja ein Mann ist. Denn dann wären es bloß noch 50 Prozent. Pro Gemälde. Andererseits sind die Frauen nicht komplett drauf. Lediglich ihre Gesichter, die den Betrachter dafür ganz in ihren Bann ziehen. Und die mir irgendwie bekannt vorkommen. Als hätte ich sie schon einmal auf einer anderen Leinwand gesehen. (Im Kino.) Uma Thurman? Milla Jovovich? Amanda Peet? (Amanda wer? Na die, die in "Keine halben Sachen" und "Keine halben Sachen 2 - Jetzt erst recht!" mit Bruce Willis . . .) Der Brasilianer kennt seine Modelle ja selber nicht (jedenfalls nicht persönlich). Holt sie sich aus Zeitschriften. Filmen. Trotzdem kommen einfühlsame Porträts raus. Packend realistische. Virtuos bläst Meyer der ikonisch strengen Anmut den Odem des Malens ein. (Terpentindämpfe?) Und auf der lebendig gepinselten und gespachtelten Haut flackert das Blau, Grün oder Violett des monochromen Hintergrunds auf.

Manchmal wird die "malerische Affäre" ziemlich stürmisch. Dann verschmiert der Künstler das Make-up, dann reißt sein Malgerät die perfekte Physiognomie fulminant mit sich mit. Geht’s hier etwa um Gewalt gegen Frauen? Vermutlich nicht. Eher um die künstlerische Leidenschaft. Und Schönheit muss bekanntlich leiden, oder?

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Harding Meyer, bis 14. Juli

Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr




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