• vom 01.08.2017, 15:57 Uhr

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Update: 01.08.2017, 16:19 Uhr

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Farbe in 3D: "Raumkomposition in Rot-Blau-Gelb" (1990/1991) von Roland Goeschl.

Farbe in 3D: "Raumkomposition in Rot-Blau-Gelb" (1990/1991) von Roland Goeschl.© zs art galerie Farbe in 3D: "Raumkomposition in Rot-Blau-Gelb" (1990/1991) von Roland Goeschl.© zs art galerie

Tote singen nicht - oder doch?

(cai) Diese Ausstellung ist offenbar eine musikalische Komposition. Oder eine Liedersammlung. Die Räume der Galerie nächst St. Stephan sind jedenfalls lauter Lobgesänge. Heißen "Hymne auf den Anfang", "Hymne auf den Weg", und der ist ja oft das Ziel, aber hier geht’s trotzdem noch weiter, nämlich mit der "Hymne auf das Zuhause". Und die "Hymne auf das Ende"? Fehlt.

Dabei ist die aktuelle Schau von Michal Budny insgesamt o. T. Ach, ohne Titel? Nein, ohne Ton. Einen Titel hat sie: "The Song of Skull." Skull wie Totenkopf? Makaber. Klingt nach Vanitas und Memento mori. Und die beiden Schädellieder ("The Song of Skull I and II"), diese sperrigen Metallkonstruktionen, die gleich zu Beginn schwerfällige Leichtigkeit ausstrahlen, wirken tatsächlich wie Gerippe. Abstrakte. Aus Stahl. Die sich flehend zum Plafond strecken. (Erinnern ein bissl an Tipi-Gerüste.) "At Home": Ein raum- oder eigentlich bodenfüllender kollabierter Tisch aus Karton liegt matsch da wie eine erschlagene Fliege. Durchaus ausdrucksstark. Häusliche Gewalt? Mehr eine Elegie als eine Hymne. Doch was mir die trostlosen Restln auf den Regalbrettern sagen (oder singen) sollen, erschließt sich mir nicht wirklich. Ein Gummiball mit Gebrauchsspuren (eine "Ballade" über die verlorene Kindheit?), ein mit Seife parfümiertes Einwickelpapierl . . . Vage Schatten des nimmer Vorhandenen? Von der Stimmung her zumindest passend.

Und wie endet das Ganze? Mit einem Käfig. Der einen regelrecht gefangen nimmt. Minutenlang kann man fasziniert die pittoresk verrosteten Gitterstäbe anstarren und sich im Muster verlieren, in dem sich ein Achter versteckt. Manchmal zahlt es sich also doch aus, wenn man bis zum Schluss durchhält und nicht vorher aufgibt.

Galerie nächst St. Stephan

(Grünangergasse 1)

Michal Budny, bis 26. August

Geschlossen: 1. bis 15. August

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Der rot-gelb-blaue Planet

(cai) "Es ist zwar eine Gedenkausstellung, aber sie wirkt so lebendig. So frisch." Da hat sie recht, die Andrea Zehetbauer von der zs art galerie. Die Welt vom Roland Goeschl (1932 - 2016) ist eben in Farbe. Daraus besteht sie ja fast pur. Aus Farbe. Oder drei Farben. Den primären. Und aus Raum. Holz, Metall oder Beton sind nur die Trägermedien. "Farbe muss Material werden." (Ein Goeschl-Zitat. Und der Titel der Schau.)

Und bei aller konstruktivistischen Strenge und Klarheit war dieser konsequente Grenzgänger, der auch Fassaden einprägsam gestaltet und für Humanic Werbespots mit Sprengkraft gemacht hat (wumm!), verspielt wie ein Kind, dem man Bauklötze in die Hand drückt und nicht dauernd bloß die Fernbedienung vom Fernseher. Wem der Bildhauer mit dem "Großbaukasten" kein Begriff ist (und wer sich deshalb noch immer fragt, von wem denn die witzige, bunte Säule oben auf dem Gebäude der TU ist), der kann ihn hier von Grund auf kennenlernen. Wie er als Wotruba-Schüler figurativ begonnen hat und dann von einem Aufenthalt in London (dort war die Pop-Art total "in") plötzlich mit Farben nach Wien zurückgekehrt ist. "Passt’s auf, da Goeschl hat den Farbwahn!", soll der Fritz Wotruba, dessen Assistent er jetzt war, die Studenten vor ihm gewarnt haben. Spannend: dieselbe Bronze einmal nackt und einmal "wahnsinnig" (rot-blau gestreift).

Mit Skulpturen (die kleineren haben eine innere Größe - oder eine monumentale Ausstrahlung), mit Modellen, Entwürfen, Zitaten und Fotos schreitet die materialreiche, aber nicht überfüllte Schau die Stationen in Goeschls Werk ab und lässt dem Besucher genug Platz zum "Mitspielen". Denn die Objekte müssen erlebt werden. Raffiniert einfache und komplexere geometrische Formationen irritieren und täuschen das Auge, mischen Raumillusion mit realem 3D oder wechseln die Farben, während man um sie herumgeht. Ein Vergnügen. Im späten "Selbstporträt ohne Haut" (buntes Drahtknäuel am Stiel) zeigt der Künstler, was er im Kopf hat: rote, blaue und gelbe Gedanken. Herrlich.

zs art galerie

(Westbahnstraße 27 - 29)

Roland Goeschl, bis 11. August

Mo. - Fr.: 11 - 19 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-01 16:03:07
Letzte Änderung am 2017-08-01 16:19:15



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