Eines der Fotos würde tadellos in ein alternatives Lifestyle-Magazin mit artsy Ansprüchen passen: Da liegt eine aparte junge Frau im Schmetterlings-Leiberl in der Krokuswiese. Andere Bilder wiederum erinnern an Reportagen aus Aussteigerkreisen, die sich Bohemien-Gärten angelegt haben, inklusive Heavy-Metal-Shirt-tragende Bäuerinnen im Blumenfeld und alte Sofas im Grünen - wie bei einem Hipster-Gardening-Festival. Und dann gibt es das Foto, auf dem ein unspektakuläres Gewächshaus seinen großen Auftritt bekommt: Mithilfe einer dramatisch drapierten Plastikfolie, die dem Glashaus den Charakter einer räudigen, aber überwältigenden Bühne gibt.

Diese so unterschiedlichen Fotografien von Iris Andraschek zeigt das Kunsthaus Wien auf kleinem Raum: in der "Garage" des Hundertwasserhauses. Die niederösterreichische Künstlerin beschäftigt sich in ihren Arbeiten immer wieder mit Menschen, die ihr Leben mit der Natur in Beziehung setzen. Meistens tun sie es auf eine alternative Weise: Die Mischung aus altbekannten Klischeemotiven und Sujets, die mit idyllischem Landleben nicht so sehr verbunden sind, verleihen den Fotos Spannung: Da liegen Äste zum Trocknen auf einem der typischen Blaudruck-Handtücher. Da ist eine Frau mit Blaumann und Kopftüchl bei der Arbeit. Aber da ist auch ein Stall voller Luster und ein Barackengarten, in dem es grün und spärlich aus Autoreifen wächst.

Apropos wächst: Die Fotos sind nur ein Teil der Ausstellung - der zweite Teil findet im Freien statt. Andraschek hat nämlich drei der von ihr vorgestellten Personen gebeten, Auto-Anhänger zu bepflanzen. Und so sozusagen ein heranreifendes Porträt ihrer selbst zu gestalten. So ist einer der Anhänger mit allerlei Paprika- und Chilisorten bepflanzt. Er ist das "Porträt" von Reinhild Emmelmann, einer Biosaatgut-Pionierin. Auf ihrem mobilen Beet ist auch ein Foto angebracht, das eine Produktbeschreibung zeigt, auf der unter anderem eingetragen ist: "Geschmack: Freude." Der niederösterreichische Gemüselandwirt Tristan Toé hat gleich drei Anhänger bepflanzt, einer davon trägt den Titel "Asia - Africa - Europe" und kann mit Erdnuss, Okra, aber auch Kohlrabi dienen. Toé und seine Frau kommen auch in Videos zu Wort, in denen sie über westafrikanische Einflüsse und Holzkohle im Boden als perfekten Lebensraum für Pflanzen und kleine Lebewesen sprechen. In einem anderen Film setzt Philipp Lammer von Arche Noah extrem entschleunigt von ihm liebevoll verniedlichte "Rübchen" in den Acker. Die Monitore sind in einen Bienenwagen eingebaut, wer sich anhört, wie der Mühlviertler Biopionier Hans Gahleitner erklärt, was die Biobranche und die DDR miteinander verbindet, riecht hintergründig Honig aus dem Holz des Wagens. Ein Bienenstock steht außerdem in dem Ensemble, komplettiert wird er von einem am Dach des Kunsthauses. Eine sehr sinnliche Schau, die gleichzeitig informiert und ein irgendwie doch lässiges Gefühl der Dringlichkeit vermittelt, dass wir mit der Natur anders umgehen müssen. Weil wir es könnten.

Ausstellung

Iris Andraschek: Sekundäre Wildnis

Kunsthaus Wien, bis 8.10.