Man muss sich über die Spezifika bewusst sein, die der Raum mit seinen 800 Quadratmetern mit sich bringt. Ich finde die Oberlichte und das natürliche Licht fantastisch. Der Raum ist nicht einfach. Man muss sich intensiv mit ihm auseinandersetzen, eine stimmige Ausstellung passiert hier nicht zufällig.

Bisher kennen Sie das Lentos als Beobachterin, haben also einen guten Außenblick. Wohin möchten Sie das Lentos führen?

Die Bestände des Lentos gehen zurück bis in das frühe 19. Jahrhundert, im Nordico noch viel weiter zurück. Ich habe mir aus dieser sehr großen Sammlungsgeschichte heraus überlegt, dass wir nicht nur Gegenwartsprojekte machen sollten, sondern auch solche, wie etwa die Ausstellung über Schiele, Klimt und Moser. Es ist mir wichtig, dass man im Bezug auf die Sammlung arbeitet. Ich bin jetzt nach Wolfgang Gurlitt, Walter Kasten, Peter Baum und Stella Rollig die fünfte Direktorin des Museums und kann schauen, wo seine Stärken sind. Zum Gurlitt-Bestand betreiben wir intensive Provenienzforschung, aber es ist wichtig, dass diese auch einmal abgeschlossen werden kann und wir wissen, was uns gehört.

Wie möchten Sie die Sammlung weiterführen?

Wir müssen heute mit geringeren Budgets als etwa Peter Baum umgehen und dennoch die Sammlung weiterentwickeln. Der Großteil der Sammlung bisher ist österreichische Kunst, es würde also keinen Sinn machen, mit dem Kaufen österreichischer Kunst aufzuhören. Ich will mir aber auch die Nachbarländer anschauen, etwa Parallelentwicklungen in Tschechien. Bei all dem muss man bedenken: Das Lentos ist keine Regionalgalerie. Man muss sich bei jedem Ankauf überlegen, ob er überregionale Bedeutung hat und ob ich das auch in zehn Jahren noch vertreten kann.

Ihre ersten Ausstellungen widmen sich 2018 als Jubiläumsjahr - 1938 und 1968, aber auch 1918 als Sterbejahr von Klimt, Schiele und Kolo Moser. Können Sie noch mehr über diese Pläne erzählen?

Wir wollen Leute ansprechen, die vom Wiener Jugendstil und der Bekanntheit der Personen angezogen werden. "Klimt, Schiele, Moser" wird eine kleine, feine Ausstellung. 1938 thematisieren wir in der Ausstellung zu Gärten und Parks in Linz, bei der wir uns mit Hitlers Aphrodite beschäftigen, die im Nordico in einem eigenen Zimmer kontextualisiert wird. Wir erzählen die Geschichte, die sich um dieses Hitlergeschenk rankt. Das Jahr 1968 geht alle etwas an. Mode, Lifestyle und gesellschaftliche Fragestellungen dieser Zeit - wie Demokratisierung, Ökologisierung, Feminismus - prägen uns bis heute.