• vom 01.09.2017, 16:39 Uhr

Kunst

Update: 01.09.2017, 17:20 Uhr

Ausstellung

Durchs Schaukeln kommen die Leut’ z’samm’




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Von Viktoria Klimpfinger

  • Im brick-5 schafft eine engagierte Veranstaltungsreihe unerwartete Seilschaften junger Künstler, die anders wohl kaum zustande gekommen wären.

Das Brett hat man im brick-5 nicht vorm Kopf. - © Anna Sophie Rußmann

Das Brett hat man im brick-5 nicht vorm Kopf. © Anna Sophie Rußmann

Ein leerer Raum mit nichts als einer E-Mail-Liste auf einem Pult. Keiner meldet sich zu Wort und eröffnet Maria Samrotzkis und Selma Klimas Ausgabe der Veranstaltungsreihe "Die Schaukel" im brick-5. Erst durch unauffällige Lauschangriffe auf die Gespräche der Insider erfährt man: Es handelt sich nicht um eine weitere total kreative, weil unverständliche Rauminstallation, sondern das hier ist gar keine Ausstellung - ätsch! Wer aber seine E-Mailadresse hinterlässt, bekommt einen Link mit Audiodateien übermittelt, die sich in tontechnischem Wirrwarr mit dem Thema Begegnung auseinandersetzen.

Das Ganze soll das Prozesshafte der Kunst in den Vordergrund stellen. Bissigere Zungen könnten behaupten, man wurde unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hergelockt, um sich in einen weiteren sekkanten E-Mail-Verteiler einzutragen. Und wer eher zur Fraktion der Skeptiker gehört und mit seinen Daten nicht so freigiebig umgeht, der steht hier sowieso auf verlorenem Posten.

Information

Veranstaltung

Die Schaukel
brick-5: Fünfhausgasse 5
nächster Termin: 6. Okt., 19 Uhr

Dieser jüngste Ausstellungsabend im brick-5 ist bereits die siebente Auflage des "Schaukel"-Experiments. Und der Name ist hier tatsächlich Programm: Organisatorin Magdalena Kreinecker gibt dem historischen Turnsaal mit zwei selbstgemachten Holzschaukeln ein Stück seiner alten Funktion zurück. Sie wählt für jede Ausstellung - immer im Abstand von einem Monat - zwei junge Künstler aus, die sich vorzugsweise nicht kennen, vielleicht zunächst sogar gar nicht zueinander passen. Auf den Schaukeln sollen sie sich das erste Mal begegnen. Diese originelle Art des Aufeinandertreffens soll das Gemeinsame, das Miteinander fördern - man schwingt sich aufeinander ein.

Grenzen überwippen

Nach dem teambildenden Hutschvergnügen beginnt der einmonatige Arbeitsprozess. Was am Ende dabei herauskommt, weiß oft nicht einmal Kreinecker. Auch mit den Schaukeln geht jedes Gespann anders um: Die einen bauen sie gleich nach dem Kennenlernen wieder ab, die anderen integrieren sie sogar in ihre Projekte. Hier haben die Künstlerpaare völlig freie Hand. Ob das Endprodukt Performance, Ausstellung oder irgendetwas dazwischen ist, bleibt nebensächlich. Es geht eben genau darum, dass die "Grenzen verschwimmen", so Magdalena Kreinecker.

Und das Bekenntnis zum Interdisziplinären gelingt. Bis jetzt überzeugt die "Schaukel" mit ihrer Bandbreite, die nicht zuletzt der bunten Zusammensetzung der Künstlerpaare geschuldet ist: Mit Videoinstallationen, Skulpturen oder sogar Leergut bricht jedes Duo aufs Neue mit festgesetzten Grenzen und pfeift getrost auf alle Erwartungen. Die wären bei diesem künstlerischen Äquivalent eines Überraschungseis auch komplett fehl am Platz.

Jede Schau ist allerdings nur auf einen Eröffnungsabend beschränkt. Längere Ausstellungsperioden lassen die zahlreichen Veranstaltungen im brick-5 nicht zu. Das scheint aber niemanden groß zu bekümmern, geht es doch für Kreinecker auch an diesen Abenden besonders um ein harmonisches Miteinander - in ihren Worten: "Es geht um die Leute."





Schlagwörter

Ausstellung, brik-5, Die Schaukel

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-01 16:45:05
Letzte ńnderung am 2017-09-01 17:20:35



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