• vom 14.09.2017, 15:52 Uhr

Kunst

Update: 14.09.2017, 16:53 Uhr

Ausstellung

Die Stadt als Spielplatz der Ideen




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Von Julia Rumplmayr

  • Die Ausstellung "Wege zum Glück" im Linzer Stadtmuseum Nordico widmet sich dem Aufschwung der Eigeninitiative.

Miteinander etwas tun: Im Bild die Hände der Köchinnen von Kama Linz, der Verein bietet interkulturelle Kochworkshops an. - © Kama Linz

Miteinander etwas tun: Im Bild die Hände der Köchinnen von Kama Linz, der Verein bietet interkulturelle Kochworkshops an. © Kama Linz

Ein ausrangierter Feuerwehr-Anhänger, der zu Küche, Werkstatt und Begegnungszone wird. Ein Turmzimmer an der Spitze des Doms, das zur Unterkunft für Ruhesuchende wird. Alter Kaffeesud, aus dem Schwammerl sprießen, Großmütter, die im Café statt zuhause kochen, oder auch neuentstandene Sitzgelegenheiten aus Beton und Karton.

Die aktuelle Ausstellung im Linzer Stadtmuseum Nordico "Wege zum Glück" stellt Neudenker und Selbermacher vor: Menschen und Initiativen, die aus Altem Neues machen, um die Ecke denken und originelle Wege gehen. Die aus eigenem Antrieb Veränderung in ihr Lebensumfeld bringen.

Information

Wege zum Glück. Linz neugedacht und selbstgemacht.

Stadtmuseum Nordico
Bis 5. November
www.nordico.at

"Die Stadt wird zum Experimentierfeld", meint Kuratorin Klaudia Kreslehner, die für die Ausstellung 35 Projekte aus dem deutschsprachigen Raum mit Schwerpunkt Linz zusammengetragen hat. Wie die Raubdruckerin Emma aus Berlin, die auf ihre Art mit der Stadt experimentiert: Muster von Kanaldeckeln oder Gitterrosten bannt sie auf Textil. Auf einem der zahlreichen Workshops zur Ausstellung lädt die Raubdruckerin auch zu einer Tour durch Linz.

Sachen zum Selbermachen

Andere Projekte können ebenfalls aus der Nähe verfolgt und selbst ausprobiert werden: Wie das Stadtimkerprojekt "LinzerBiene" oder wenn man im "papplab"-Workshop lernt, wie aus man aus Karton einen Sessel machen kann. Im Repaircafe kann Kaputtes gekittet werden, auch eine Radwerkstatt und ein Kostnixladen haben sich vor dem Museum angesiedelt - und der Raumwagen, ein alter roter Anhänger, macht als Kommunikationszone auf dem Vorplatz auf die Ausstellung aufmerksam.

Drinnen, im ersten Stock des Nordico, sind die Projekte nach Themen auf die Räume aufgeteilt. Sie werden auf riesigen Bausteinen aus Karton vorgestellt, die von den Besuchern auch umgebaut werden können: Die Do-it-yourself- und Upcyclingbewegung, oder Projekte, denen es um das Miteinander von Menschen geht, Initiativen um Lebensmittel oder solche, die neue Räume in der Stadt erschließen.

Wie das Projekt Willy*Fred im Zentrum der Stadt, das gemeinschaftlichen Wohnraum in Selbstverwaltung bietet oder der Verein "Raumschiff", der sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst widmet. Wie Objekte aus riesigen Eisstaberl sehen die Kommunikationsmöbel von Salon Franziska aus Salzburg aus, mit denen Räume bespielt werden können. Fast den halben Raum nimmt eines dieser Holzlamellen-Objekte ein und beherbergt als Regal Fachliteratur zum Selbermachen und Upcycling. Daneben können die Besucher aktiv werden und alte Plastikflaschen zu sinnvollen Alltagsgegenständen umbauen.

Regional und miteinander

Das große Feld "Lebensmittel in der Stadt" wird in einem anderen Raum beackert: In den vergangenen Jahren hat sich vieles getan, das auch Stadtbewohnern den Zugang zu fair und regional produzierten Lebensmitteln verschafft. Um die Vorteile der ländlichen Gegend auch in eine urbane Umgebung zu bringen, entstanden Biokistl-Lieferdienste, aber auch Einkaufsgemeinschaften, Selbstbedienungsgärten, Urban Gardening oder stadtnahe Angebote wie die Leisenhofgärtnerei am Fuße des Pöstlingbergs.

Auch "Zero Waste"-Projekte werden vorgestellt: wie die Wiener Pilzmanufaktur "Hut & Stiel", die auf altem Kaffeesud Speisepilze züchtet, die "Zquetschte Zwetschkn", die Obst und Gemüse vor der Mülltonnen rettet und einkocht. Oder eine Einrichtung, die in Linz ihren Anfang genommen hat: der Sozialmarkt, der Lebensmittel von Einkaufsketten an Bedürftige zu einem günstigen Preis weitergibt.

Um das Miteinander von Menschen, die zwar Tür an Tür wohnen und einander oft trotzdem nicht kennen, geht es Projekten wie "Frag Nebenan", bei dem in Wohnhäusern Nachbarschaftshilfe über eine Internetplattform befördert wird. "Es ist spannend, dass wir heute oft den Umweg über die digitale Welt brauchen", analysiert Kreslehner. Sie möchte mit der Ausstellung auch zum Aktivwerden anregen: Auf einer Wand notieren Besucher weitere "Wege zum Glück" auf Post-its, ein Fotowettbewerb wurde ausgeschrieben, Glückspostkarten können verschickt, Schatzsuchen durch die Stadt unternommen werden.





Schlagwörter

Ausstellung, Linz, Nordico

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-14 15:57:05
Letzte Änderung am 2017-09-14 16:53:28


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