Wien. "Die Kunst des Ausruhens ist ein wesentlicher Teil der Kunst des Arbeitens", lautet ein Bonmot. Gut möglich, dass es auch den Initiatoren der "Wien Woche" gefällt. Denn das künstlerisch-politische Festival, geleitet von Natasa Mackuljak und Ivana Marjanovic, steht dieses Jahr unter dem Motto "Leben jenseits kapitalistischer Produktion". Unter die Lupe genommen werden beide Seiten der Medaille: die Arbeit und das "dolce far niente", das süße Nichtstun. "Endlich wird die Arbeit knapp" heißt deshalb die Eröffnungsveranstaltung am kommenden Freitag im Wiener Fluc (ab 20 Uhr). Gezeigt wird ein von Karl Marx inspiriertes "Volksbildungs-Revuetheater", danach wird am Dancefloor gefeiert.

Insgesamt bietet das Festival ein vielfältiges Programm aus Performances, Filmvorführungen, Konzerten und Ausstellungen. Der "Wiener Arbeitskreis für Müßiggang" etwa will in einer Ausstellung und Audiotour das Leben ohne Arbeit erforschen. Und die Musiker von "Nomaden im Speck" mit Akkordeonist Otto Lechner lauern im 15. und 16. Bezirk den Passanten auf, um sie aus dem Arbeitsalltag zu reißen. Ein weiterer Höhepunkt des Festivals ist das "Sanatorium Sonnenland". Die Künstler Bastian Petz und Johannes Lernpeiss laden zu einer Straßenbahnfahrt in ihren Atelier-Garten "Sonnenland" in Simmering - Gesangseinlagen begleiten die Fahrt. Am Kurort angekommen, steht eine "emotionale Reinigung" auf dem Programm, denn seelischer Ballast stört die effektive Erholung. Danach geht es in die "Power Relax Therapy Show", wo einem die Essenz kapitalistischer Wellness eingehämmert wird: "Das Geheimnis von Produktivität ist die Entspannung." Deshalb verpassen einem die Kurpfuscher Petz und Lernpeiss eine maßgeschneiderte Kur. Da wäre etwa das "Tropicarium", ein leeres Schwimmbecken für Bewegungsfaule, oder das "Proelium" wo Aggressionstraining geboten wird. Oder man geht zum Lächel-Training bei Coach Willi, der weiß, dass Lächeln wichtig für berufliches Fortkommen ist.

Opium und Volk


Wer es stiller und persönlicher mag, ist beim "Transcarium" gut aufgehoben. Dort unterzieht man sich einer halbstündigen Einzelbehandlung: eine Transformations-Erfahrung mit Künstlerin YKMANN. Der "Patient" kann verschiedene Kleidungsstücke anprobieren, um auf diese Weise unterschiedliche Identitäten auszuleben. In diesem Sanatorium ist aber auch für das leibliche Wohl gesorgt: Koch Felix hält sich an sein Motto "Opium und Volk". Er bereitet handelsübliche Lebensmittel so zu, dass ihre ursprünglichen Wirkungen nicht verloren gehen: So bleibt die Petersilie im Pesto aufputschend und der Paradeiser beruhigend. Dazu wird Safranwein in einer Spritze gereicht, die man sich selbst in den Mund injiziert.

Wer die nötige Aufgeschlossenheit mitbringt, ist im "Sonnenland" gut aufgehoben: Das kurzweilige Kunstprojekt zeigt die Kuriosität der hochglanzpolierten Wellness-und Fitnesskultur.