Ums Beleidigen geht’s. In der Galerie Michaela Stock tut man das aber in einem etwas intimeren Rahmen (nicht vor der ganzen Welt): "Liebevolle Schimpfwörter." Arsch, Wixer, Drecksack - seeehr liebevoll. Vergleichsweise schon. Schließlich hat hier keiner Atomwaffen. Außerdem wollen Künstler in der Regel nicht den Dritten Weltkrieg auslösen, sie wollen was ausdrücken. Okay, mit Patrick Baumüllers pädagogischem Holzspielzeug "Zwist and Shout" kann man bloß Wienerisch lernen ("Brunzer", "Nudlaug" . . .). Kurbeln und der Inhalt der Sprechblasen ändert sich. Primitiv? Ja. Und?

Veronika Merklein lässt dafür mit selbstironischer Leichtigkeit das Körperfett demonstrativ schweben. Protestiert mit drei Ballonbuchstaben ("FAT") gegen den diskriminierenden Schlankheitskult. (Auf einem Foto. Diesmal leider nicht live.) Alexander Viscio zimmert den "bad words" maßgeschneiderte Räume aus "Bitchwood", nein: "Birkwood" (Birkenholz). Von Bernadette Anzengruber: eine Macho-Lederjacke. Mit dem potenten Vornamen Dick hinten drauf. (Englisch für, äh: Johannes.) Und Tomislav Gotovac beweist mit seinen kroatischen Schriftbildern, dass es in der Vulgärsprache große kulturelle Unterschiede gibt. ("Pun mi je kurac." Ich hab den Schwanz voll. Bei uns wär’s eher die Nase.)

Zur Vertiefung (noch tiefer?): ein paar Bücher. "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod": Hm. Klingt nach verbaler Aggression. (I ramm da glei mein’ Dativ in dein’ Genitiv!) Und wieso schaut’s nebenan aus wie auf einem Schlachtfeld? Eine Abreaktionsorgie mit Piñatas. Sogar in den Glückskeksen: lauter Gemeinheiten. ("Du Oaschloch.") Tja, die Umgangsformen verrohen halt überall. Oder nennt man das Aggressionstherapie? Ach, gehts doch alle sch-. . . (Schpazieren?)

Galerie Michaela Stock

(Schleifmühlgasse 18)

"Liebevolle Schimpfwörter"

Bis 7. Oktober

Di. - Fr.: 16 - 19 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr