• vom 26.09.2017, 15:49 Uhr

Kunst


Politische Kunst

Worte mit Sprengkraft




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Von Stefan Lessmann

  • Die Künstlerin Amira Hanafi bietet eine emotionale Auseinandersetzung mit dem Arabischen Frühling.

Eine Box mit Worten begleitete Amira Hafani auf ihrer Reise durch das Ägypten nach dem Arabischen Frühling.

Eine Box mit Worten begleitete Amira Hafani auf ihrer Reise durch das Ägypten nach dem Arabischen Frühling.© hanafi Eine Box mit Worten begleitete Amira Hafani auf ihrer Reise durch das Ägypten nach dem Arabischen Frühling.© hanafi

"Vor der Revolution war die Zukunft dunkel und alles war zerstört, aber dem Land ging es gut."

"Die Elektrizität geht jetzt aus. Wenn ich protestiere, nehmen sie mir für 15 Jahre meine Zukunft. Das ist die Zukunft: eine schwarze Zukunft."


Das sind zwei Beispiele aus dem "Dictionary of the Revolution", nachzulesen in der Rubrik "Zukunft". Die Künstlerin Amira Hanafi trug in diesem Wörterbuch der etwas anderen Art zusammen, wie sich der Sprachgebrauch in Ägypten durch den Arabischen Frühling und die darauf folgenden politischen Umwälzungen verändert hat.

Hanafi, 1979 in den USA als Tochter einer Amerikanerin und eines Ägypters geboren, besitzt beide Staatsbürgerschaften. Sie wuchs in den USA auf, verbrachte in ihrer Kindheit aber die Sommerferien im Land am Nil. Nach einem Kunststudium in Chicago zog sie 2010 nach Kairo, wo sie seitdem als Künstlerin und Kuratorin arbeitet und lebt. Ihre Werke sind zwischen Literatur und bildender Kunst angesiedelt.

Freiheit, Blut, Käse
Das "Dictionary of the Revolution", das Hanafi nun nach drei Jahren fertiggestellt hat, war ein Mammutprojekt: Zuerst wählte sie 125 Begriffe aus, die im Zeitraum der Revolution von 2011 bis 2013 im öffentlichen politischen Diskurs eine Rolle spielten und druckte sie auf kleine Kärtchen. Es waren Begriffe wie "Freiheit", "Hoffnung" und "Blut", aber auch "Jungfräulichkeitstest" und "Nesto-Käse" - ein ungeliebtes Lebensmittel, das von der Regierung verteilt wurde.

"Die kleine Box mit den Wortkarten beinhaltet die gesamte Revolution", sagt Hanafi im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". In diesem Jahr tourte sie mit ihrem Projekt durch die USA und Europa und stellte es etwa an der Katholischen Universität in Lissabon aus. Hanafi versucht, Menschen auf der ganzen Welt mit diesem besonderen Gemeinschaftswerk vertraut zu machen. "Leute, die in Ägypten gelebt haben, lesen die Karten und erinnern sich", so Hanafi.

Schon in der Entstehung des Projekts war Reisen integraler Bestandteil: Hanafi und ihr Team fuhren mit der Wörter-Box durch ganz Ägypten, legten zahlreichen Menschen die Begriffe vor. Die Kardinalfrage war, ob sich die Wörter durch die Revolution verändert haben. Die Rückmeldungen flossen in das Projekt ein. "Ich wollte die öffentliche Meinung festhalten. Und zwar genau in dem Moment, als die Leute begonnen haben, offen über ihre politischen Anliegen zu sprechen," beschreibt Hanafi ihre Motive.

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