Design an allen Ecken der Stadt. Nachdem das Team der Vienna Design Week rund um Lilli Hollein im vergangenen Jahr das erste Jubiläum mit Bravour gemeistert hat, hat man sich für die 11. Ausgabe die Ziele noch höher gesteckt und das Angebot entsprechend vergrößert. Das beginnt schon bei der Zentrale des Festivals. Denn davon gibt es heuer zwei: die Festivalzentralen Nord und Süd. Beide Orte liegen im 15. Bezirk und dienen nicht nur als Informationsstellen und Kaffeeplausch-Stätte, sondern auch als Diskussions-, Ausstellungs- und Präsentationsräume.

Das Zentrum Nord im Blauen Haus beim Westbahnhof, ein ehemaliges Bürogebäude der ÖBB, beherbergt unter anderem Präsentationen wie "Threads of Tradition" des Gastlandes Rumänien, sowie die von Georg Schnitzer und Peter Umgeher zusammengestellte Schau zeitgenössischer österreichischer Produktgestalter "Design Everyday - Design für den Gebrauch" oder die aktuelleren Design-Entwürfe und Ausführungen eines renommierten Schweizer Uhrenherstellers.

Verwahrlosung mit
großem Kreativpotenzial


Außerdem fungiert das Blaue Haus, das in ein paar Jahren in einem noch intensiveren Blau strahlen wird, quasi als Eingangstor zu einem der widersprüchlichsten Bezirke Wiens. Die Design Week hat Rudolfsheim-Fünfhaus als Fokusbezirk auserkoren. Ein Bezirk, der in den vergangenen Jahrzehnten eher wegen großflächiger Verwahrlosung einzelner Viertel, Straßenprostitution, hohem Ausländeranteil und Arbeitsmigration für Aufsehen sorgte, denn als nachhaltiges Entwicklungsgebiet eines neuen Grätzelbewußtseins.

Da hat sich viel verändert: Seit einiger Zeit entwickeln sich Straßenzüge rund um den Schwendermarkt und die Reindorfgasse immer stärker zu einem Viertel mit hohem Kreativpotenzial. Die Design Week versucht durch Spaziergänge, Besuche und Diskussionen (zum Beispiel in der Zentrale Süd am Sparkassenplatz) den Fortschritt und die sozialen Auswirkungen wie steigende Immobilienpreise (be)greifbar zu machen.

Das erwähnte kommende "intensivere Blau" der Zentrale am Westbahnhof rührt daher, dass der schwedische Möbelkonzern, der gutes Design einer breiten Öffentlichkeit vermittelt und leistbar gemacht hat, einen erstaunlichen Neubau an dieser Stelle plant, um die erste City-Dependance in Österreich zu errichten.