Im Blauen Haus sorgen zwei Gegenüberstellungen des Gastlandes Rumänien für Spannung. Auf der einen Seite dokumentiert die Polytechnische Universität aus Timisoara eindrücklich die rumänische Diaspora und den damit einhergehenden Verlust kreativen und intellektuellen Potenzials des Landes. Auf der anderen Seite präsentiert sich aktuelles rumänisches Design als mehrheitlich ländlich-tradierte Handwerkskunst. Ein unmittelbarer, gewollter Zusammenhang?

Ein Projekt, das sich eindrucksvoll aus der Schau hervorhebt, ist die Präsentation traditioneller Gebrauchsgegenstände (meist aus Kupfer) der Roma, die mit kleinen zeitgenössischen Applikationen versehen wurden. Einige dieser Gegenstände können seit heuer in einem neu eingerichteten Shop in der Zentrale Nord erworben werden.

Kein regulärer Festival-
oder Museumsshop


Im Mittelpunkt steht nicht nur der Verkauf von Produkten, deren Ausarbeitung und Design gefällt, sondern die Intention, mit dem Erwerb Gutes zu tun. Die Produkte stammen von sozial engagierten Unternehmen wie Goodgood, Magdas Design oder Nut & Feder, die die Zusammenarbeit internationaler Designer mit den handwerklichen Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen fördern.

Die soziale und gesellschaftliche Relevanz zeitgenössischen Designs stellt auch Ineke Hans in den Mittelpunkt ihrer Ausstellung "Was ist Loos?" in der Kunsthalle am Karlsplatz.

Für die niederländische Designerin geht es unbedingt darum, jede Funktion, jeden Anspruch von Design zu hinterfragen - auf Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung abzuklopfen. In ihrer kleinen wie sehenswerten Präsentation zeigt sie Arbeiten und Entwürfe, die auf die Herausforderungen gegenwärtigen Wohnens und Arbeitens reagieren. Etwa mit dem Entwurf eines Tisches, der über die Online-Plattform "Opendesk" angeboten wird und von einer weltweiten Kooperative von mehr als 500 kleinen Tischlereiunternehmen nach einer Bestellung via Internet angefertigt wird. Das erspart nicht nur teuren und umweltschädigenden Transport, sondern stärkt auch kleine Unternehmen in der jeweiligen Region.

Oder die Kreditkarte, die sich mit ein, zwei Handgriffen in Löffel und Gabel verwandeln lässt: Nach einem Aufenthalt der Designerin in der USA ein humorvolles Plädoyer, den übertriebenen und oft fettreichen Konsumwahn zu überdenken, um sich gesünder zu ernähren - die Gabel für den Salat und der Löffel für das Joghurt.

So sehenswert und kurzweilig Ineke Hans‘ Ausstellung ist, sie macht wieder deutlich, an welche Grenzen die Präsentation zeitgenössischen, angewandten Designs in einem museal-institutionellen Umfeld stößt: Die Gebrauchsgegenstände werden zu unnahbaren Ausstellungsobjekten geadelt. Der Besucher darf sich ihnen weder zu sehr nähern, noch dürfen sie berührt, besessen oder erfühlt werden. Das Verlangen muss sich der Besucher für den nächsten Besuch beim schwedischen Möbelhaus aufheben.