• vom 22.11.2017, 18:35 Uhr

Kunst

Update: 22.11.2017, 19:01 Uhr

Ausstellungskritik

Malerei vor der Ära Dürers




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Belvedere zeigt den spätgotischen Maler Rueland Frueauf den Älteren und seinen Kreis.

Maler großer Altäre: Rueland Frueauf d. Ä., das Bild zeigt ein Detail aus Kreuztragung Christi, um 1490/91.

Maler großer Altäre: Rueland Frueauf d. Ä., das Bild zeigt ein Detail aus Kreuztragung Christi, um 1490/91.© Johannes Stoll, Belvedere, Wien Maler großer Altäre: Rueland Frueauf d. Ä., das Bild zeigt ein Detail aus Kreuztragung Christi, um 1490/91.© Johannes Stoll, Belvedere, Wien

Die Reihe "Meisterwerke im Fokus" endet mit der Kooperationsschau des Belvederes mit dem Stift Klosterneuburg und anderen wichtigen Leihgebern, die ihre fragilen spätgotischen Tafeln von Vater und Sohn Rueland Frueauf wandern lassen, um eine Werkstatt zu rekonstruieren, die ab 1470 in Salzburg und ab 1480 in Passau für große Altartafeln der Hauptkirchen tätig war. Der Werkstattleiter signierte selbstbewusst auf den einzelnen Tafeln mit seinen Anfangsbuchstaben R. F.

Im linken Viertel des Erdgeschoßes wird im Oberen Belvedere die Ausstellungsserie ab 2018 dreimal im Jahr mit dem neuen Titel "Im Blick" fortgesetzt. So wird das Haus weiter auf Positionen blicken, die durch neue Forschungen und Restaurierungen, wie in diesem Fall, Spannendes zu Tage fördern. Die Räume für dieses Format bleiben dann dieselben, dazu wird die Sammlungspräsentation im ganzen Oberen Belvedere zudem nächstes Jahr von Direktorin Stella Rollig neu aufgestellt.

Information

Ausstellung
Rueland Frueauf d. Ä.
und sein Kreis
Oberes Belvedere bis 11. März

Wache Eule

Erstmals taucht einer der bekanntesten deutschen Maler vor Albrecht Dürer als "Ruelandus pictor" in Archiven des Erzstifts St. Peter in Salzburg 1470/76 auf.

Er dürfte also um 1440/50 geboren sein, auch handwerkliche Tätigkeiten für das Bürgerspital geben ihn als Bewohner der Stadt aus. Mit dem Auftrag für das Passauer Rathaus wechselte er nach 1477 als Bürger dorthin, wo ein Wappen mit wacher Eule auf einem rosa Marmorrelief in der Kleinen Messergasse auf den Namen und vielleicht auch Wohnort der Familie hinweist, dazu gibt es einen Grabstein der Schwiegertochter von 1503. Auch Hieronymus Bosch hat den nachtaktiven Vogel zum Emblem seiner Werkstatt erhoben. In Salzburg und Passau führte Rueland Frueaufs Bürgerrecht und Ansehen bis zu seinem Tod 1507 zu Aufträgen großer Altäre - so des wohl für St. Peter entstandenen "Salzburger Altars", dessen Kasten allein über sechs Meter hoch war und ein Innenleben mit geschnitzten Figuren hatte, die leider verloren sind.

Das Belvedere bekam 1807 vier zweiseitig bemalte Tafeln davon, die im frühen 20. Jahrhundert nach damals gängiger Praxis zersägt wurden. Die rezente Restaurierung versuchte, die schlimmen Folge-Schäden durch Brüche und losgelösten Farbschichten behutsam zu verbessern - heute wird mit leicht entfernbarer Aquarellfarbe ergänzt. Zudem gibt es ein Bildnis des Jobst Seyfried um 1495, der als Passauer Kollege oder Werkstattmitglied von Frueauf dem Älteren in kürzlich gefundenem Archivmaterial aufscheint. Auch der "Meister von Grossgmain" nahe Salzburg dürfte, erkennbar durch den realistischen Stil und die gleichen Goldornamente des Hintergrunds, mit der Werkstatt enge Bezüge haben, obwohl seine Lasurtechnik eine emailhafte Wirkung hat.

Sauhatz und Schleier

Im Salzburger Marien- und Passionsthema gab es selbst Schablonen für das Gesicht der Gottesmutter, weiters wurde eine sehr ähnliche Unterzeichnung durch Infrarotaufnahme für eine Bildtafel des Stifts Schlägl mit einer "Flucht nach Ägypten" nachgewiesen. Nicht nur durch die genauen Untersuchungen erweitert sich das Werk, ab etwa 1470 hatte Frueauf einen Sohn, der als Rueland der Jüngere wichtige Aufträge für Klosterneuburg ausführte.

Ein Altar mit der Legende zum heiliggesprochenen Babenberger Markgrafen Leopold III. und der damit verbundenen Gründung des Klosters zeigt die Geschichte um den Schleier seiner Frau Agnes und die "Sauhatz", die als Abbildungen aus historischen Schulbüchern allgemein bekannt sind. Der Sohn war schon ein Renaissancekünstler, er malte blaue Himmel und gewölbte Landschaften statt punzierten Goldgründen und die Innenräume zeigen sein Wissen über die neue Zentralperspektive aus Italien, der typisch spätgotische Realismus des Vaters ist in Gesten und Gebärden der Figuren abgemildert.

Dieric Bouts und Martin Schongauer haben ihn nach der Lehre beim Vater geprägt. Eine der Tafeln von Leopold mit Anna Selbdritt befindet sich im Belvedere; nun sind aber zu den Leihgaben aus Klosterneuburg auch aus Privatbesitz, dabei die Sammlung Fogg in London, fast alle Werke der Frueauf-Werkstatt vereint.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-22 16:38:06
Letzte Änderung am 2017-11-22 19:01:42


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