Wien. Die neue Führung des Belvedere, die Generaldirektorin Stella Rollig und der Wirtschaftliche Geschäftsführer Wolfgang Bergmann, nützten ihre Pressekonferenz am Mittwoch vor allem, um Vorwürfe gegen ihre Vorgängerin, Agnes Husslein-Arco zu erheben: Man habe ein "schweres Erbe" übernommen: "Wir finden hier einen Zustand vor, der skandalös ist", meinte Bergmann.

Die jüngste Entdeckung von Missständen betreffe die auf dem denkmalgeschützten Dachboden des Belvedere befindlichen Kälteanlagen, die nicht den Anforderungen entsprächen. Husslein erwiderte dazu Mittwoch Nachmittag, "dass diese Agenden ganz klar in den Bereich des Gebäudemanagements fielen, das der kaufmännischen Leitung unterstellt war." Im Fall einer Regressforderung gegenüber Husslein-Arco betreffend ein bestelltes, aber nicht geliefertes Kunstwerk, für das 100.000 Euro gezahlt wurden, sagte Rollig, es sei "sehr unüblich, dass man ein Kunstwerk bezahlt, bevor es geliefert wurde".

Die wirtschaftliche Bilanz des Museums ist dagegen äußerst positiv: 1,43 Millionen Besucher werden 2017 voraussichtlich gezählt werden können (2016: 1,329 Millionen), die Ticketerlöse haben Anfang Dezember erstmals die Zehn-Millionen-Euro-Grenze überstiegen und werden zu Jahresende über elf Millionen Euro betragen. Im Ausstellungsprogramm 2018 wird das Belvedere dem Klimt- und Schiele-Gedenkjahr Rechnung tragen und auch die Schausammlung neu aufstellen. Das 21er Haus wird künftig "Belvedere 21" heißen. Das Gustinus-Ambrosi-Museum im Augarten werde der Burghauptmannschaft übergeben. Hitzig wurde die Pressekonferenz, als Rolligs Ausspruch, in der Schiele-Ausstellung "kehrt das Bildnis Wally heim" auf Widerstand der anwesenden Journalisten stieß: Das sei angesichts der Geschichte des Bildes als NS-Raubkunst eine problematische Aussage.