New York. Gustav Klimts Millionenbilder "Adele Bloch-Bauer I" und "Adele Bloch-Bauer II", die eine "die Goldene", die andere "die Bunte", haben sich nach ihrem Abtransport aus dem Wiener Belvedere 2006 in Ronald S. Lauders "Neuer Galerie" in New York wiedergefunden.

Doch dieses Nebeneinander, das nachvollziehbar macht, wie Klimt von 1907 auf 1912 nicht das Objekt, doch den Stil wechselte, hat ein Ablaufdatum. "Die Neue Galerie darf Adele II bis 18. Jänner 2018 ausstellen", sagt Renée Price, Direktorin mit deutschen Wurzeln. Die New Yorker Agentur Bloomberg meldete im Februar 2017, ein ungenannter chinesischer Milliardär habe die "Bunte Adele" für 150 Millionen Dollar gekauft. Seither bangen Kunstfreunde, dass sie wieder aus der Öffentlichkeit verschwindet - wie nach dem 8. November 2006, als sie für den Hammerpreis von 78,5 Millionen Dollar von Christie’s in New York versteigert wurde. Damals der Weltrekord für einen Klimt! Doch 2015 überboten durch 170 Millionen Dollar, die der russische Oligarch Dmitri Rybolowlew für die "Wasserschlangen II" zahlte.

Wo landet das Bild?

Die anonyme Käuferin der Bunten Adele 2006 und die Verkäuferin 2016 war die zur Medienunternehmerin aufgestiegene Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey. Bloomberg rechnete ihr einen Gewinn von 71 Prozent aus. Oprah lieh, ebenfalls anonym, das Bild 2014 dem Museum of Modern Art. Dort war es im 5. Stock zu besichtigen. Doch im Herbst 2016 gelang es Ronald S. Lauder - er ist Big Spender und Ehrenpräsident des MoMa -, die Dame mit Hut für die Ausstellung "Klimt and the Women of Vienna’s Golden Age" in sein Museum an der Fifth Avenue - Ecke 86th Street zu holen. Dort blieb sie hängen, als die von Tobias Natter kuratierte Ausstellung am 16. Jänner 2017 endete.

Dem so leidenschaftlichen wie durchsetzungsstarken Sammler Lauder und seiner Direktorin gelang es, Aufschub zu erwirken. "Zwar bemühe ich mich", sagt nun Renée Price, "durch den Vertreter des Eigentümers eine zweite, halbjährige Verlängerung zu bekommen. Ich bin aber nicht sehr optimistisch." Wo könnte das Bild landen? "Wir kennen den neuen Eigentümer nicht, es ist lediglich ein Gerücht, dass es sich um einen chinesischen Sammler handelt." Oprahs Deal mit dem Unbekannten fädelte laut Bloomberg der auf jüngere Moderne spezialisierte Kunsthändler Larry Gagosian ein.

Viele Klimt-Kenner sehen in der "Bunten Adele" einen wichtigeren Markstein der Wiener Moderne als im Gold-Porträt. Das erwarb Ronald Lauder nach der Restitution 2006 für kolportierte 135 Millionen Dollar für die Neue Galerie. Der jetzige Präsident des World Jewish Congress, 1986/87 Botschafter in Wien, ist auch der Motor der dem WJC verbundenen Commission for Art Recovery, die Raubgut aufspürt.

Die von der Bloch-Bauer-Nichte Maria Altmann (1916-2011) und vier Miterben beanspruchten fünf Klimt-Gemälde aus dem Belvedere wurden nach der Entscheidung eines dreiköpfigen Schiedsgerichts - der Wiener Jus-Dekan Rechberger, der Anwalt Nödl, der an der Uni Linz lehrenden Zivilrechtler Rummel als Vorsitzender - Mitte Jänner 2006 freigegeben. Dieser Kompromiss wurde von Nationalratspräsident Khol in Gesprächen mit dem ehemaligen stellvertretenden US-Finanzminister Eizenstat im Mai 2005 angebahnt. Doch die Regierung blieb vorerst weiter auf der Linie des im Denkmalamt eingerichteten Rückgabebeirats und der Finanzprokurator. Die sahen den Rechtsanspruch der Republik aufgrund des Testaments von Adele Bloch-Bauer, die ihre Klimt-Bilder der Österreichischen Galerie zugedacht hatte, bestätigt.

Warum war Österreich bereit, ihn aufzugeben? Bundeskanzler Schüssel bekam bei seinem Besuch am 8. Dezember 2005 von US-Präsident Bush den "Rechtsfrieden" zugesichert, auf den die Regierung seit der Unterzeichnung des "Washingtoner Abkommens für die Entschädigung und Restitution" 2001 wartete. 210 Millionen Euro konnte Österreich nicht an NS-Opfer in aller Welt auszahlen, solange die Garantieerklärung, dass nicht weitere Ansprüche gestellt werden, durch gezielte Sammelklagen in den USA torpediert wurde. Ein New Yorker Gericht wies deren letzte Mitte November 2005 zurück.

Mit dem - in den Spiel- und Dokumentarfilmen über "The Lady in Gold" nie erwähnten - politischen Tausch wurden Österreich quälende Altlasten abgenommen. Und so wanderte zumindest die "Goldene Adele" heim in das hochbourgeoise jüdische Milieu, aus dem sie stammte. Es wurde aus Wien vertrieben und konnte nur wenige materielle Zeugnisse nach Midtown Manhattan retten. Auch Maria Altmann wünschte, dass die Gemälde der Öffentlichkeit erhalten bleiben.