• vom 19.12.2017, 16:45 Uhr

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Stark, diese Kopfschmerzen von Sofie Muller: "Alabaster Mentalis."

Stark, diese Kopfschmerzen von Sofie Muller: "Alabaster Mentalis."© Michaela Stock, Geukens & De Vil Gallery Stark, diese Kopfschmerzen von Sofie Muller: "Alabaster Mentalis."© Michaela Stock, Geukens & De Vil Gallery

2D plus 2D

ergibt 3D


(cai) Das eine ist flach (mehr oder weniger), das andere . . . nicht. Dass sich Bild und Skulptur aber auch verdammt ähnlich sein können, fast wie Zwillinge (zweieiige), besonders wenn ein und derselbe Künstler beides macht, zeigt sich jetzt in der bechter kastowsky galerie: "bild/skulptur."

Sie können sogar miteinander verschmelzen. Für Angela Glajcar, die gestisch Löcher ins Papier reißt und die losen Blätter dann zu einem Würfel stapelt, ist der Raum keine Multiplikation (Länge mal Breite mal Höhe), sondern eine Addition. 2D plus 2D ist 3D. Die Summe aller Flächen. Und der Blick wird in die malerische Tiefe reingezogen. Wird zum begeisterten Höhlenforscher. Beim Walter Vopava wird man zum Voyeur. Als hätte sich das mysteriöse Schwarz der Gemälde auf einem Sockel materialisiert. Öffnungen locken ins intimste Innere der Finsternis.

Christoph Schirmer: Der ordnet hier wie dort das Chaos ein. Auf der Leinwand und außerhalb (wo er Holzleisten wild in ein Gerüst stopft). System und Zufall auch beim Jakob Gasteiger, dem Meister der sparsamen Geste mit großer Wirkung. Jede Linie hat Substanz. Weil er die Farbmasse kämmt. Und beim Bleigießen (mit Alu statt Blei) kommen geradezu orgiastische Klumpen raus. Sollte man daraus die Zukunft ablesen können, wird’s jedenfalls sehr viel Zukunft geben.

Am Ende: die Wiedergeburt. Eines sperrigen Holzobjekts aus dem Jahr 1998. Galerist Robert Kastowsky, die männliche Hälfte von Bechter-Kastowsky, war dabei Geburtshelfer. Hat das Trumm von Liliane Tomasko exakt nachgebaut. (Bei so viel Volumen bemerkt man kaum noch, dass Tomaskos Bilder dafür etwas seicht sind.) "Ich wollt eine Ausstellung machen, wo ich selbst Hand anlegen muss. Ich bin ja handwerklich nicht unbegabt." Stimmt. Ist er nicht, der Robert.

bechter kastowsky galerie

(Gluckgasse 3, Mezzanin)

"bild/skulptur", bis 23. Dezember

Do., Fr.: 10 - 19 Uhr

Sa.: 10 - 15 Uhr

Denken tut weh

(besonders im Kopf)

(cai) Ja, so hab ich mich auch des Öfteren gefühlt. Als würde mir der Schädel zerspringen. Nur dass es die Köpfe von der Sofie Muller offenbar tatsächlich zerrissen hat. (Die hat gleich mehrere?)

Beseelter Alabaster. Ausdrucksstark. Mit jeder Menge Traumata. (Na ja, Bildhauerei ist doch immer irgendwie gewalttätig. Schon wegen dem Hauen.) Allerdings hat die Künstlerin dem Stein nicht zuerst ein Gesicht gemacht und ihn nachher zertrümmert. Die "gespaltenen Persönlichkeiten" hat sie vielmehr aus lauter verschiedenen Steinen brachial zusammengepuzzelt. Sieht nach heftigen Kopfschmerzen aus. Dem Buben, der bei der Michaela Stock an der Wand lehnt, geht’s ebenfalls nicht so gut. Definitiv ein gebranntes Kind. Sein Köpfchen ist ein bissl verkohlt, zieht eine rußige Linie nach. Eine düstere Erinnerungsspur. Auf der weißen Wand. Aber natürlich hat ihm seine Mama diese Kindheitserinnerungen entlockt. Muller. Mit dem Bunsenbrenner. Apropos aua. Muller malt mit dem eigenen Blut. Kombiniert ihre Verletzlichkeit delikat mit einem "Smoke Drawing". Kriegt’s da irgendwie hin, flüchtigen Rauch festzuhalten. Geisterhaft erscheint was auf dem Papier - und bleibt.

Ein Aspirin könnten die Nachbarn der Galerie ebenso brauchen. Oder einen Superkleber. Okay, das Porzellan ist eh nicht aus den Regalen gekippt. Scheppern tut’s. Weil im zweiten Raum irgendwas mit rhythmischer Wucht gegen das Mauerwerk tuscht. Theoretisch. Inzwischen bloß noch auf Anfrage. Hat da wer einen Schlaganfall? Mit dem Hammer? Nein, die brutale Eisenschaukel von Evelyn Loschy will durch die Wand. Ein verzweifelter Ausbruchsversuch? Raus aus der Kindheit? Loschy "malt" aber auch einfühlsame Stillleben. Ganz sanftmütig. Im Film "I met Eduard Steinberg but never got to see him" streicht sie mit dem (trockenen) Pinsel eines verstorbenen Meisters über dessen persönliche Gegenstände. Lernt ihn so kennen.

"Rethink duality": eine intensive Schau voller Spannungen. Und tiefsinniger Zerstörungswut. Mutige gehen noch in den Keller. Kopf einziehen nicht vergessen!

Galerie Michaela Stock

(Schleifmühlgasse 18)

"rethink duality", bis 13. Jänner Di., Mi.: 16 - 19 Uhr, Do., Fr.: 11 - 19 Uhr, Sa.: 11 - 15 Uhr




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Dokument erstellt am 2017-12-19 16:50:08



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