• vom 11.01.2018, 16:19 Uhr

Kunst

Update: 11.01.2018, 16:26 Uhr

Ausstellungskritik

Kritischer Blick in den Milchkrug




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Die Burgenländische Landesgalerie in Eisenstadt präsentiert die Schau "Gutruf. Vermeer und mehr".



Zu Gerhard Gutrufs Bilderserien gehören auch Ansichten des Kolosseums in Rom.

Zu Gerhard Gutrufs Bilderserien gehören auch Ansichten des Kolosseums in Rom.© Gutruf/Landesgalerie Zu Gerhard Gutrufs Bilderserien gehören auch Ansichten des Kolosseums in Rom.© Gutruf/Landesgalerie

Gerhard Gutruf wird von Julian Schutting als Konstruktivist bezeichnet, doch er könnte auch als konkreter Maler durchgehen oder nur als postmoderner. Letzten Endes passt keiner dieser Begriffe genau. Fest steht nur, dass Gutruf, Schüler von Sergius Pauser, Josef Mikl und Lois Egg, mit drei Studien an der Akademie am Schillerplatz, ein Einzelgänger am Rande der neuen österreichischen Malerei geblieben ist. Im Gegensatz zu den Neuen Wilden der Achtzigerjahre ist sein Stil klassischer und er im Ausland bekannter. In China gehört er neben Max Weiler zur einzigen Persönlichkeit, die in drei Hauptmuseen eingeladen wurde, dazu kommen Madrid, Mexiko City, Kairo, Addis Abeba, Pretoria oder das Vermeer-Centrum in Delft.

Glatter Strich und wissenschaftliche Akribie

Information

Ausstellung

Gutruf. Vermeer und mehr

Günter Unger (Kurator)

Burgenländische Landesgalerie

Bis 1. April

Gutruf arbeitet in Bilderserien. Er vermeidet die Malerpranke als ehedem in Wien für typisch erachteten expressiven Körperausdruck. Stattdessen untersucht er, glatt pinselnd, Form, Farbe und Motiv. Das wäre noch fast eine Paul-Cézanne-Rezeption, aber dazu pflegt er eine plane Perspektive in wissenschaftlicher Akribie, die er von Professoren der TU überprüfen lässt. Damit wäre die postkonzeptuelle künstlerische Forschung eher sein Ding, wenn ihn nicht das sinnliche Material und eine Leidenschaft für das Handwerk leiten würde. Objekte sind daher neben vielen grafischen Techniken wichtig. In der Burgenländischen Landesgalerie zeigt er in seiner Personale das große Modell für das Schächtermonument, eine unkonventionelle Grabplastik am Zentralfriedhof für den Erfinder des Weltraumkugelschreibers Friedrich Schächter.

Weiters ist die Installation "Blick in Vermeers Atelier" Teil der Schau, die seine genauen technischen Untersuchungen zu malerischen Tricks Jan Vermeers enthält, vom Blick in den Milchkrug bis zur fehlenden Kachel im Hauptwerk "Schilderkonst" (Der Maler im Atelier). Dazu gelangte der barocke Holländer ohne Camera obscura, das musste die Kunstgeschichte nach Gutrufs Beweisen etwas zerknirscht zur Kenntnis nehmen. Die wissenschaftliche Erkenntnis kam durch Erfahrung mit mittlerweile drei Gemäldeparaphrasen des Atelierbilds ab 1973, nun steht die letzte Variante von 2014, "Vermeers geheimes Vermächtnis", in Eisenstadt auf einer Staffelei.

Die Ausstellung startet mit den frühen "Maschinenlandschaften", die immer wieder, sei es als "Umweltreinigungsmaschine", sei es in Gutrufs Stillleben mit Schachteln und Capriccios, auftauchen, den weiteren Kapiteln der Schau. Dazu kommen ständig verfolgte Varianten italienischer Motive wie des Kolosseums in Rom, des Stadtpanoramas von Florenz seit 1985, und des Geburtshauses von Leonardo in Vinci, dem Gutruf vor Ort seit Jahrzehnten ein geheimes Alphabet einer Bilderschrift mit Aquarelltechnik abgewinnt.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-11 16:23:08
Letzte ─nderung am 2018-01-11 16:26:05



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