Die Farben sind ja eh realistisch. "Impressions From the Streets" von Ekrem Yalcindag. - © bechter kastowsky galerie/Ekrem Yalcindag
Die Farben sind ja eh realistisch. "Impressions From the Streets" von Ekrem Yalcindag. - © bechter kastowsky galerie/Ekrem Yalcindag

Das Leben hält

ja auch nicht still

(cai) Und sie bewegen sich doch - die Stillleben. Die vom Karl-Heinz Ströhle auf jeden Fall. Okay, man muss sie ein bissl motivieren. Sie anstupsen, die Flaschen, die Vasen und die anderen Gefäße.

Die Bewegung. Die hat den Vorarlberger, der an der Angewandten in Wien unterrichtet hat, sein ganzes Werk hindurch begleitet. Das war "sein" Thema. Vor fünf Wochen, am 12. Dezember, wäre er 60 geworden, drum widmet ihm die Galerie Jünger eine kleine Retrospektive. Dort kann man sich jetzt auf das höchst lebendige Œuvre einlassen und muss seinen Spieltrieb dabei nicht beherrschen. Könnte man sowieso nicht. Bei den "Wireframes". Konstruktionen aus Federstahl, die irgendwie entfernt an Reifröcke erinnern. Der Flasche da unten im Keller (und der allein ist schon eine Sehenswürdigkeit mit seinen gekachelten Wänden, zwischen denen früher fleißig gebacken wurde, als das noch eine Bäckerei gewesen ist), der muss man geradezu einen Rempler geben. Witzig, wie sie dann wabbelnd in den Ruhezustand zurückschwingt. Auch mit einfachen Materialien, ökonomisch eingesetzt in einer reduzierten Formensprache, kann man also überzeugen. Die schwungvoll verbogenen Stahlbänder waren sogar Tanzpartner. Für menschliche Performer.

"Blubb": Flexible Metallringe, in einen Rahmen gequetscht, wo sie sich gegenseitig verformen und verdrängen. Von diesem Kräftemessen gibt’s ein wundersames Abbild auf Leinwand. Gut, nicht so wundersam wie das Turiner Grabtuch. Man weiß ja, wie’s gemacht worden ist: gesprüht. Plötzlich schwellen die Ringe zu prallen Blasen an. Zu einem Zellhaufen. Und jeden Augenblick könnte eine neue Zelle aufpoppen.

Überall hier spürt man die Spannungen, das kinetische Potenzial. Kunst mit Bewegungsdrang.

Galerie Jünger

(Paniglgasse 17 a)

Karl-Heinz Ströhle, bis 10. Februar

Di. - Fr.: 14 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 14 Uhr

Die Unendlichkeit

beginnt in der Mitte

(cai) Dann stimmt’s also doch, dass man kein abstraktes Bild malen kann, wie sehr man sich auch anstrengt. Weil selbst das unrealistischste noch irgendwas darstellt. Wobei: Der Ekrem Yalcindag bemüht sich ja nicht einmal. Er behauptet gleich gar nicht, seine Gemälde seien weltfremd.