• vom 31.01.2018, 16:10 Uhr

Kunst

Update: 31.01.2018, 16:34 Uhr

Ausstellungskritik

Karikaturen contra Journaille




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Wien Museum präsentiert im Musa die andere Seite Josef Mikls: das satirische Werk.

Aus Josef Mikls Skizzenheft "Letzte Reise des Wunderpferdes (auch Zauberpferd genannt)", 1951.

Aus Josef Mikls Skizzenheft "Letzte Reise des Wunderpferdes (auch Zauberpferd genannt)", 1951.© Wien Museum Aus Josef Mikls Skizzenheft "Letzte Reise des Wunderpferdes (auch Zauberpferd genannt)", 1951.© Wien Museum

Als Maler war Josef Mikl (1929- 2008) Mitglied des Art Clubs, gehörte der Gruppe um Otto Mauer in der Galerie nächst St. Stephan an, und bekam einer der ersten Personalen 1963 im neu gegründeten Museum des 20. Jahrhunderts. Als er 1968 Österreich auf der Biennale vertrat und im Jahr darauf Professor an der Akademie wurde, galt er als anerkannt. Der Jungstar, der Titel vermied, erregte jedoch die noch konservative Kulturszene ganz enorm: Es hagelte Kritik, gab sogar einen "Kunstkrieg" vor Gericht 1966. Direktor Werner Hofmann wählte Mikl ganz bewusst neben Rainer für seine ersten Personalen aus, denn neben dessen wichtiger Stellung in der nie gegenstandslosen abstrakten Malerei in Wien nach 1945 war die Karikatur sein zweites Standbein. Diese Möglichkeit einer sehr politischen Reaktion des Künstlers auf den "Mief" der Nachkriegszeit faszinierte Hofmann auch als Kunsthistoriker, denn er hatte über das Phänomen Karikatur dissertiert.

Journalistenfresserin Hawranek

Information

Ausstellung
Josef Mikl. Das satirische Werk
Musa
Bis 1. April

Brigitte Bruckner-Mikl hat den Bestand an einzigartigen Skizzenbüchern, Textblättern und Heften ihres verstorbenen Mannes dem Musa geschenkt, Ausstellung und Katalog versuchen, die noch lebenden Zeitzeugen einzubeziehen und den Wandel der Kunstkritik bis heute zu beleuchten. Dazu sind einige Hauptwerke aus der frühen Zeit Mikls zu sehen und auch drei der vier Mappenkonvolute, die der Künstler für seinen eigenen Sohn Franz Josef, die Kinder von Alfred Schmeller und jene von Carl Auböck gemalt und ihnen geschenkt hat. Auch wenn es inhaltlich Bücher für Erwachsene waren, ist die Variationsbreite der karikierten Mischwesen groß. Zu den Skizzenheften "Wunderpferd" und "Kulturtage in Worpswede" kam die bekannteste Erfindung der Journalistenfresserin Hawranek. Prinzipiell richtete sich diese Figur Mikls gegen alle Kunstkritiker, wobei ihn auch hier im allgemeinen Zorn über negative Reaktionen auf seine Malerei letztlich eine ambivalente Haltung lenkte.

Mikl unterschied scharf zwischen seiner Tätigkeit als Maler und dem satirischen Zeichner, der seltsame dackelartige Flugdrachenwesen mit Rüsseln und Stummelbeinchen, manchmal auch Mondgesichtern ("Scheiben") in schmissigen Pinselzügen zu Papier brachte. 1961 wird die Hawranek auch zur fleischfressenden Pflanze, mancher hat sie auch als Gottesanbeterin beschrieben. Dabei waren die Tageskarikaturisten absolut kein Maß für ihn, sondern die Vorbilder kamen aus der Kunstgeschichte wie William Hogarth, Honoré Daumier oder Wilhelm Busch. Sein eigentlicher Gott in der politischen Literatur Wiens war aber Karl Kraus. Texte von Künstlerkollegen wie Adolf Frohner, Kurt Moldovan oder Albert Paris Gütersloh, aber auch von Kunsthistorikern oder den späteren Museumsdirektoren Schmeller und Otto Breicha schätzte er größtenteils - so auch die objektive Kunstkritik in der "Wiener Zeitung" von Maria Buchsbaum (1925-2016).

Aus Hassliebe:
blauroter Flugdrache

Mit dem legendären Kritiker der "Presse", Kristian Sotriffer (1932
-2002), den er 1967 als "Kristian Feuchtriffer" zum blauroten Flugdrachen umwandelte, verband ihn offenbar wie mit Johann Muschik, Claus Pack und Karl Maria Grimme eine Art Hassliebe, die jene "andere Seite" seines Furors anstachelte. Jeder Angriff wurde lustvoller Ansporn für die Journalistenfresserin Hawranek, über die er mehrere Bücher im Eigenverlag herausbrachte und die wiederum polemisch von Peter Baum in dessen Kritiken einbezogen wurde.

Baum und Sotriffer hatten als Grafiker begonnen, Baum wurde nach dem Journalismus Direktor der Vorgängerinstitution des Lentos. In einem schmalen Band überzeichnete Mikl die kopierten Kritiken, so Sotriffers Kommentar "Er steht sich selbst im Weg". Im "Wiener Kunstkrieg" hielten die Künstler freilich alle fest zu Hofmann, der von einem Gegner der Moderne, Redakteur Helmut Leidwein, wegen Ehrenbeleidigung geklagt wurde. Auch die Kritiker Breicha, Muschik, Sotriffer und Schmeller geben eine gemeinsame Erklärung ab und Breicha gewann einen Folgeprozess. Deswegen hat die Hawranek sie auch bildlich alle nicht umgebracht und die Gegenstandskunst wurde schließlich doch akzeptiert.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-31 16:14:14
Letzte Änderung am 2018-01-31 16:34:21


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