• vom 06.02.2018, 16:46 Uhr

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Das lebende Spiegelei: Sabine Ott im Dotterkleid. - © Alexandra Eizinger

Das lebende Spiegelei: Sabine Ott im Dotterkleid. © Alexandra Eizinger

Sogar dem Stahl

kommen die Tränen


(cai) Latex und Stahl - klingt nach Sadomaso. Peitschen und Käfige und so. Liesl Raff ist aber eigentlich eh keine Domina. Auch wenn sie den Stahl zum Weinen bringt. Aus der Galerie Sophie Tappeiner hat sie jedenfalls keine strenge Kammer gemacht. Eine Gummizelle allerdings genauso wenig. Obwohl das der Ausstellungstitel jetzt fast schon nahelegen würde: "Maximal soft." Soft wie: weich.

Um (spannungsreiche) Beziehungsgeschichten geht’s da. (Beim SM doch ebenfalls.) Zwischen den Materialien. Oder zwischen diesen und der Künstlerin. Und warum kommen dem Stahl die Tränen? Ist die in Wien lebende Deutsche gemein zu ihm gewesen? Mit dem Plasmaschneider? Die groben, angesengten Ränder schauen ja wirklich ziemlich brutal aus. Zeugen von der Verletzlichkeit des toughen Metalls, aus dem zwei Tischplatten geschnitten worden sind. (In der Form eines Auges. Die Iris ist übrigens drehbar.) Keine Angst, die Stahltränen sind nicht echt. Die sind mit Magnetenfixiert. Außerdem hat Liesl Raff die Tische sehr einfühlsam gewachst. Die Wischspuren sind der Beweis. (Nicht, dass ich das zur Partnermassage hochstilisieren will.)

Die Hand der Künstlerin ist überall spürbar. Nirgends unpersönliche Glätte. Selbst Abstraktes wirkt unheimlich körperlich. Betonung auf "unheimlich". Aber vor allem auf "körperlich". Das Latexband, das sich innig um seine Aufhängung wickelt, hat was von Haut, einem speckigen Schwartl. Beinah eklig. Man kriegt sogar fettige Finger davon. Woher ich das weiß? Weil man halt trotzdem hingrapschen muss. Zwanghaft. Zum bunten Vorhang (aus aufwändig gefärbten Latexschnüren) sowieso. Der weckt noch dazu Kindheitserinnerungen. Riecht betörend nach Luftballons. Anscheinend lauter Liebeserklärungen ans Material.

Galerie Sophie Tappeiner

(An der Hülben 3)

Liesl Raff, bis 10. März

Mi. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Die Frau ist

das Gelbe vom Ei

(cai) Bisher kennt man das ja eher von den Frauen. Und von den Überraschungseiern natürlich. (Die gleich drei Dinge auf einmal können müssen.) Aber dreifachbelastete - Kleider? Das ist neu.

Ach, und was sind die markant schlichten Kreationen von Sabine Ott sonst noch - außer Mode ("Ott Couture") und Kunst? Na ja, ein Volahiku-Kleid (vorne lang, hinten kurz) ist ein eleganter Schonbezug für das, worauf man sitzt. Für den Hintern? Nein, eigentlich für den Sessel. Und ein luftiges Kleiderl hat einen Nebenjob in ebenso luftiger Höhe: als Lampenschirm. Achtung: Wer unten reinspechtelt, wird geblendet (der Spanner). Vom Birndl. Ist das das Ei? Schließlich heißt das Ganze "Huhn". Ein Ei hat die Designerin, Objektkünstlerin, Performerin, bei der alle Grenzen dauernd verschwimmen, selber schon gelegt. Oder gespielt. Ein Spiegelei. Den Dotter davon. In einem gelben Kleid. Auf einem weißen Fallschirm. Sogar ohne Menschenfleisch noch imposant, das Spiegelei. Im Keller der Galerie Stock. Titel der körperbetonten Schau: "Frozen Performance."

In ihren Gewändern posiert Ott ja gern selbst. Für Fotos. Spannend (und ernsthaft witzig), wie sie sich inszeniert. Als "Infantin" hockt sie wie eine häusliche Glucke auf den Tischen, die unter den Stoffmassen zu sperrigen Reifröcken mutieren. Und im Abendkleid für sehr, sehr hohe Absätze (okay, sie steht auf einer Leiter) wird sie zur Riesin, zur Powerfrau. (He, das ist das Eiweiß vom Spiegelei!) Gegenstände vermenschlicht sie pointiert. Der Thonetstuhl, dem sie Haare von sich transplantiert hat ("Analyse, sitzend"), stammt aus der Berggasse. Ein Nachbar vom Freud. Und Haare wachsen immerhin aus dem Kopf. In dem auch die Neurosen drinnen sind. Ihre sind sowieso Teil ihrer Kunst. (Ihre Haare.) Originell: die Minimal-Landschaften, wo ein einzelnes Haar zum Horizont wird. Lang genug ist’s ja. Man könnte es locker einmal um den Globus wickeln. Mindestens. Um einen Tischglobus. Toll. (Ihre Rapunzelmähne und ihre Sachen.)

Galerie Michaela Stock

(Schleifmühlgasse 18)

Sabine Ott, bis 3. März

Di., Mi.: 16 - 19 Uhr

Do., Fr.: 11 - 19, Sa.: 11 - 15 Uhr




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