Rudolf Polanszky wurde für eine Ausstellung im Hauptraum der Secession ausgewählt, weil er als immer noch zu wenig beachteter Geheimtipp in der Kunstszene gilt. Weniger eine legendäre Ateliergemeinschaft mit Franz West samt exzessiven Trinkgelagen trieb ihn 1978 zum Super-8-Film "Zu einer Semiologie der Sinne" (einem dokumentierten Komasaufen) als die Freundschaft mit Oswald Wiener und Dieter Roth.

Das konzeptuelle Experiment ging neue Wahrnehmungswege durch minimale Sprachzeichen und Wiederholung einer frontalen Selbstaufnahme beim Trinken. Dabei sollte, trotz Spontaneität, alles Unbewusste vermieden werden. Ganz nach Ernst Machs "Analyse der Empfindungen" und einer neuen Logik in der Musik von John Cage erreichte Polanszky mit Folgefilmen zu "Der musikalische Affe" die Vermutung, dass es Kunst gar nicht gibt und die vorhandene Ästhetik nur Illusion ist. In der Folge suchte er die kunstlose Phase in einer archaischen Antike und landete bei Philosophenfragen, die nun den Titel "Eidola" für die Schau im Hauptraum der Secession geben.

Restpostenbastelei

Die Trug-, Schein oder Spiegelbilder aus der pythagoräischen Lehre zu Zahlenlogik und leeren Zwischenräumen treiben ihn auch als Bildhauer seit den 1990er Jahren an. Er verwendet meist synthetische Verschnittware von Baumärkten wie Plexiglas, Folien, Bleche oder Duplexplatten und kombiniert sie zu großen Bildreliefs oder labil geschichteten Skulpturen. Das Ausschussmaterial der Konsumgesellschaft zeigt Gebrauchsspuren, die Polanszky durch Aussetzen der Witterung im Freien noch steigert. Durch diese Spuren meinen wir uns zu erinnern, die Patina des Historischen kommt ins Spiel. Seine Arbeitsmethode nennt er "Ad-hoc-Synthese", eine provisorische Schichtung. Es kommen Kleber, Harze, Schaumstoff und Lack zum Einsatz, dabei verirren sich Drähte, welke Blätter und Farbstaub ins Innere von schachtel- und flügelartigen Strukturen. Auf filigrane Metallstützen gehängt oder gestellt, gelangt diese Restposten-Bastelei in einen Schwebezustand, der sie wie Vitrinen oder absturzgefährdete Flugobjekte wirken lässt.

Frei in den Hauptraum der Secession geordnet, den Polanszky mit einer griechischen Agora vergleicht, entwickeln die "Prim- oder Konfusionsskulpturen" genannten losen Gruppen (auch "Hyperbolische Räume") die paradoxe Wirkung eines Archivs von Flugobjekten und Schleimmonstern, Blechdosen und instabiler Strukturen, die sich luftig in Richtung Glasdecke abheben. Zwei neuen großformatigen Spiegelbildobjekten ("Dunkle Spiegelung") an der linken Wand) entsprechen die "Reconstructions" rechts, die der Künstler in den 90ern "Deformationsobjekte" oder auch "Zyklometrien" nannte.

Textautoren seines Kremser Katalogs haben Polanszky 2015 als einen dionysischen Wissenschafter und als Künstler getarnten (nihilistischen) Philosophen bezeichnet. In der Secession lässt sich das mythische Handwerk der Neuanordnung scheinbar schwebender Assemblagen eher mit dem freiheitsliebenden Daidalos und seiner kunstlosen Flugmaschine vergleichen, die dazu diente, aus der kretischen Diktatur zu fliehen.

Das Scheitern war schon vor tausenden Jahren ein vergleichbarer Teil des Arbeitsprozesses. Hier stürzt zwar kein Ikaros mehr ab, aber die Empirie sagt uns, dass Verschwendungssucht gefährdet. Die archäologischen Tiefenschürfungen in alten Erfahrungshorizonten finden sich auch in den subtil zu Polanszkys Werken für die Galerie ausgewählten Raum-Assemblagen der zypriotischen Künstlerin Haris Epaminonda.