• vom 09.02.2018, 16:19 Uhr

Kunst

Update: 09.02.2018, 16:28 Uhr

Ausstellung

Feuer mit Flagge und Surfbrett




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Mumok präsentiert eine private Berliner Kunstsammlung unter dem Motto "Optik Schröder II".

Paulina Olowska: "Provocative", 2001.

Paulina Olowska: "Provocative", 2001.© Schröder/Korte/Paulina Olowska Paulina Olowska: "Provocative", 2001.© Schröder/Korte/Paulina Olowska

Mit bekannten Positionen zeigt sich die Berliner Kunstsammlung Alexander Schröders, laut Kuratorin und Mumok-Chefin Karola Kraus, als eine der profiliertesten Deutschlands.

Schröder hat nach einem Kunststudium in Berlin 1994 mit Thilo Wermke die Galerie "Neu" gegründet. Er nutzt intime Kenntnisse des internationalen Kunstmarkts auch für seine Sammlung, die etwa 500 Werke enthält, dabei ganz untypisch für Privatkollektionen, viele raumgreifende Installationen.

Information

Ausstellung
Optik Schröder II
Mumok bis 27. Mai

Meist leiht er für Ausstellungen weltweit und nach einer ersten Schau in Braunschweig konzentriert sich der Einblick II hier im Mumok auf etwa ein Fünftel, wobei eine halbe Museumsebene ganz dem in Deutschland und New York prominenten Kunstmarktkritiker Kai Althoff gewidmet ist.

Schlüsselwerke dieser ironischen Identitätsbefragung aller Eingeweihten der Kunstszene besitzt Schröder nicht nur von Althoff, auch Isa Genzken, Martin Kippenberger, Tom Burr, Merlin Carpenter und Henrik Olesen sind zu finden.

Vom Feuer verzehrt

Wichtig neben dem weiten Feld der Konzeptkunst, Institutionskritik und dem, Hierarchien brechenden, Faktor "Queerness", sind Künstlerkollektive wie Reena Spaulings oder Gelatin, deren latexfarbener Styropor-Christbaum für das Belvedere 2010 in Schröders Sammlung gelandet ist.

Michael Krebber verbindet neben den Fahnenobjekten Spaulings humorvolle Reaktionen auf den Minimal-Meister Donald Judd mit seinen Surfbrettern. Die pinke Neonröhre von Lutz Bacher leuchtet neben Dan Flavin auch Jasper Johns heim. Über den vielen Rückblicken auf Künstler wie David Hockney durch Mark Leckey oder durch Karl Holmqvist sogar auf die Architektur der italienischen Faschisten, kreist der eingehängte Spruch von Cerith Wyn Evans in rotem Neon, der uns lateinisch beidseitig lesbar als Heiligenschein-Palindrom verspricht, dass wir nachts vom Feuer verzehrt werden und daher im Kreis gehen. In der dichten Aufstellung, die eher nach ästhetischen Kriterien gruppiert ist als nach vergleichbaren Inhalten, kann das tatsächlich passieren.

Dagegen soll die Hutgalerie von Christian Philipp Müller am Eingang helfen. Denn da können wir uns jede Berufsbezeichnung aussuchen und drei Hüte übereinander aufsetzen - es folgt damit die Besichtigung als Künstlerkritikerkuratorin. Meist müssen Korrespondenzen gesucht werden, etwa zwischen Poet Pierre Klossowski und den Feministinnen Martha Rosler oder Paulina Olowska, die Frauenbilder der ehemaligen DDR malerisch überprüft. Bleibt rein optisches Umherschweifen zwischen "Pfeffersäcken", "Toskanafraktion" und dem Modell des "Colosseo quadrato".

Die Schau soll auf Tour gehen, etwa ins Museum Ludwig in Köln; allerdings wäre dann neben einer stringenteren Struktur für die in der Gegenwartskunst wichtigen Themen auch eine genauere Bearbeitung des Katalogs begrüßenswert. Ohne Künstlerviten und mit irreführendem Nacheinander von Text und Bild wirkt er zu schnell abgehandelt, was, lange nach Andy Warhols "Anything goes", für die "Heroen" von Kapitalismus- und Institutionskritik nicht bekömmlich ist.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-09 16:23:33
Letzte Änderung am 2018-02-09 16:28:12


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