• vom 13.02.2018, 16:14 Uhr

Kunst

Update: 13.02.2018, 17:42 Uhr

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    Na, wo ist das Katzi? Peter Sengl hat ein "Katzenkopfversteck für A. Jolie" gemalt.

    Na, wo ist das Katzi? Peter Sengl hat ein "Katzenkopfversteck für A. Jolie" gemalt.© Galerie Gerersdorfer Na, wo ist das Katzi? Peter Sengl hat ein "Katzenkopfversteck für A. Jolie" gemalt.© Galerie Gerersdorfer

    Die Bäume lernen jetzt fliegen

    (cai) Es geht also wieder einmal nur um das eine. Na ja, nicht nur. Sex ist schließlich nicht alles. Und was ist mit dem anderen? Mit dem, das angeblich nicht glücklich macht? Nix. Das Geld ist bestimmt nicht der Grund, warum der Josef Bücheler mit "armen" Materialien arbeitet. Dafür würden sich die Schaukästen seiner Frau sogar für den Aufklärungsunterricht eignen.

    Ach, zeigen die, wo die Babys herkommen? Das nicht, aber wo die Blumen her sind. Die Flugsamen vom Weidenröschen, Huflattich, von der Distel ordnet Angela M. Flaig akribisch zu Quadraten und Kreisen, zu "Samenbanken" von unwiderstehlicher mathematischer Anmut. Sie formt flauschige Nester oder spießt die filigranen Bällchen der Pusteblume auf wie Käfer in der Insektensammlung. Und wie hält sie jetzt einen notgeilen Löwenzahn, der sich schon beim leisesten Windhauch nimmer beherrschen kann, davon ab, die nächste Wiese zu begatten? Mit Haarspray. Und die Frisur hält. (Dass Haarspray ein so sichereres Verhütungsmittel ist, hätte ich echt nicht gedacht.) Was ist das eigentlich? Abstrakte Pornografie?

    Zwischen Erdenschwere und Himmelssehnsucht: Wie schlaffe Tücher hängt das pittoresk bearbeitete Altpapier vom Josef Bücheler an den Seilen oder entfaltet sich, auf schwungvoll gebogene Äste gespannt, wie Flügel. Holz und Papier geben sich gegenseitig Halt. Bäume können zwar nicht fliegen, aber sie wachsen in den Himmel. Und vielleicht lernen sie’s ja noch. Denn der Bücheler macht ihnen manchmal so was wie Flughäute. Aus Papier. Nadja D. Hlavka ist die Dritte in der Schau "paper connected" (Galerie Hrobsky). Suggestive Landschaftsmalerei mit lyrischen Farbklängen und Collage-Einsprengseln. Ausflüge ins Blassblaue. Das Haptische generell verbindet alle drei. Mehr noch als der Griff zum Papier.

    Galerie Ulrike Hrobsky
    (Grünangergasse 6)
    "paper connected", bis 10. März
    Mi. - Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr
    Katzerln und Schatzerln

    (cai) Wau. Tschuldigung: Miau. Da steht wohl einer auf Katzen. Auf zahme und wilde. Fast auf jedem Bild ist eine drauf. Okay, meist nicht die ganze. Nur was von ihr übrig ist. Ich hab’s zwar nicht so mit Katzenbildern (zu niedlich), aber die hier sind irgendwie anders. Anders als die, die die Leute dauernd auf Facebook posten. Galerist Horst Gerersdorfer postet sie natürlich trotzdem.

    Eigentlich müsste der Peter Sengl ja längst ein perverser Serienkiller sein. (Zuerst quält man Katzen . . .) Nein, wieso? Die Jäger hängen sich doch ebenfalls die Köpfe ihrer getöteten Viecher an die Wand, oder? Ja, allerdings würden sie die niemandem brutal mit Schrauben am Schädel befestigen. Als handfeste Migräne. Als modischen Kopfschmuck. Und sie schreiben sicher nicht so lustige Reime unter ihre Trophäen: "Sagt Abraham zu Bebraham - schad dass ma zwa Zebra ham." Der Sengl mag nämlich nicht bloß gestreifte Katzen, sondern auch gestreifte Pferde. (Muster überhaupt.) Und fesche Katzen (vorzugsweise in Dessous) hat er sowieso gern. Bastelt ihnen surreale, unpraktische Prothesen. Verbindet das Organische mit einem brachial verspielten Konstruktivismus. Dekorativ, sexy, witzig. Außerdem sind das visionäre Body-Modifications. Er lebt seine wilden Heimwerker-Phantasien ja mit dem Pinsel aus, nicht mit der Säge und dem Schraubenzieher. Ist bei ihm also eine Schraube locker? Definitiv nicht. Jede ist festgezogen. Alles in den Bildern muss perfekt sitzen, wird fixiert. Sogar die Mundwinkel von Angelina Jolie sind angeschraubt. Klingt nach einem Inbus-Komplex. Dass der Sengl glaubt, er wäre ein Inbusschlüssel. Na ja, eine Randnotiz in einem der Bilder, in seinem kreativen Dialog mit August Wallas Art-brut-Kosmos, spricht mehr für einen Gottkomplex: "Am Anfang war das Bild und das Bild war von mir." (Und Sengl sah, dass es gut war.) Ein malerisches Bravourstück (da ist er weniger grafisch als sonst): sein "Callaherzläuten". Dicht und delikat gepinselt. Und das Blumenmäderl wird schonend mit Seilen ins Bild reingespannt. Nichtinvasiv. Kein Katzerl wird beschädigt. Wird er schön langsam weich?

    Galerie Gerersdorfer
    (Währinger Straße 12)
    Peter Sengl, bis 3. März
    Do., Fr., Sa.: 11 - 20 Uhr





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-02-13 16:17:23
    Letzte Änderung am 2018-02-13 17:42:15


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