Doch auch die performative Übertragung auf den Körper und ihre Dokumentation per Fotoapparat haben die 1921 in Paris wieder vereinten Avantgardisten spielerisch ausgeweitet: Von sportlichen Aktionen wie Tennis ohne Netz kamen sie zu den bis in alte Rituale und Geschlechterfragen vordringenden Männermythologien in der Auseinandersetzung mit dem Schachspiel.

In dieser Zeit experimentierte Man Ray zudem mit der Filmkamera, deshalb hat das Kunstforum ein eigenes Lichtspieltheater nachgebaut, in dem vier Beispiele im Loop präsentiert werden. Gelebt hat Man Ray allerdings vor allem von der Fotografie - und auch die wird mit Abzügen und Serien aus verschiedenen Jahrzehnten in der Schau sichtbar: Viele Aufnahmen prominenter Zeitgenossen sind zu sehen - von Salvadore Dali, Kiki de Montparnasse, Lee Miller über Arnold Schönberg, Dora Maar und Tristan Tzara bis Picasso, Coco Chanel und Ava Gardner sowie die Modefotografien für "Vogue" und "Harper‘s Bazaar".

"Rayographie"

Nach 1921 erfand Man Ray durch einen Zufall im Hotelzimmer am Montparnasse das Verfahren von Henry Fox Talbott einer kameralosen Fotografie neu: Er nannte seine zahlreichen Fotogramme schon damals geschäftstüchtig "Rayographien" oder Malen mit Fotografie.

Wie Damien Hirst hat der fast 70-Jährige 1969 seine Werke als "Die Unverkäuflichen" bezeichnet in einer Galerie in Vence ausgestellt - die vermeintlichen Ladenhüter wurden Verkaufshits. Dada war diesmal in seiner Umkehrung eingesetzt worden: Was ein revolutionäres No-Go darstellte, wurde mit Werbegeck sanktioniert.

Kritisch ist über den Fotografen mit Kultstatus durch Beispiele wie die Violinschlüssel am Rücken seines Modells Kiki, "Violon d’Ingres" oder "Noir et Blanche", seitens der Feministinnen und der postkolonialen Untersuchungen über seine und anderer Begeisterung für afrikanische Masken reagiert worden. Doch da ist Man Ray, der Avantgardist, eben ganz "Kind seiner Zeit" wie auch Alfred Stieglitz, in dessen New Yorker Galerie er sich Anregungen holte und ausstellte. Auch die Pornografie und Marquis de Sade waren ein Thema, das er mit Louis Aragon und Benjamin Péret abhandelte wie er mit den Surrealisten Max Ernst und Wolfgang Paalen neben Duchamp Schaufensterpuppen zu Skulpturen verwandelte.