• vom 15.02.2018, 16:03 Uhr

Kunst

Update: 15.02.2018, 16:12 Uhr

Ausstellungskritik

Kunst als Brücke der Sinne




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Premiere einer besonderen Privatsammlung im Leopold Museum: "Wow! The Heidi Horten Collection".

Die Heidi-Horten-Sammlung, die nun im Museum Leopold zu sehen ist, enthält Meisterwerke wie Gustav Klimts "Kirche in Unterach am Attersee".

Die Heidi-Horten-Sammlung, die nun im Museum Leopold zu sehen ist, enthält Meisterwerke wie Gustav Klimts "Kirche in Unterach am Attersee".© Heidi Horten Collection Die Heidi-Horten-Sammlung, die nun im Museum Leopold zu sehen ist, enthält Meisterwerke wie Gustav Klimts "Kirche in Unterach am Attersee".© Heidi Horten Collection

Es gibt immer noch ein Sammeln von Kunst aus Leidenschaft - Fotos aus den Residenzen von Heidi Goëss-Horten zeigen, dass ihre Meisterwerke nicht in Tresorräumen auf Flughäfen als Aktien lagern, sondern jede Wand für besondere Kunstwerke genützt wird und der Garten mit Skulpturen bekannter Künstler wie Keith Haring, Alexander Calder, Antony Gormley oder Mimmo Paladino dicht bestückt ist. Im Speisezimmer zwei außergewöhnliche Cy Twomblys, hinter dem Schreibtisch Francis Bacon und Andy Warhol, im Entrée Pablo Picasso und Roy Lichtenstein, René Magritte zum Träumen im Schlafzimmer: Jedes Objekt bleibt unter den Augen der Sammlerin. Als eine "Sehnsucht nach ungeteiltem Sein" beschrieb Franz Marc die Kunst, Picasso sah sie als politische Waffe - für den gläubigen Alexej von Jawlensky war Kunst die "Sehnsucht zu Gott".

Große Namen

Information

Ausstellung

Wow!

The Heidi Horten Collection

Agnes Husslein-Arco (Kuratorin)

Leopold Museum

Bis 29. Juli

Mit den deutschen Expressionisten, neben Marc vor allem Emil Nolde, August Macke und Ernst Heckel, aber auch schon mit ersten Gemälden von Pablo Picasso und Marc Chagall, legte das Ehepaar Helmut und Heidi Horten in den 1970er Jahren den Grundstock einer Kollektion. Nach Helmut Hortens Tod 1987 nahm seine Witwe in den 1990er Jahren den Faden auf und reiste zu Auktionen in Tel Aviv und London, beraten von Agnes Husslein-Arco. Husslein-Arco ist nun auch die Kuratorin von "Wow!", mit diesem Slogan aus Wortblasen in Bildern von Lichtenstein treten bis Juli erstmals 170 der 700 Werke der Horten Collection ans Licht der Öffentlichkeit.

Das Leopold Museum ist insofern passender Rahmen, als sein Bestand ebenso auf eine bedeutende Privatsammlung zurückgeht. Beide überschneiden sich nicht nur mit dem Schwerpunkt Gustav Klimt, Egon Schiele und Alfred Kubin. Horten besitzt eine große Attersee-Landschaft Klimts und einen Querschnitt bester Zeichnungen, von Schiele hat sie die "Wassergeister I und II", die dessen Verehrung für Klimt zeigen, dazu ein "Blumenfeld", expressiv bemalte Akte und ein wenig bekanntes Bildnis von "Wally". Kubin beschäftigte "Die Welt als Irrgarten" mit lauernden Monstern in nächtlichem Park, Sturm und fantastischen "Wesen vom Mars". Ein wenig Symbolismus taucht auch mit Odilon Redon, einem speziellen Edgar Degas und Paul Klee auf.

Der vierte Stock kann chronologisch vom Expressionismus (mit Edvard Munch und Chaim Soutine) bis zu Picasso, Henri Matisse, Jean Dubuffet und Fernand Léger durchschritten werden. Dann folgt der Übergang in einen ebenso fulminanten Bestand nach 1945. Nach einer Auktion 1996 kamen Horten und Husslein nach Spekulationen, ob ein Mafiaboss oder Drogenbaron hinter den Zuschlägen stecke, in die Schlagzeilen der "New York Times" - und das Lieblingsbild in die Sammlung: "Les Amoureux" ergänzte die Chagall-Serie um ein Ausnahmewerk. Zwar mag hinter den Schwerpunkten Bacon, Warhol, Gerhard Richter und Georg Baselitz ein Verdacht auf Spekulation aufkommen, doch nach dem Zusammenbruch des Kunstmarktes 1990 war die perfekte Zeit, heute Unerschwingliches zu kaufen.

Ikonen von Yves Klein, ein Mark Rothko sowie ein Hirte der "Heldenserie" von Baselitz und dessen "E.N. Idol" hängen neben zwei monumentalen und zwei frühen Bacons. In New York umgibt sich Horten passend mit Jean-Michel Basquiat und Warhols "Jackies", "40 Marilyns" und einer handgemalten Frühfassung der "Campbell’s Soup Cans". Zur Freiheitsstatue räkelt sich eine "Nana Pommes de Terre" von Niki de Saint Phalle empor neben einer Schrottplastik Robert Rauschenbergs.

Private Initiative

Zwei Auguste-Rodin-Köpfe stehen wie nebenbei neben Calder, Damien Hirst, Julian Schnabel und Sylvie Fleury. Letztere macht sich lustig mit ihrer "White Gold"-Tasche von 2010 über Sammlerinnen, denn aus der Bronzetasche lugt eine Leinwand. Doch Horten bezahlt nicht nur die Kosten der Schau (allein die Versicherungswerte würde das Museum kaum alleine stemmen), sie sponsert auch die Vermittlung und einmal die Woche Gratiseintritt, frei nach Max Pechsteins Spruch "Kunst ist keine Spielerei, sondern Pflicht dem Volke gegenüber. Sie ist eine öffentliche Angelegenheit" oder Picassos Ruf "Kunst ist weniger dazu da, Wohnungen zu schmücken, sondern sie ist die Waffe im politischen Streit", die im gewichtigen Katalog zu finden sind. Hoffentlich überträgt sich die beispielhafte Begeisterung auf die Kulturpolitik in Stadt und Bund, die gerade im Sparmodus unterwegs ist.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-15 16:08:30
Letzte Änderung am 2018-02-15 16:12:43


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