Ihre Schokoladenseite? Aber die zeigt die Welt beim Alex Katz ja eh immer. - © Galerie Ernst Hilger
Ihre Schokoladenseite? Aber die zeigt die Welt beim Alex Katz ja eh immer. - © Galerie Ernst Hilger

Bäume sind halt

auch nur Menschen

(cai) Aber blaue Blätter existieren doch gar nicht. Na ja, jetzt schon.

Also es ist so: Laubbäume halten Winterschlaf. Quasi. Und damit sie das überleben, müssen sie ihren Blättern im Herbst das Grüne raussaugen und ihnen das Wasser abdrehen. Die werden davon dann meistens gelb. (Zuerst. Und später braun.) Oder eigentlich waren sie das ja bereits vorher. (Gelb.) Man hat es bloß nicht gesehen. Wegen dem vielen Grün. Doch bekanntlich können sie sämtliche Primärfarben annehmen. (Gibt eh nur drei.) Außer eben Blau. Und ausgerechnet die Farbe hat sich der Manfred Bockelmann ausgesucht, um "Das Sterben der Blätter" mit dem Pinsel zu begleiten (und mit dem Kohlstift für die fein gezeichneten Schatten). Trotzdem alles sehr realistisch. Einfühlsame Porträts sind das. Von der Vergänglichkeit. Der Kärntner studiert ein gefallenes Blatt praktisch mit derselben Hingabe wie Rembrandt das verwelkte Gesicht seiner Mutter. Hm. Jetzt kommt einem dieser echte, braune Laubhaufen in der Galerie Frey direkt wie ein Massengrab vor. Nicht wie Biomüll. Außerdem ist Braun eine so deprimierende Farbe. Und das Blau? Das ist eher melancholisch.

Der Fotograf Bockelmann beobachtet dafür das Liebesleben der Bäume. Macht intime, geradezu schwül-erotische Detailaufnahmen von diesen Monumentalpflanzen. Von Feigenbäumen in Florida und Neuseeland ("Love Trees"). Die Luftwurzeln werden zu Tentakeln, die umarmen, klammern, erdrücken. Ambivalent auch die kompakten Liebesgedichte, die Bachmannpreisträgerin Maja Haderlap druntergeschrieben hat: "Habe Hände, die du nicht siehst, / um dich zu halten, zu würgen . . ." Stimmig. (Verbrechen aus Leidenschaft: Liebe?) Und Bäume sind halt auch nur Menschen.

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Manfred Bockelmann und

Maja Haderlap, bis 15. März

Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Mut zur

Schönheit

(cai) Ist es eigentlich geschmacklos, ein Blumenstillleben zu malen, während in Syrien die Menschen sterben? Nein, wieso? Was hat das eine mit dem andern zu tun? Außerdem sind die Blumen gar nicht gemalt. Sondern gedruckt. Es handelt sich ja um Drucke (mit mehr oder weniger malerischen Details). Und auf den Blättern, die die Galerie Hilger derzeit zeigt, ist sowieso nicht bloß Florales drauf. Es gibt vor allem auch welche mit feschen Frauen. Und ein paar mit Architektur. (Ist es nicht wenigstens unsensibel, die Wände mit bunten Bildern vollzuhängen, während draußen die Obdachlosen herumkugeln, die nicht einmal Wände um sich herum haben?)

Alex Katz hat quasi den "Mut zur Schönheit". Hässliche Bilder kann schließlich jeder fabrizieren. Und wenn ich welche sehen will, dann schalte ich den Fernseher ein. Und schau die Nachrichten. Die Arbeiten des US-Amerikaners (Jahrgang 1927) sind wie Urlaub. Von der Realität. Nicht, dass es im richtigen Leben keine attraktiven Frauen gäbe. Oder oberflächliche. Laura, Vivien, Sophie, Sara und seine Ehefrau und Muse Ada: Ihre Porträts (wie aus einer Werbung für eine Antifaltencreme oder Haarkoloration) sind eher coole Ikonen der Schönheit und ewigen Jugend. Reduziert aufs Plakative. Aber trotz ihrer Flachheit sind die Gesichter nicht leblos. Und man kriegt von ihnen wenigstens kein Kopfweh. Weil man nix "verstehen" muss. Nur schauen. Alles ist Oberfläche. Total entspannend.

Für einen Zwangsneurotiker wird die Ausstellung vielleicht weniger erholsam sein. Weil er bis zum Burnout zählen wird müssen. Also. In der Wiese blühen rosa und gelbe "Spring Flowers". Und wenn man die grünen Stängel noch dazurechnet, dann macht das wie viele Farben? 24. So viele soll dieser Siebdruck nämlich enthalten. Ich komm lediglich auf sechs. (Hellrosa, Hellgelb, Hellgrün plus Dunkelrosa, Dunkelgelb und Dunkelgrün für die Schatten.) Wo befinden sich die restlichen 18? Diese auch technisch präzisen Prints tun offenbar nur so simpel. Doch das dürfte reine Show sein.

Galerie Ernst Hilger

(Dorotheergasse 5)

Alex Katz, bis 17. März

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr