"Der Optimist" aus dem Jahr 1948. - © Ironimus 90/Karikaturmusem Krems
"Der Optimist" aus dem Jahr 1948. - © Ironimus 90/Karikaturmusem Krems

Das Karikaturmuseum Krems, eines der ganz wenigen seiner Art, hat zwei Stammkarikaturisten, die stets mit einer kleinen Ausstellung vertreten sind: Gustav Peichl, alias Ironimus, und Manfred Deix. Nachdem man die Dauerausstellung von Deix kürzlich einem Relaunch unterzogen hat, wird nun auch Ironimus pünktlich zum 90. Geburtstag ab Samstag mit einer neugestalteten Ausstellung geehrt.

Der Meister des feinen Strichs, der für seine teils minimalistischen Skizzen bekannt ist, wird diesmal in einem anderen Aspekt seines zeichnerischen Schaffens geehrt. Die Schau widmet sich ausschließlich den Zeichnungen abseits der politischen Karikatur, für die Ironimus unter anderem 60 Jahre lang von 1954 bis 2014 in der Zeitung "Die Presse" zuständig war. Das ist eine gute Chance, das Genie Ironimus neu kennenzulernen. Zeigt sich doch in manchen seiner Blätter ein feiner, alltagsinniger Humor von fast schon Loriot-haftem Zuschnitt. Wenn er etwa in einem Zyklus von Helden-Zeichnungen den "Held der Eroberung" als strammen Offizier mit Ordensspange zeichnet, an welcher lauter kleine Herzen anstatt der obligaten Dekorationen hängen.

"Klare Kante", Tusche auf Papier, entstanden im Jahr 2016.
"Klare Kante", Tusche auf Papier, entstanden im Jahr 2016.

Auch die eigene Profession nimmt Ironimus aufs Korn, und zwar beide Herzen, die in seiner Brust schlagen. Jenes des Architekten, der unter anderem für den Bau der ORF-Landesstudios verantwortlich zeichnete, und die des Künstlers, der etwa in dem Blatt "Der Tachist als Nihilist" (1959) einen Maler in einem völlig verklecksten Atelier zeichnet - mit dem Pinsel zufrieden vor einer blütenweißen Leinwand stehend.

Doppelter Heimvorteil

Als Architekt und Karikaturist hat Gustav Peichl in Krems sozusagen einen doppelten Heimvorteil, war es doch auch er, der für den markanten Entwurf des Museums sorgte, der das Haus auch von außen völlig unverwechselbar macht. Doch auch die eigene Zunft kommt nicht ohne Spott davon, in dieser überschaubaren Schau von an die 90 Blättern. "Der Architekt und das Vogelhaus" (1980) heißt ein Blatt, das einen Architekten vor einem verwinkelten neumodischen Betonklotz zeigt, wie er ein klassisches Vogelhäuschen bewundert. Der gefiederte Freund darf behaglich wohnen, für den Menschen muss die kühne Form das Maß an Komfort diktieren.

Es ist wohl kaum ein größerer Gegensatz denkbar als zwischen den beiden Stammgästen Deix und Ironimus. Letzterer teilt nicht den schenkelklopfenden Bruhaha-Humor des Ersteren. Den beißenden Spott, der das Hässlich-Prägende am Homo austriacus gnadenlos in Color aufs Blatt wuchtet. Ironimus ist völlig anders. Sehr subtil und beschwingt lässt der Maestro den Humor auf dem Weiß erscheinen, wie ein Zauberer, der zur Verblüffung aller doch noch ein Kaninchen aus dem Hut zieht. Der Strich kommt nicht so plakativ daher wie ein Deix’sches Geschlechtsteil. Manches will regelrecht gesucht werden. Oft ist es nur ein Detail, das in fast Brecht’scher Verfremdung stutzig macht - und dann ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubert.

Mit-kuratiert wurde die Ausstellung von Peichls Sohn Markus, selbst als Galerist und Kurator durchaus in der Kunst-Branche aktiv. Und so kommt der Besucher auch in den Genuss einer ganzen Wand voll Zeichnungen aus dem jüngsten Schaffen von Ironimus. "Hochwürden" (2017) heißt ein Blatt, das einen Geistlichen in Soutane und Hut zeigt. Als Gesicht hat er in Collage-Technik das Antlitz eines Models auf das seine montiert.

Auf 12.000 Blätter brachte es Ironimus im Laufe der Jahrzehnte. 30 Bücher (ein zusätzliches kam mit der Ausstellung hinzu) und rund hundert Ausstellungen sowie zahlreiche Fernsehsendungen zeugen von der Beliebtheit des Meisters mit dem hintergründigen Tuschstrich. Dem Untertitel der Ausstellung, "Happy Birthday, Ironimus" schließt man sich als Besucher gerne an.