Klemens Brosch: "Selbstbildnis", 1911.
Klemens Brosch: "Selbstbildnis", 1911.

Es ist ein ähnliches Schicksal wie das von Georg Trakl: Eine große Begabung wurde durch Erlebnisse im Ersten Weltkrieg und eine Drogensucht zerstört: Klemens Brosch (1894 - 1926), galt in seiner Schulzeit als Wunderkind, hinterlässt als Zeichner und Druckgrafiker ein umfangreiches Werk, dazu kommen einige wenige Gemälde und Aquarelle. An die Wiener Akademie wurde der Begabte ohne Aufnahmeprüfung aufgenommen - sein Vater hatte einige Blätter eingereicht, nachdem der Sohn den Termin versäumt hatte, und sie überzeugten.

Arbeitswut


In Oberösterreich gilt Brosch als der bekannteste Zeichner neben Alfred Kubin, sein Nachlass befindet sich im Linzer Stadtmuseum Nordico und im Landesmuseum, wo vor zwei Jahren eine große Retrospektive gemeinsam veranstaltet wurde. Kuratorin Elisabeth Nowak-Thaller hat bereits ihre Dissertation über den Künstler verfasst und ihre nun sechste große Ausstellung in der Orangerie in fünf Kapitel geteilt. Diese sind sowohl chronologisch als auch inhaltlich gegliedert, selbst die Veränderung seines Stils ist in nur 16 Schaffensjahren durch die äußeren Umstände zu bemerken. Eine gewisse Besessenheit kennzeichnet schon das Frühwerk, nämlich seine Arbeitswut betreffend; der Vater bemerkte zu den akribischen Naturstudien seines Sohnes noch vor der Matura, er arbeite sich zu Tode.

Brosch war ein bereits 1912 im Kunstverein ausgestellter "Shooting Star" seiner Tage, 1913 gründete er mit Anton Lutz und Franz Sedlacek den Kunstverein Maerz, die Neigung zum Phantastischen teilt er mit dem im Zweiten Weltkrieg verschollenen Sedlacek. Die Natur erscheint dunkel, visionär und voller Geheimnisse. Gut ablesbar ist der Bezug zu Max Klinger, vor allem dessen symbolistischen Radierzyklen wie "Der Handschuh". Er selbst spricht mehr von Arnold Böcklin, der ihn durch Sturmbilder am Meer faszinierte.

Broschs viele Nachtstücke mit teils pathetischem Unterton gehen aber zurück bis in die Romantik oder seine Radierungen bis zu Rembrandt und Goya. Mit Letzterem teilt er die schonungslose Kriegsberichterstattung ab 1914, die während seiner Studienjahre nach vielen interessanten Studien zu Händen, Muscheln oder Schuhen entstanden sind. Die kaputten Frauenschuhe sind wie bei Vincent van Gogh eher als Porträts als Stillleben.

1914 meldete sich Brosch mit seinem Bruder freiwillig und musste dessen Tod miterleben, erlitt aber auch durch Lungenschwäche einen physischen wie psychischen Zusammenbruch. Die einzige Linderung damals war Morphium, von dem er in der Folge nicht mehr loskam und auch nach weiteren Drogen greifen musste. Die Wendung zum Kriegsgegner zeichnet sich in vielen traumatischen Bilddokumenten ab, die er halluzinatorisch steigerte. Die Erfindung vieler Dämonen zu Angst und Tod, hat einen ironischen Vorläufer - das schläfrig wirkende "Krokodil auf der Mondscheibe". Erschießungen, Gefallene, Granatentreffer, verhungernde Zivilbevölkerung und bedrohliche Panzerfahrzeuge hat er um 1916 teils in Lazaretten und zurück auf der Akademie bis 1919 festgehalten.

Resozialisierung


Eine Neigung zum technischen Fortschritt zeigt Fabriksschlote, Zahnräder, Wasserkraftwerke und die nächtliche Elektrifizierung der Städte, was fast wie ein Gegenteil zu den Antikenvisionen wirkt, die Gräber der alten Ägypter und Etrusker theaterhaft übersteigern, beides etwa ab 1920.

Nach zwei Versuchen, gemeinsam mit seiner Frau Johanna Springer, den Entzug zu schaffen, startete Brosch mit einem neuen Beruf: Bauzeichner. Als Weg zur Resozialisierung wurde ihm von seinen Gönnern auch ein neues Atelier zur Verfügung gestellt, wo zu den Staudämmen weitere dämonische Todesvisionen in Tuschepinsel und auch einige Ölbilder entstanden sind. Zeichnen und Schlafen fiel ihm immer schwerer, Schulden und Albträume wurden zu Horrorvisionen wie das Bild "Die Sternwarte" mit isolierten Menschenmassen im Weltraum.

Broschs Selbstmord war eine tragische Inszenierung mit Gasmaske am Pöstlingberg-Friedhof. Der Morphiumsucht fielen neben Brosch und Trakl auch Ernst Ludwig Kirchner und Klaus Mann zum Opfer.

Ausstellung

Klemens Brosch

Belvedere Orangerie bis 3. Juni