• vom 13.03.2018, 16:04 Uhr

Kunst

Update: 13.03.2018, 16:39 Uhr

Ausstellung

Versuchslabor Wiener Moderne




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Arnold Schönberg im Kreise seiner Zeitgenossen - am Wiener Künstlerstammtisch um 1900.



Auch wenn der Begriff "Jung Wien" von Arthur Schnitzler stammt, war es Hermann Bahr, der junge Wiener Literaten im Hauptquartier Café Griensteidl mit Musikern, Architekten, Ärzten und Journalisten zusammenschloss - seine Wochenschrift "Die Zeit" diente vielen aus dieser offenen Gruppierung als Publikationsorgan. 1898 unterfertigten 24 junge Männer an dem auch "Café Größenwahn" genannten Ort, nach Leo Hirschfelds Premiere "Die Lumpen" im Carltheater, in bester Champagnerlaune ein Gründungsdokument. Die Unterschriften von Leo Hirschfeld, Adolf Loos, Jakob Wassermann, Alfred Gold, Alexander Zemlinsky und vielen anderen sind beschwingt, aber lesbar.

1998 wurde im Palais Fanto das Arnold Schönberg Center gegründet, weshalb zum 20-Jahr-Jubiläum eine Sonderausstellung auf dieses Netzwerk jungen Wiener Künstler um 1900 mit 150 Exponaten und einer Buchpublikation verweist.

Information

Ausstellung
Arnold Schönberg & Jung Wien
Schönberg Center
Bis 29. Juni

Der Welt den Rücken kehren

Dabei sind auch die problematischen Seiten der Zensur und der damals in Wien vorherrschende Antisemitismus Thema. Einmal mündete ein Streit der Theatermacher und Dichter der "Jungen Szene" mit Kritikergegner Karl Kraus im Café Imperial sogar in eine Prügelei.

Auf dem schon für die Fotografie um Schönberg verwendeten großen Tisch, eine geschwungene Tafel des Architekten Jochen Koppensteiner, stehen zahlreiche Originaldokumente in Glasboxen, aber auch Faksimiles, die herausgenommen und gelesen werden dürfen. Alexander von Zemlinsky, Freund und Schwager des vielseitig begabten Schönberg, vermittelte ihn an diesen Kreis, der sich auch aus der Runde um Peter Altenberg im Café Zentral speiste - wie die Namen Arthur Schnitzler, Felix Salten und Hugo von Hofmansthal verraten. Im Theaterstück "Die Lumpen" ging es um verkrachte Künstlerexistenzen, mit minimaler Namensänderung finden sich darin einige Protagonisten aus der Szene Jung Wien, auch Stars wie der radikale Architekt Adolf Loos passen zu diesen Figuren der Wiener Moderne.

Dazu hängen an den Wänden Porträts, auch Karikaturen Schönbergs, sowie das ganzfigurige Porträt seiner Gattin Mathilde und eine Mappe von 25 Lichtdrucken nach Zeichnungen Gustav Klimts, ein von Schönberg höchst geschätzter Künstler. Die Mappe war ein Geburtstagsgeschenk und kam wie sein Malkasten und seine Tuschefedern aus dem Nachlass von Amerika zurück nach Wien. Einleitend steht Loos’ schnörkelloser Stuhl aus dem Speisezimmer Eugen Stössler neben dem Porträt des Architekten von Max Oppenheimer. Daneben Schönbergs "Gehendes Selbstporträt" (1911), das seinen Avantgardespruch abbildet: "Der Künstler hat nie ein Verhältnis zur Welt, sondern immer eins gegen sie; er kehrt ihr den Rücken, den sie verdient."

Rote Augen

Eingangs weist ein kleines Skizzenblatt Kolo Mosers mit Porträt von Bahr und das Plakat des Künstlers für das Jung Wiener Theater "Zum lieben Augustin" von 1901 auf die Stammtische der Dichter, Musiker und Sänger.

Die Akten der Zensurbehörde zum Stück "Die Lumpen" samt Textbuch spricht auch Schönbergs "Musikalischen Verein Polyhymnia" an. Nachdem das Palais Herberstein abgerissen und neu gebaut wurde, hieß das Café zwar Glattauer, behielt aber in der Szene immer die alte Bezeichnung.

Schönbergs bekanntes Bild "Blick" mit den roten Augen hat eine makabre Entstehungsgeschichte, die mit Kraus, dem von ihn geschätzten radikalem "Vernichter" der Stücke aus der Szene Jung Wien verbunden ist. Dieser hielt einen Vortrag über die Ermordung einer evangelischen Missionarin durch ihren chinesischen Liebhaber in New York. Die in einem Koffer aufgefundene Leiche wies jene rot umrandeten Augen auf, die Schönberg für sein visionäres Bildnis "Blick" in Anregung unmittelbar danach malte.

Berührende Nachrufe auf Kraus und Mahler sowie die Urkunde des Übertritts Schönbergs zum Protestantismus, um antisemitischen Angriffen zu entgehen, ergänzen die vielen Originalpartituren und Dokumente.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-13 16:08:54
Letzte Änderung am 2018-03-13 16:39:52


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